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    Bad Kissingen

    Neujahrsempfang der Stadt Bad Kissingen

    Der Neujahrsempfang der Stadt Bad Kissingen wird zu einer Demonstration gegen das Schlechtreden unserer Lebensverhältnisse. Oberbürgermeister Kay Blankenburg zog Bilanz seiner zwölfjährigen Amtszeit und Festrednerin Birgit Fischer, Deutschlands erfolgreichste Olympionikin, erzählte aus ihrem Sportlerleben.
    Festlich gestimmt (von links): Bürgermeister Anton Schick jr., Oberbürgermeister Kay Blankenburg, , Festrednerin Birgit Fischer und Bürgermeister Thomas Leiner. Werner Voge       -  Festlich gestimmt (von links): Bürgermeister Anton Schick jr., Oberbürgermeister Kay Blankenburg, , Festrednerin Birgit Fischer und Bürgermeister Thomas Leiner. Werner Voge
    Festlich gestimmt (von links): Bürgermeister Anton Schick jr., Oberbürgermeister Kay Blankenburg, , Festrednerin Birgit Fischer und Bürgermeister Thomas Leiner. Werner Voge

    Das war so nicht zu erwarten. Kein schulterklopfender Rückblick, eher ein Mutmacher für "alle, die sich beruflich oder im Ehrenamt für diese Stadt ins Zeug legen", wie es Kay Blankenburg ( SPD ) formulierte. Der Oberbürgermeister nimmt sich bei einem seiner letzten großen Auftritte in der Stadt in bemerkenswerter Weise zurück, lässt zwölf Jahre Verantwortung für die Stadt nur in großem Bogen anklingen, spricht von gewachsenen Einwohnerzahlen und gestiegenen Kitaplätzen, vom Rückgang der Verschuldung von 28 auf 15 Millionen, von 3,3 Kilometern an neuen Straßen und Ausgaben in Höhe von 22 Millionen für den Kanal, dankt Freistaat und dem Freund Bad Kissingens, Markus Söder "die unsere Stadt gefördert haben, wie kein anderes Bad".

    Launig zitiert er Fußballergrößen und meint, "dass früher alles besser war, auch die Zukunft". Er weist auf unseren materiellen Wohlstand hin und auf 75 Jahre Frieden. Wichtiger als Selbstlob ist ihm, den "Realitätsverweigerern und Apokalyptikern" entgegen zu treten. Dazu passend wirft dann auch Festrednerin Birgit Fischer , Deutschlands erfolgreichste Olympionikin, ihr Konzept über den Haufen und erzählt einfach aus ihrem (Sportler)Leben.

    Bad Kissingen kann mit Pfunden wuchern. Wer kann schon aus verschiedenen geschichtsträchtigen Sälen auswählen - der Tattersall ist stilvoll dekoriert - wo untermalt ein fesches Musikkorps mit jugendlicher Frische städtische Veranstaltungen? Ein Medley aus "Star Wars" zu Beginn und das "Frankenlied" am Ende hatte Stadtmusikdirektor Bernd Hammer ausgesucht.

    Im Gegensatz zum Rathauschef könnte man 2. Bürgermeister Anton Schick jr. (DBK) und 3. Bürgermeister Thomas Leiner ( CSU ) durchaus nicht zum letzten Mal erlebt haben. Auch Schick stellt in seiner Begrüßung der örtlichen- und überörtlichen Prominenten, "die alle die aufgrund ihres Wirkens und Tuns für das Wohl der Stadt hier sind" , das große Engagement in Kommunalpolitik , Vereinen und der Bürgerschaft heraus.

    Birgit Fischer steht in der "Hall of Fame" des deutschen Sports neben Beckenbauer, Schuhmacher und Steffi Graf . Mit acht Gold und vier Silbermedaillen bei sechs olympischen Spielen - dazu kommen 36 WM-Medaillen - ist sie die erfolgreichste Kanutin weltweit, lebt am in Brandenburg, hat zwei erwachsene Kinder und Enkel, ist Diplomsportlehrerin und Touristikmanagerin mit eigener Firma. Eine Macherin, die im Leben steht. "Mein erster Weg in Bad Kissingen war hin zum Fluss, kann man da auch paddeln?" fragt sie bei der ersten Begegnung mit den Bürgern und schwärmt, "...in der Kiss-Salis habe ich alle Saunen ausprobiert.

    Ihre Festrede beginnt sie: "Herr Blankenburg hat mir 30 Minuten gegeben" und stellt ihre Stoppuhr auf das Rednerpult. Bescheiden und unaufgeregt lässt sie in ihr, trotz aller Erfolge, von vielen Brüchen gekennzeichnetes (Seelen)Leben blicken "Ich habe viel trainiert, war aber nie ein Profi, weil ich Kinder großgezogen und nebenbei studiert habe. Beim Paddeln habe ich mich vom Studieren ausgeruht und umgekehrt." Ihre Erfolge zählt sie nicht auf, wichtiger sei, aus Niederlagen zu lernen und von außen auf die Dinge zu schauen.

    Aus der DDR berichtet sie ohne Wehmut, nur so viel: Dass die Funktionäre von ihrem Kinderwunsch nicht begeistert waren. Dass sie nach der Wende fast alles verloren hatte, sich aber mit Unterstützung der Familie wieder hochgekämpft hat, darauf ist sie stolz, verschweigt aber auch das Scheitern ihrer Ehe nicht und wie schwer es war, im Westen alles neu lernen zu müssen. Da ist nichts gekünstelt, wenn sie von ihrem eigenwilligen Zeitmanagement spricht, und dass es pro Lebensjahr einen Kalender gibt, in dem alles, "wirklich alles aufgeschrieben wird, was mich ausmacht". Weitermachen, dranbleiben, dazulernen, ist ihre Devise. Auch ihre Rede ist Mahnung: "Setze Dir nur erreichbare Ziele" und "Behalte am Ende des Tages die positiven Dinge in Erinnerung". Inspirierender Stoff für die Gespräche an den Stehtischen im Tattersall.

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    Werner Vogel

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