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    Hammelburg

    Neun Kommunen rund um Hammelburg teilen sich eine Archivkraft

    Neun Kommunen arbeiten unter dem Dach "Fränkisches Saaletal" zusammen. Von der Kooperation profitieren alle: Kleinere Gemeinden holen sich unter anderem Fachwissen, die Stadt Hammelburg nutzt ihre Infrastruktur besser aus.
    Beim zweiten Allianz-Tag der Kommunalen Allianz Fränkisches Saaletal stellte der Oberthulbaer Bürgermeister Gotthard Schlereth (links) Anfang Oktober den Bürgermeistern der anderen Allianz-Kommunen seine Gemeinde vor. Foto: Archiv/Hilmar Ruppert
    Beim zweiten Allianz-Tag der Kommunalen Allianz Fränkisches Saaletal stellte der Oberthulbaer Bürgermeister Gotthard Schlereth (links) Anfang Oktober den Bürgermeistern der anderen Allianz-Kommunen seine Gemeinde vor. Foto: Archiv/Hilmar Ruppert

    90 000 Euro hat die Regierung von Unterfranken der Kommunalen Allianz "Fränkisches Saaletal" zur Förderung einer gemeinsamen Archiv- und Registraturfachkraft für alle neun Allianz-Kommunen zugesagt. Die Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaften Euerdorf und Elfershausen, die Stadt Hammelburg , der Markt Oberthulba und die Gemeinde Wartmannsroth wollen gemeinsam jemanden einstellen, der "die Archive professionell aufbereiten sowie eine dauerhafte Pflege und eine effektive, moderne Nutzung sicherstellen" soll, heißt es aus Würzburg. Es ist eines von vielen Projekten der Allianz.

    Der Freistaat Bayern hat eigens eine Richtlinie zur Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit. Die Regierung von Unterfranken hat die Kooperation rund um die Archive als "vorbildhaft und förderungswürdig" anerkannt, deshalb werden 85 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten bezuschusst - bis zu einer Höchstgrenze von 90 000 Euro. Die Gesamtkosten der zweijährigen Aufbauphase sind mit rund 120 000 Euro veranschlagt.

    Ansprechpartner für die neun Kommunen und mehr als 30 Einzelorte der Allianz Fränkisches Saaletal ist seit 1. Juli 2017 Diplom-Geograph Holger Becker. Der Allianzmanager koordiniert die Zusammenarbeit der Verwaltungen, organisiert Projekte und bereitet die Sitzungen des Lenkungsausschusses vor: Die Bürgermeister beraten zunächst Themen vor, die Entscheidung liegt dann bei den Gemeinderäten und dem Hammelburger Stadtrat.

    "Das Tätigkeitsfeld war mir jetzt nicht komplett unbekannt", verweist Holger Becker auf seine vorherigen Tätigkeiten in der Regionalentwicklung und in der Allianz Ochsenfurter Gau. Die neun Bürgermeister unter einen Hut zu bringen, sei zwar manchmal nicht ganz leicht, allerdings gebe es keine Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit, betont der Allianzmanager.

    Genauso sieht das Hammelburgs Bürgermeister und Allianz-Vorsitzender Armin Warmuth ( CSU ). "Natürlich hat Hammelburg als weit größtes Mitglied der Allianz die Aufgabe, die anderen Gemeinden mitzunehmen", sagt er zur Rolle seiner Stadt. Der Austausch zwischen Stadt und Umland sei wichtig. Als Beispiel nennt Warmuth ein tragfähiges Konzept für die hausärztliche Versorgung im Allianzgebiet. Noch sei die Region zwar einigermaßen gut aufgestellt, aber der Altersdurchschnitt der praktizierenden Landärzte sei mit 61 Jahren zumindest kritisch. "Wir haben zwar noch kein konkretes Ergebnis wie ein Fachärztehaus oder Ähnliches, aber es ist etwas in Bewegung", sagt Warmuth. Weitere Themen seien die Innenentwicklung oder das Artenschutz-Projekt Grüngitter.

