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    LKR Bad Kissingen

    Nur wenige EU-Ausländer wählen im Landkreis Bad Kissingen

    Nur 42,6 Prozent aller EU-Bürger beteiligten sich vor fünf Jahren and er Europawahl, in Deutschland waren es immerhin 48,1 Prozent. Zwar sagen Umfragen für die kommende Europawahl am 26. Mai ein größeres Interesse voraus, aber zumindest für die EU-Ausländer im Landkreis scheint das nicht zu stimmen: Nur 191 von 2953 Bürgern aus anderen EU-Ländern, die hier gemeldet sind, haben sich in die Wählerverzeichnisse der 26 Kommunen eintragen lassen. Die Frist dafür endete am 5. Mai. Wer in dieser Liste nicht steht, darf zumindest nicht in Deutschland wählen.

    Von den 33 gemeldeten Briten haben sich aktuell sechs eintragen lassen. Viele der übrigen 27 haben einen guten Grund, weshalb sie ihre Stimme nicht in Deutschland abgeben wollen: "Ich will in England die Liberalen wählen, weil sie ein zweites Referendum über den Brexit fordern", sagt Vic Florey. Der 60-Jährige zog vor sechs Jahren aus Leeds zu seiner Freundin nach Schwärzelbach . "Das ist Chaos und Zirkus", kommentiert er die Brexit-Verhandlungen der britischen Politiker. Er habe das Vertrauen in die Regierung May verloren: "Wir haben in England größere Probleme, als in Europa zu sein", verweist er auf Armut sowie schlechte Straßen und Schulen in seiner Heimat. Vor einer Woche sei er erst dort gewesen: Bis jetzt hänge in England kein einziges Wahl-Plakat, er warte bisher auch vergeblich auf eine Wahl-Benachrichtigung aus der Heimat.

    Dawn Hänsch aus dem Bad Kissinger Stadtteil Kleinbrach ist gespannt, wie es mit dem Brexit weiter geht: Wenn Großbritannien noch so lange in der EU bleibt, dass sie wählen dürfe, werde sie auf alle Fälle ihre Stimme abgeben. Die Britin kann sich gut vorstellen, "dass es schwierig mit anzusehen ist, wie die Briten den Deal einfach nicht annehmen wollen". Auf der anderen Seite dürften die britischen Politiker aber auch "nicht klein beigeben, wie sie es hierzulande oft machen".

    "Die meisten Europäer sind sich nicht bewusst, wie wichtig Großbritannien für die EU ist", sagt Hänsch, und: "Ich würde es sehr begrüßen, zu bleiben, denn ich liebe es, Europäerin zu sein." Durch einen Brexit befürchtet sie viele Einschränkungen: Zwar könne sie die doppelte Staatsangehörigkeit noch beantragen, aber: "Findet der Brexit statt, und der Antrag ist noch nicht durch, dann werde ich meine Position im Stadtrat sofort aufgeben müssen", sagt die Ortssprecherin von Kleinbrach.

    "Nicht abschließend geklärt"

    Eine Herausforderung ist der Brexit auch für die Wahlleiter im Landkreis: "Die aktuelle Situation der britischen Staatsangehörigen ist noch nicht abschließend geklärt", teilt das Landratsamt Bad Kissingen auf Anfrage mit und verweist darauf, dass das Austrittsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Europäischen Rat noch kurzfristig ratifiziert werden könnte. Deshalb gebe es sowohl für Briten in Deutschland, als auch für Deutsche in Großbritannien mehrere Szenarien (siehe "Angemerkt"). Im Landkreis Bad Kissingen wurde Regierungsrätin Sophie Wirsching zur Kreiswahlleiterin für die Europawahl ernannt.

    In Rannungen und Ramsthal hat sich weder für die bisherigen Europawahlen , noch aktuell ein EU-Ausländer in die Wählerverzeichnisse eintragen lassen, in Fuchsstadt, Geroda, Riedenberg, Schondra, Sulzthal und Thundorf nur jeweils einer. In Bad Kissingen dürfen immerhin 71 der 1096 EU-Ausländer am 26. Mai wählen.

    Reagiert haben etliche Kommunen auch auf die vermutlich niedrigere Wahlbeteiligung als bei der Landtagswahl: In Fuchsstadt, Maßbach, Poppenlauer und Rannungen gibt es zum Beispiel statt bisher zwei nur ein Wahllokal. In Hammelburg wurde ein Wahllokal in der Kernstadt gestrichen, etliche Kommunen haben weniger Briefwahl-Bezirke.

    Am höchsten dürfte die Wahlbeteiligung am 26. Mai in Euerdorf sein: Dort wird parallel zur Europawahl abgestimmt, ob es nach sechs Jahren hauptamtlicher Bürgermeisterin eine Rückkehr zum Ehrenamt gibt.

    Ralf Ruppert

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