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    Bad Kissingen

    Nessi Tausendschön im Kurtheater: Erst die Schnittchen, dann die Zugabe

    Nessi Tausendschön war mit ihrem Partner William Mackenzie und ihrem neuen Programm im Kurtheater zu Gast. Für den Lacher des Abends sorgte ein Mann in der ersten Reihe.
    Nessi Tausendschön im Bad Kissinger Kurtheater. Foto: Klaus Werner       -  Nessi Tausendschön im Bad Kissinger Kurtheater. Foto: Klaus Werner
    Nessi Tausendschön im Bad Kissinger Kurtheater. Foto: Klaus Werner

    "Auf´s Hauptprogramm!" - wer dumm fragt, bekommt gelegentlich eine intelligente Antwort! Und die kam aus der ersten Reihe nach über zwei Stunden skurriler, herzerfrischender Unterhaltung beim Auftritt von Nessi Tausendschön. Die Antwort kam, als sie die ausharrenden, Zugabe fordernden Gäste keck fragte: "Worauf warten sie noch?"

    "Darf ich den haben?", war die Reaktion der Kabarettistin auf den Kalauer, nachdem sich die 200 Gäste von ihrem Lachanfall erholt hatten und auch Tausendschöns musikalischer Begleiter William Mackenzie nach einem spontanen Gefühlausbruch wieder in seinen stoischen Standby-Modus versunken war. Herzlicher Applaus war der Dank an Nessi Tausendschön als kabarettistische Frontfrau und William Mackenzie als Reflexionsfläche für ihren skurrilen Witz, den er mit minimaler Mimik über sich ergehen ließ und den er virtuos auf unterschiedlichsten Gitarren begleitete.

    Nessi Tausendschön bespielt seit drei Jahrzehnten die Kleinkunstbühnen mit klugen, tiefgründigen und effektvollen Inszenierungen. In ihrem neuen Programm - "30 Jahre Zenit - Operation Goldene Nase" - erlaubt sie sich einen Rückblick, wobei dieser erschreckend aktuell ist und dies nicht nur durch ihre Einlassungen zu Donald Trump oder Alice Weidel oder Merkel: "Angela, warum lullst du uns so ein?" Diese postfaktischen Zeiten mit dem Populisten-Mainstream bringt sie nicht nur auf die Palme, sondern produziert in ihren neuronalen Verbindungen den Spruch: "Würden die Chinesen Populistenhoden statt Nashornpulver als potenzsteigernd ansehen - das Problem wäre gegessen."

    Doch nicht nur die großen der Politik stehen im Zentrum ihrer ironischen, spöttischen und gelegentlich delikaten Anmerkungen. Auch das Publikum im Kurtheater lief ständig Gefahr, zum Gespött zu werden, vor allem wenn in der ersten Reihe. Nessi Tausendschön ist nichts für Zartbesaitete, wenn sie die "Schnapp-Lache" der Gäste nicht nur nachäfft, sondern noch übersteigert, wenn sie das Lachen "als störendes Geräusch" abwertet oder wenn sie das Publikum einen Gehässigkeitstest unterzieht und dann mit Donnerhall feststellt: "Jetzt weiß ich, woran ich bin!" Ein anschließendes Lachen bis in die Augenfalten hinein zeigt den humorvollen Hintergrund ebenso wie ihre Geständnis: "Ich hab meinen Spaß" oder ihre Aussage: "Die Zahl der Zugaben richtet sich nach der Qualität der Garderobe." Da kommt Bad Kissingen gut weg, denn "es gibt auch Schnittchen".

    Ein bisschen Konfrontation, ein bisschen Anarchie, ein bisschen Ausdruckstanz, ein bisschen Politik, ein bisschen Alltag - Nessi Tausendschön hat für jeden etwas dabei, auch für den, der es gerne musikalisch mag. Ob "Die wunderbare Welt der Amnesie" als Lied zum Vergessen, ob die Liebeserklärung "Sei einfach da", ob "What a Wonderful World" mit dem melancholischen Hinweis "Ich trink mir die Welt schön", ob ein Seemannslied zur "singenden Säge", ob " Testosteron - schiebs auf Hormon" - Doch nicht nur ihre mal einfühlsamen, mal frechen Texte gehen ins Ohr, sondern auch ihre modulierende, vielseitige Stimme.

    Daneben hat Nessi Tausendschön hat auch eine clowneske Seite, die sie zum Beispiel als "Schutzengel mit Alkoholproblem, also als Rauschgoldengel" ebenso auslebt wie als Gabi Pawelka, die mit ostdeutschem Dialekt vom Seminar "Ich bin eine Siegertype" berichtet und auf der Partnersuche nach dem "herrlichen Gatten in der Dunkelheit" einen Wunsch äußern darf: "Deine Mutter sollte schon tot sein - oder wenigstens nicht mehr leben." Alltagsnah auch ihre Beobachtung zu den Sex-Hotlines in der späten TV-Nachtzeit: "Die richten sich an die Männer " - und dies galt wohl auch für ihre DSF-Sportreportage zum "Kunstvögeln", wobei ihre frech-frivole Art geschlechterübergreifend für spontane Zwerchfellattacken sorgte.

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    Klaus Werner

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