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    Münnerstadt

    Neue Flügel für die Windräder am Münnerstädter Langen Schiff

    Geschäftsführer Norbert Schmäling ist zufrieden. Wie bereits am Windrad 2 (im Bild) geschehen, werden jetzt die Flügel der anderen vier Windräder im Bürger-Windpark Langes Schiff Münnerstadt ausgetauscht. Thomas Malz
    Geschäftsführer Norbert Schmäling ist zufrieden. Wie bereits am Windrad 2 (im Bild) geschehen, werden jetzt die Flügel der anderen vier Windräder im Bürger-Windpark Langes Schiff Münnerstadt ausgetauscht. Thomas Malz
    Auch wenn derzeit alle über die Hitze stöhnen, ein kleines Lüftchen weht fast immer. So drehen die fünf Windräder des Bürgerwindparks Langes Schiff Münnerstadt am Dienstagmorgen ihre Runden. Fast zwei Jahre lang stand das Windrad 2, das Münnerstadt am nächsten ist, still. Bei einer Routinekontrolle waren Risse aufgefallen. Vier Windräder konnten nach Reparaturarbeiten erst einmal weiter laufen, die Anlage 2 aber musste außer Betrieb gesetzt werden. "Ich konnte den Riss mit dem Fernglas erkennen", sagt Norbert Schmäling , Geschäftsführer des Bürgerwindparks Langes Schiff Münnerstadt . Inzwischen sind die Flügel ausgetauscht. Damit sich die über ein Dutzend Gesellschafter und weit über 100 Nachrang-Darlehensgeber nicht wundern, warum schon wieder an den Windrädern gearbeitet wird, informiert Norbert Schmäling vorab: Jetzt werden die Flügel der restlichen vier Windräder ausgewechselt.

    Der Geschäftsführer formuliert es diplomatisch: "Wir hatten ja mit dem Bürgerwindpark das Pech, dass wir Flügel bekommen haben, die fertigungstechnisch nicht auf dem Stand sind, den man sich wünscht, die mechanische Mängel haben." Das führte zum Ausfall der Anlage 2. "Im Rahmen der Verhandlungen wurde dann geprüft, wie viele und wie stark auch die anderen Flügel betroffen sind." Das Ergebnis: "Thomas Banning, Vorstand von unserem Partner Naturstrom, hat erreicht, dass sich der Hersteller Vensys bereit erklärt hat, auf allen unseren Anlagen neue Flügel aus deutscher Produktion zu montieren - und das völlig kostenfrei", freut sich Norbert Schmäling . Weniger diplomatisch ausgedrückt heißt das: Die schadhaften Flügel aus Fernost kommen weg.


    Etwa 14 Tage wird der Austausch der Flügel an einem Windrad dauern. "Ich bin heilfroh, dass die Reparaturarbeiten in die windschwachen Sommermonate fallen", sagt Norbert Schmäling . Als ausgesprochen glücklich hat sich auch eine Entscheidung erwiesen, die beim Bau der Windräder getroffen wurde. "Wir haben auf das Konzept Turmdrehkran gesetzt." Auf einen riesigen Raupenkran kann so verzichtet werden. Ein Turmdrehkran wird direkt auf das Fundament des Windrades aufgeschraubt. Das Verfahren, bei dem der Kran quasi selbst in die Höhe klettert, sei weit weniger aufwändig, als der Einsatz eines Raupenkrans.

    Die Flügel werden wieder nachts angeliefert, wenn ohnehin nicht viele Fahrzeuge unterwegs sind. Im Idealfall, so der Geschäftsführer , werden sie direkt vom Lkw verbaut und nicht noch einmal an den Windrädern zwischengelagert. Beim Austausch muss alles stimmen. Zunächst wird der betroffene Flügel in exakt waagerechte Stellung gebracht. Dann muss die Zange so angebracht werden, dass sich der Schwerpunkt genau unter dem Haken befindet. Die abgebauten Flügel werden anschließend von einem Entsorger zerspant. So könne der glasfaserverstärkte Kunststoff wiederverwendet werden.

    Norbert Schmäling , der den Bürgerwindpark Langes Schiff initiiert hat, ist rundherum zufrieden. Das betrifft den Partner Naturstrom ebenso, wie die Windräder selbst. Für ihn ist es an der Zeit, mit einem Vorurteil aufzuräumen. Immer wieder bekomme er zu hören, dass die Windräder abgeschaltet werden, wenn zu viel Strom produziert wird. So etwas möge es ja im Norden geben, aber: "Ich kann als Geschäftsführer definitiv sagen, dass in den drei Jahren die Windräder nicht eine Sekunde vom Netzbetreiber wegen Netzengpässen abgeschaltet wurden", betont er. Und die angegebene Menge von 24 Millionen Kilowattstunden pro Jahr werden auch heuer erreicht. Damit lassen sich rund 10 000 Haushalte versorgen, viel mehr als Münnerstadt hat. So könne man Münnerstadt als energieautark bezeichnen, einschließlich sämtlicher Industriebetriebe.

    Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber doch. Die Bürgerwindpark Langes Schiff Münnerstadt GmbH und Co. KG hatte ein kleines Büro im Rathaus, das die Stadt aber selbst brauchte,. "Wir haben dann ein neues Büro gesucht, Bürgermeister Helmut Blank hat uns dabei unterstützt", sagt Norbert Schmäling . Gefunden hat er allerdings kein geeignetes. So ist das Büro nun in Schweinfurt, der Sitz der Firma ist aber nach wie vor in Münnerstadt .

    Das bestätigt auch Helmut Blank . Die Stadt und die Juliusspitalstiftung erzielen Einnahmen durch die Verpachtung der Flächen. Hinzu kommt ein Anteil am Jahresrohbetrag. Das Stadtoberhaupt bezeichnet Norbert Schmäling und seinen Bürgerwindpark Langes Schiff Münnerstadt als absolut verlässlichen Partner der Stadt. Das treffe auch auf die Energiegenossenschaft Münnerstadt zu.

    Thomas Malz

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