    Nutzen für Einzel-Gemeinden

    "Vielleicht waren die Erwartungen auch ein bisschen hoch", zieht Warmuth eine Zwischenbilanz beim Projekt Kernwegenetz. Trotzdem habe sich auch das bereits gelohnt: Die Allianz habe rund 35 000 Euro investiert, die Gemeinde Sulzthal bekam schon 86 000 Euro Förderung für eine Maßnahme.

    In der Allianz seien laut Warmuth Projekte leichter zu koordinieren, Kosten würden geteilt und das Auftreten gegenüber Behörden und Dritten habe ein ganz anderes Gewicht. Das Kirchturmdenken vergangener Tage sei auf jeden Fall verschwunden: "Die Herausforderungen werden ja nicht weniger und sowohl kleinere Gemeinden als auch wir stoßen erheblich an Grenzen", sagt Warmuth.

    Vieles in der Kommunalen Allianz geschieht laut Warmuth hinter den Kulissen und werde in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Dazu zählt laut Allianz-Manager Becker auch die gemeinsame Archivkraft. Zur Vorbereitung des Förderantrags habe Becker viele Gespräche mit den Geschäftsleitern und dem Kreisarchivpfleger geführt. Auch die aktuell laufende Diskussion um eine gemeinsame Klärschlammentsorgung über den Abwasserzweckverband Thulba-Saale sei für den einzelnen Bürger vielleicht weit weg, aber für viele Kommunen eine große Herausforderung.

    "Wir lassen unsere Kläranlage schon seit einigen Jahren von Hammelburg aus betreuen", berichtet Thomas Hack ( CSU ), ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Aura, und: "Wir kleinen profitieren da natürlich vom Wissen der Größeren." Seine Gemeinde habe zwar noch einen eigenen Klärwärter, aber zwei Mal in der Woche kommt ein Mitarbeiter des Abwasser-Zweckverbandes, zieht Proben, analysiert sie in Hammelburg und regelt bürokratische Fragen. "Wir haben gemeinsam mehr Schlagkraft", steht Hack hinter der Allianz, auch wenn in der Öffentlichkeit der Nutzen manchmal in Frage gestellt wird. Ein gutes Beispiel sei die geplante gemeinsame Archivkraft: "Da wären wir alleine zu schwach", fasst Hack die Lage in der VG Euerdorf zusammen. Zudem gebe es für die Mitgliedsgemeinden höhere Zuschüsse, etwa bei der Dorferneuerung in Aura.

    "In der Allianz sind viele gute Kanäle entstanden", sieht auch der Oberthulbaer Bürgermeister Gotthard Schlereth (FW) die Allianz positiv. Die neun Bürgermeister hätten sich freilich auch schon früher ausgetauscht, aber die Zusammenarbeit erstrecke sich immer mehr auf die Verwaltungen. Das zeige auch die Idee einer gemeinsamen Archivkraft. Oberthulba ist Mitglied in gleich zwei kommunalen Allianzen: Neben dem Fränkischen Saaletal bildet die Gemeinde mit Bad Bocklet, Nüdlingen und Burkardroth den "Kissinger Bogen". "Wir sind die Nahtstelle zwischen beiden", sagt Schlereth, und: "Die Themen sind natürlich überall die gleichen." Trotzdem gebe es Unterschiede: Im Kissinger Bogen arbeiten vier ähnlich große Kommunen mit hauptamtlichen Bürgermeistern zusammen, im Fränkischen Saaletal sind zwei VGs und ab Mai wieder vier ehrenamtliche Bürgermeister beteiligt.

    Andere gemeinsame Strukturen

    Der Kissinger Bogen habe als bayernweit erste Allianz die Förderung eines "Sturzflut-Managements" erhalten. Andererseits gebe es im Saaletal mehr gemeinsame Strukturen und Aufgaben: Vom Abwasserzweckverband, dem nicht alle Allianz-Kommunen angehören, über die Forstbetriebsgemeinschaft Rhön-Saale bis zum Tourismus-Verband "Frankens Saalestück", bei dem neben den neun Kommunen noch die Stadt Bad Kissingen mitmacht.

    Bastian Reusch, Ralf Ruppert

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