• aktualisiert:

    Hammelburg

    Musik zum Advent und Träumen

    Die Stadtkapelle Hammelburg präsentierte sich in der Stadtpfarrkirche als symphonisches Blasorchester.
    Musik zum Advent und Träumen

    Stadtkapelle Hammelburg , die kennt man doch von Hammelburgs Wein- und Musikfesten, werden die meisten vor dem Konzert gedacht haben. Doch an diesem Abend präsentierte sich die Stadtkapelle Hammelburg als symphonisches Blasorchester . Unter der Leitung des Dirigenten Matthias Zippel ertönten Klänge, wie sie wohl kaum ein Zuhörer erwartet hätte.

    "Stille Nacht"? hatte so gar nichts mit dem weltweit bekanntesten Weihnachtslied gemeinsam. Das Saxophonquartett "Sax4Session" mit Kerstin Becker, Claudia Gerlach, Tanja Kunstmann und Konstantin Schmidt eröffnete den Abend stattdessen jazzig und swingend mit dem Lied "Lasst uns froh und munter sein". Bei "Amazing Grace" groovte es und "Gänsehautfeeling" stellte sich ein. "Let ist snow" kam wirklich locker flockig bei den Zuhörern an. Die Improvisationen waren Melodie orientiert und und auch für den "Nicht-Jazz-Fan" wiedererkennbar. 46 Musiker begaben sich anschließend auf die Plätze im Altarraum. Fast zärtlich erklang das Schlaflied "Es wird scho glei dumpa" .

    Mit einer gewaltigen Dynamik erklang der 4. und zugleich letzte Satz, "Allegro von fuoco" aus der 9. Sinfonie von Antonín Dvorák . Diese trägt den Namen: "Aus der Neuen Welt", inspiriert von den Eindrücken seines dreijährigen Aufenthaltes, 1892 - 1895, in Amerika. Marschartig und energisch wird das Hauptthema vorgetragen, welches pathetisch von der "Neuen Welt" kündet. Die Klarinetten drücken Dvoráks Sehnsucht nach seiner Heimat aus.

    Alfred Reed schrieb " Russland Christmas Music" im Jahr 1944 und sollte einen musikalischen Eindruck des alten Russland zur feierlichen Weihnachtszeit geben. Motive aus der liturgischen Musik und der orthodoxen Kirche waren deutlich erkennbar. Beeindruckend war der schwere Klang der "Röhrenglocken", welche im Orchester zur Imitation von Kirchenglocken verwendet werden. Die Posaunen ertönten voller Dynamik und die Klarinetten kamen fast tänzerisch daher. Das Orchester spielte abwechselnd gigantische Klänge, schwebende Passagen und manchmal etwas schwermütig. Nicht nur der Kälte wegen in der Kirche, fühlte man sich musikalisch in das klirrende kalte Russland versetzt.

    Märchenhaft wurde es bei "Drei Nüsse für Aschenbrödel". Der Defa-Märchenfilm wird seit 46 Jahren jedes Weihnachten in fast allen Fernsehsendern gespielt. Karel Svoboda komponierte 1973 die Musik zum Film. Bei geschlossenen Augen lauschte man der Symphonie und fühlte sich in viele Szenen des Films versetzt. Als Einleitung die Titelmelodie, die hilfreichen Täubchen, Ankunft des Königspaares und seine Begleiter, die Jagd auf Aschenbrödel, der Zauber der Haselnüsse, Aschenbrödels Tanz mit dem Prinzen, Verrat und Strafe bis hin zur Hochzeit, wurde vom Orchester sehr authentisch umgesetzt.

    Ein weihnachtlicher Reigen folgte, beginnend mit "Herbei, oh ihr Gläubigen" und weiteren, international bekannten Weihnachtsliedern. Der Japaner Takashi Hoshide arrangierte "Joy to the World", "The First Noel", O Little Town of Betlehem", zu einem festlichen Medley für Blasorchester , Orgel, Posaune und Klarinetten.

    Reinhard Kühnl moderierte informativ durch das außergewöhnliche Programm. Der Erfolg des Konzertes ist sicher dem Dirigenten Matthias Zippel zu verdanken. Wohnhaft in Nürnberg, spielt er am Theater in Baden-Baden im Orchester . Als Berufsmusiker gibt es fast kein Holzblasinstrument, das er nicht zu spielen weiß. Ihm liegt der klassische Bereich sehr am Herzen und er möchte mehr davon nach Hammelburg bringen. Die Musiker hat er schon überzeugt und die Zuhörer, die dem Konzert lauschten, nach dieser grandiosen Aufführung, sicherlich auch. Im Anschluss boten die Ministranten vor der Kirche alkoholfreiem Glühpunsch, Plätzchen und leckere Bratwürstchen an. So konnten Musiker und Zuhörer den schönen Konzert- Abend bei einem gemütlichen Plausch ausklingen lassen.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Bad Kissingen-Newsletter!

    Bianca Volkert

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!