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    Münnerstadt

    Noch nicht tropisch, aber im Mittelmeer-Raum

    Professor Heiko Päth von der Uni Würzburg sprach beim Symposium im Kloster Maria Bildhausen über den globalen Klimawandel und Auswirkungen in unserer Region.
    Die Tropennächte in Unterfranken werden in den nächsten Jahrzehnten stark  zunehmen, sagte Professor Heiko Päth beim Symposium "Klimaanpassung in der  Landwirtschaft" im Kloster Maria Bildhausen voraus. Foto: Dieter Britz
    Die Tropennächte in Unterfranken werden in den nächsten Jahrzehnten stark zunehmen, sagte Professor Heiko Päth beim Symposium "Klimaanpassung in der Landwirtschaft" im Kloster Maria Bildhausen voraus. Foto: Dieter Britz

    "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?", sang vor 45 Jahren Rudi Carrell . Das wäre heute nicht mehr nötig. Seitdem sind die Sommer immer heißer und trockener geworden. Als Folge des Klimawandels gibt es mehr tropische Nächte, in denen nach der Definition die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Professor Heiko Päth, Professor für physische Geografie am Institut für Geografie und Geologie der Universität Würzburg, befasst sich insbesondere mit Klimaänderungen, saisonaler Klimavorhersage und Klimamodellierung.

    Beim Symposium "Klimaanpassung in der Landwirtschaft " im Kloster Maria Bildhausen hielt er das Schlüsselreferat "globaler Klimawandel und Auswirkungen in unserer Region". Eingeladen hatten die Bauernverbände der Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld, die Ökomodellregion Rhön-Grabfeld und das Biosphärenreservat Rhön . Thomas Habermann ( CSU ), Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises, hob hervor, dass die bei diesem Symposium angeschnittenen Themen extrem wichtig seien: "Denn die Auswirkungen der Klimaveränderungen spüren wir ganz konkret. In anderen Gegenden haben sie schon zu Hungersnöten geführt... Wir leben in allen Bereichen über unsere Verhältnisse. In der Produktion von Plastikmüll und beim Halten sind wir Weltmeister."

    Region ein Hotspot mit entsprechenden Folgen

    Dass die Landwirtschaft als Sündenbock hingestellt werde, sei nicht in Ordnung. Er fragte "stimmt unsere Landwirtschaftspolitik noch?" Und verlangte mehr Wertschätzung für landwirtschaftliche Produkte. Seine zentrale Forderung: "Unser Planet muss von Generation zu Generation in einen besseren Zustand versetzt werden". Heiko Päth, der vor einigen Jahren schon einmal vor Landwirten und Naturschützern in Maria Bildhausen gesprochen hatte, betonte gleich zu Anfang "gute Nachrichten habe ich nicht im Vergleich zu früher". Die Treibhausgase nehmen global immer mehr zu, Öl- oder Wirtschaftskrisen bremsen allerdings kurzfristig den Anstieg, wie eine Grafik zeigte. Die Temperaturen seien ab 2015 systematisch nach oben gegangen, in den letzten Jahren habe es im Sommer immer neue Extreme gegeben. Eigentlich habe man mit einer Ruhephase in Mitteleuropa gerechnet, aber daraus sei nicht geworden, "das sind die Fachleute sowas von falsch gelegen".

    Er räumte ein: "Unsere Klimamodelle unterschätzen eventuell das Ausmaß der Erwärmung", und: "Der Klimawandel passiert, das können wir nicht mehr vollständig abwenden." Während es global seit 1880 eine Erwärmung um 0,9 Grad Celsius gegeben habe, sei es in Unterfranken um 1,6 Grad Celsius wärmer geworden. Die Region sei also ein Hotspot mit entsprechenden Folgen.

    Im Winter Wasser speichern für den Sommer

    Der Winter 2018/2019 im Raum Würzburg extrem trocken gewesen, auch 2019/20 sei damit zu rechnen. Niederschläge im Winter sollte man seiner Ansicht nach speichern für Bewässerung von Feldern oder Weinbergen im Sommer. Im Maintal gebe es mehr Hitzetage (mit Temperaturen über 35 Grad Celsius) und tropische Nächte als in der Vergangenheit. Dies habe starke Auswirkungen auf das Grundwasser und damit auf die Wasserversorgung. Die nächtlichen Temperaturen steigen stärker als die Tagestemperaturen, so der Professor. Es gebe bei uns wenig Klimaanlagen, "aber es gibt sowieso sowieso nichts Ungünstigeres, als mit der Energie Kälte zu produzieren". Die Tropennächte mit Temperaturen über 20 Grad würden zu Zehntausenden Todesfällen durch Herz- und Kreislaufversagen führen. Die Zahl der Tropennächte sei auf zehn pro Jahr gestiegen. In den Städten sei die Gefahr größer als in Dörfern oder Kleinstädten: "Wir müssen in Würzburg auch mit Nächten rechnen, in denen 30 Grad nicht unterschritten werden." Durch den Klimawandel rücke der Wachstumsbeginn teilweise 30 Tage nach vorn, und es gebe weniger Frosttage. Zum Teil sei mit einer drei Monate längeren Vegetationsperiode zu rechnen. Dies könne eventuell neue Chancen für die Landwirtschaft bieten. Durch diese Entwicklung steige aber auch das Risiko von Spätfrösten und damit Schäden für die Landwirte.

    Weinbau in der Rhön

    Weinbau werde mit Ausnahme der hohen Rhön überall wieder möglich. Deshalb der Tipp von Heiko Päth: "Wenn Sie mal keine Lust mehr haben auf Landwirtschaft , dann können sie einfach auf Weinbau umstellen." Immerhin, ganz so schlimm wie in anderen Weltgegenden ist es hier nicht: "Wir haben das Privileg, nicht in der wärmsten Region der Welt zu sein. Wir gehen nur in Richtung Mittelmeer-Raum." Am Rande erwähnte er auch, dass in der Forstwirtschaft ein enormer Umbau nötig sei, denn "kein Mensch hat sich vor eineinhalb Jahren vorstellen können, dass die Rotbuche so schnell an Vitalität verliert". In der Diskussion betonte der Klimaforscher, die Bewässerung sei keine Option für Jahrzehnte, "denn das Grundwasser sinkt ab".

    Den Klimawandel könne man nur noch eindämmen, nicht mehr verhindern, "das geht nur noch für zukünftige Generationen, nicht mehr für uns". Er wurde gefragt, ob es auch einmal wieder kälter werden könne. "Die nächste Eiszeit kommt bestimmt, in 60.000 oder 65.000 Jahren", merkte er dazu an. Aber es könne auch schneller gehen, zum Beispiel durch den Einschlag eines sehr großen Meteoriten, durch den Ausbruch eines Supervulkans, wie zum Beispiel der Phlegräischen Felder in Italien oder des Yellowstone im gleichnamigen Nationalpark in den USA, oder durch einen weltweiten Atomkrieg. Durch ein solches Ereignis käme sehr viel Staub, der die Erwärmung verhindert, in die Erdatmosphäre. Mit der Bemerkung "Wir brauchen weder einen Meteoreinschlag noch einen Atomkrieg, sondern eine sozialverträgliche Lösung", schloss Heiko Päth.

    Dieter Britz

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