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    Oberbach

    Mutig ist, wer trotz Angst vorangeht

    Die Rettung aus der Luft verlangt Einsatzkräften eine ordentliche Portion Mut ab. Das Bild zeigt eine Übung der Bergwacht bei Hammelburg. Foto: Pierre Martin
    Die Rettung aus der Luft verlangt Einsatzkräften eine ordentliche Portion Mut ab. Das Bild zeigt eine Übung der Bergwacht bei Hammelburg. Foto: Pierre Martin

    Was ist Mut? Mut ist die Fähigkeit, in einer riskanten Situation seine Angst zu überwinden, und die grundsätzliche Bereitschaft etwas zu tun, was man für richtig hält - auch wenn es mit Nachteilen für einen selbst verbunden sein könnte. Soweit die Definition laut Duden. Im Alltag aber hat Mut viele Gesichter und viele Namen.

    Wer sich auf die Suche nach den Mutigen in der Rhön aufmacht, landet zunächst bei der Bergwacht Oberbach . 25 Aktive sind es hier, ab 16 Jahren können Freiwillige mitmachen. Allein die Grundausbildung dauert drei Jahre. Danach wird das Wissen immer wieder aufgefrischt. Bereitschaftsleiter Johannes Voll weiß, wie es ist, an einem Seil an einem Hubschrauber zu baumeln. Die Rettung aus der Luft muss während der Ausbildung trainiert und jährlich aufgefrischt werden.

    "Beim ersten Mal ist es ein mulmiges Gefühl. Aber man ist so mit sich selbst beschäftigt und muss sich auf die Ausrüstung konzentrieren", beschreibt der junge Mann. Später genieße er manchmal auch die Aussicht - vorausgesetzt, es handelt sich um eine Übung. Ist einer von der Bergwacht nun mutiger als andere Menschen? Johannes Voll sieht das nicht so. "Sich einzusetzen ist per se mutig", sagt er. Für ihn bedeutet Mut, über eigene Grenzen hinauszugehen und sich für andere einzusetzen.

    Mann baumelte an Brücke

    Auch die Feuerwehr kennt Einsätze, die den Kameraden Mut abverlangen. Michael Krug, Kommandant der Bad Brückenauer Wehr, erinnert sich an eine Situation, in der seine Leute einen Mann retteten, der an einer Brücke hängen geblieben war - kopfüber. "Das war eine sehr heikle Rettung", schildert er. Doch eines möchte Krug definitiv nicht: Einen Retter besonders hervorheben. "Der einzelne kann nichts allein bewegen. Wir sind immer ein Team", macht er klar.

    Es ist schon zwölf Jahre her, da rettete der Oberbacher Gregor Cimala einem Jungen das Leben. Der eigene Sohn hatte mit einem Freund bei einem Holzstapel gespielt, als die Balken in Bewegung gerieten und einen der beiden unter sich begruben. Der Sohn rief den Vater zu Hilfe. Cimala stemmte mit seinem Körper die schweren Eichenbalken fort. Die Ärzte meinten, das Leben des Jungen nicht mehr retten zu können. Doch er überlebte und trug noch nicht einmal bleibende Schäden davon. War das mutig?

    "Vielleicht", antwortet der Lebensretter am Telefon. Dann fragt er: "Was ist mutig? Damals die Geschichte, da hat sicher ein bisschen Mut dazu gehört. Aber mutig ist für mich, wenn jemand bei den Neonazis Courage zeigt und da seine Meinung äußert, und nicht unbedingt, was ich gemacht habe."

    Muss sich Mut auszahlen?

    Abseits spektakulärer Geschichten verbirgt sich Mut an vielerlei Orten. War es mutig, das Deutsche Fahrradmuseum im entlegenen Sinntal zu gründen, Ivan Sojc? "Wahrscheinlich schon", antwortet dieser. Zwölf Jahre hatte er seine Sammlung in einer alten Fabrik in Schönhofen im Landkreis Regensburg aufgebaut, doch irgendwann reichte der Platz nicht mehr aus. Sojc schaute sich nach einem neuen Standort um.

    Doch damit hört der Mut noch nicht auf. Seit 15 Jahren stemmen Mona Buchmann und er den Museumsbetrieb in Bad Brückenau, kämpfen Jahr für Jahr um die Finanzierung. Hat sich dieser Mut ausgezahlt? Sojc findet es müßig, das zu bewerten. "Ich kann ja nur den Dingen entgegen gehen. Wenn ich das nicht tue, kann ich die Dinge nicht treffen. So war es auch beim Fahrradmuseum", antwortet er schlicht.

    Ulrike Müller

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