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    Nüdlingen

    Nüdlingen: Gaffer ausnahmsweise erwünscht

    Übung der Nüdlinger Feuerwehr in den sogenannten Serpentinen. Mit dabei: Die Wehren aus Haard und Aschach. Steffen Hümmler
    Übung der Nüdlinger Feuerwehr in den sogenannten Serpentinen. Mit dabei: Die Wehren aus Haard und Aschach. Steffen Hümmler

    Gemeinhin sind Gaffer ja nicht gern gesehen, werden zeitweise sogar für ihre Neugier bestraft. Nicht so in Nüdlingen : Bei der Übung in den Serpentinen war Gaffen erlaubt, ja sogar ausdrücklich erwünscht. So war es zumindest auf Facebook zu lesen. Denn die Freiwillige Feuerwehr Nüdlingen hatte mitten in der Baustelle eine großangelegte Übung mit den Wehren aus Haard, Aschach und Münnerstadt geplant und wünschte sich dabei Zuschauer. Und die kamen denn auch zuhauf, unter ihnen auch 2. Bürgermeister Edgar Thomas und 3. Bürgermeister Stefan Schmitt. "Ich glaube es waren sogar mehr Zuschauer als Feuerwehrleute , vor allem Kinder", berichtet Julian Albert, bei der Feuerwehr für Information und Kommunikation zuständig.

    Und das obwohl rund 50 Feuerwehrleute bei der Übung im Einsatz waren, was für die Urlaubszeit durchaus ansehnlich ist. Wegen der Urlaubszeit hatten die Wehrler ihre Kameraden auch schon in der Whatsapp-Gruppe informiert. Zusätzlich wurde via Sirene und Pieper alarmiert. Die Baustelle bot sich als Übungsort gleich in mehrfacher Hinsicht an. Zum einen sei besonders die Kurve, die jetzt begradigt werde, ständiger Einsatzort für die Wehr, "auch wenn wir nicht bei jedem Auto ausrücken, das in den Graben rutscht". Zum anderen "war eh schon gesperrt und wir mussten nicht auf den Untergrund achten", erläutert Albert. So konnte beispielsweise ein altes Autowrack angezündet werden, ohne dass man sich um Schäden am Belag machen musste, der im Zuge der Bauarbeiten sowieso abgetragen wird.

    Das alte Auto wurde zusammen mit drei weiteren vom Abschleppunternehmen Speyer & Hofmann aus Eltingshausen zur Verfügung gestellt. Und den Traktor samt Hänger stellte 2. Bürgermeister Edgar Thomas für die Übung bereit. Um 19.30 Uhr ging es los. Einsatzleiter Florian Wilm, 2. Kommandant und frisch vom Zugführerlehrgang zurück, war mit drei Fahrzeugen der Nüdlinger Wehr als erster vor Ort und verschaffte sich einen Überblick.

    Er wies die Kameraden an, zuerst das Auto zu bergen, das mit vier Insassen den Hang hinunter gerutscht war . Die Wehrler machten sich mit Schere und Spreizer ans Werk, holten die Verletzten aus dem Unfallwagen und kümmerten sich um sie - bei den warmen Temperaturen, die auch am Abend noch herrschten, in voller Montur wahrlich kein Vergnügen.

    Die Bereitschaft Münnerstadt hatte kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt. So kümmerte sich einer um die Patienten, die übrigen unterstützten mit dem zweiten Rettungssatz die Aschacher Feuerwehr, die sich in einem zweiten Szenario um einen Pkw kümmerten, der auf einen Traktor-Anhänger aufgefahren war. Ein Baumstamm hatte sich durch die Beifahrerseite geschoben, wo glücklicherweise niemand saß. Der Fuß des Fahrers war jedoch eingeklemmt, zwei weitere Personen auf dem Rücksitz verletzt.

    Unter dem holzbeladenen Anhänger des Traktors hatte sich ein Pkw verkeilt, der von außen kaum erkennbar war. Darum kümmerte sich die Münnerstädter Feuerwehr mit großem Gerät , während die Haarder Wehr das brennende Fahrzeug weiter oben am Berg löschte.

    Der Nüdlinger Kommandant Alexander Frey, der die Übung ausgearbeitet hatte, hielt die Zuschauer - vor allem Kinder hatten sich auf dem gesamten Berg verteilt - auf dem Laufenden und erklärte die Vorgänge. Zusammen mit Kreisbrandmeister Steffen Kiesel gab er zudem den Einsatzkräften Tipps. Nach gut eineinhalb Stunden war es geschafft und die Einsatzkräfte hatten sich die Brotzeit, die von der Gemeinde gestiftet wurde, redlich verdient.

    Neben den Erfahrungen, die die Feuerwehrmänner und -frauen aus der Übung zogen, sollte sie auch der Werbung neuer Mitglieder dienen. Zwar habe man 150 Aktive gelistet, aber nicht alle sind einsatzbereit, sagt Julian Albert auf Nachfrage. Freuen kann sich die Nüdlinger aber bereits über zehn neue Jugendliche - von denen aus Altersgründen lediglich einer an der Übung teilnehmen durfte - und zwei neue Erwachsene.

    Kerstin Väth

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