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    Ohne Feste: Wie halten sich Vereine trotz Corona über Wasser?

    Wegen der Pandemie sind alle größeren Veranstaltungen in Bayern bis Ende August verboten. Etliche Vereine, die sich durch Feste finanzieren, bleiben auf der Strecke. Was tun?
    Vereinsfeste wie hier das Weinfest in Veitshöchheim im vergangenen Jahr wird es zumindest bis Ende August nicht geben. 
    Vereinsfeste wie hier das Weinfest in Veitshöchheim im vergangenen Jahr wird es zumindest bis Ende August nicht geben.  Foto: Dieter Gürz

    Für den TSV Ebenhausen im Landkreis Bad Kissingen wäre es der Höhepunkt des Jahres gewesen: Vom 16. bis zum 18. Mai hätte der Sportverein sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Auf Grund der Corona-Pandemie dürfen bis einschließlich August jedoch keine Großveranstaltungen stattfinden – auch die Jubiläumsfeier des Vereins wurde deswegen abgesagt.

    Schade für die Besucher - für den TSV Ebenhausen ein immenses Problem. Und ebenso für viele andere Vereine in der Region, die sich zum Großteil durch Veranstaltungen und den Verkauf von Speisen und Getränken finanzieren.

    Vereine verzeichnen Einbußen

    "Das ist auf jeden Fall ein Jahr, in dem wir keine neuen Rücklagen bilden können, vielleicht sogar eines, in dem wir leichte Einbußen verzeichnen", erklärt Sebastian Dees, einer der Vorsitzenden des Ebenhausener Vereins. Durch die Beiträge seiner 560 Mitglieder könne sich der Sportverein zwar aktuell über Wasser halten, denn die Mitgliedsbeiträge deckten die laufenden Kosten. "Um Gewinne zu erwirtschaften, braucht's aber schon die Feste", sagt Dees. Immerhin, Fußball, Basketball, Turnen und Aerobic finden momentan nicht statt - und somit fallen auch die Gehälter für die Trainer des TSV Ebenhausen flach.

    Da im Moment nicht nur Groß- sondern auch kleinere Veranstaltungen verboten sind, macht sich die Showtanzgarde Heubach (Lkr. Hassberge) Sorgen. Die Tanzgruppe des dort ansässigen Ortskultur- und Gartenbauvereins ist zwar vor allem an Fasching aktiv, finanziert sich aber auch durch Auftritte auf Geburtstagen und Hochzeiten. "Wir hatten Glück, dass der Fasching noch vor Corona über die Bühne gegangen ist", sagt Co-Trainerin Mona Lang. "Aber ein großer Brocken Geld, den wir durch unsere Auftritte auf Festen verdienen, fällt weg."

    In den vergangenen Jahren sei die Heubacher Garde häufig für Veranstaltungen in den Sommermonaten gebucht worden. "Die Anfragen bleiben bis jetzt aber größtenteils aus", klagt Lang. Das Geld brauche die Garde jedoch für neue Kostüme oder als Zuschuss fürs Trainingslager. Wann das überhaupt wieder stattfinden kann? Auch ungewiss.

    Vereinsleben leidet durch Corona

    Nicht nur der finanzielle Aspekt spielt bei den Absagen aller Veranstaltungen für die Vereine eine Rolle, sondern auch der gesellschaftliche. "Das Vereinsleben leidet darunter, wenn die Angelveranstaltungen ausfallen", berichtet Erich Montag, der Vorsitzende des Sportangler-Klubs 1946 Schweinfurt e.V. Er ist betrübt, dass sich die Mitglieder wegen des Virus nicht treffen können. Ob die nächste anstehende Veranstaltung der rund 260 Petrijünger stattfinden kann, weiß derzeit niemand - es wäre das Vatertagsangeln am 21. Mai.

    "Man ist als Verein ja auch in gesellschaftlicher Weise unterwegs", bestätigt Sebastian Dees. Das gelte nicht nur für das Miteinander zwischen den Mitgliedern, sagt der Vorsitzende des Ebenhausener Sportvereins: "Als größter Verein hier sollte man auch für die Dorfbewohner da sein."

    Ehrenamtlich im Dorf unterwegs: Sebastian Dees, Vorstand des TSV Ebenhausen.
    Ehrenamtlich im Dorf unterwegs: Sebastian Dees, Vorstand des TSV Ebenhausen. Foto: Dees

    Gerhard Fischer, zweiter Bürgermeister der Gemeinde Oerlenbach (Lkr. Bad Kissingen), ist auf den gemeinschaftlichen Zusammenhalt der Vereine stolz. Fischer wertschätzt vor allem die ehrenamtliche Unterstützung wie sie der TSV Ebenhausen anbietet: "Die Vereine spielen in den einzelnen Ortsteilen eine große Rolle, die sind hier schon eine feste Größe." Während der Corona-Pandemie würden sich beispielsweise rund 20 Mitglieder des Sportvereins ehrenamtlich um die Lebensmitteleinkäufe für Senioren und Risikopatienten kümmern.

    "Letztendlich sind die Vereine auf sich selbst angewiesen", erklärt Joost Schloemer, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Vereine und Verbände. Er rät den Verbänden, sofern es ihnen möglich ist, Soforthilfe anzufordern. Ist das nicht möglich, könnten die Vereine Rat und Hilfestellung beim Bundesverband anfordern. 

    In der vergangenen Woche hatte die bayerische Staatsregierung zwar ein 40-Millionen-Euro-Hilfspaket für die rund 12 000 Sport- und 5000 Schützenvereine im Freistaat beschlossen,  durch die die bestehende "Vereinspauschale" gedoppelt werden soll. Gefördert werden damit jedoch nur Vereine, die einen Sportbetrieb aufweisen und beispielsweise Mitglied des Bayerischen Landes-Sportverbands oder Bayerischen Sportschützenbunds sind.

    Andere Vereine, Musikvereine beispielsweise, werden durch die Finanzspritze nicht unterstützt – sie gehen dabei leer aus. Stattdessen können sie beim Wirtschaftsministerium den Antrag zur „Soforthile Corona“ stellen.

    Not macht erfinderisch

    Wie es mit dem TSV Ebenhausen weiter gehen wird, weiß Sebastian Dees nicht. Not macht allerdings erfinderisch: Die Vereinsmitglieder haben ihren YouTube-Kanal in eine Online-Trainingsplattform verwandelt. Die kommt vor allem den kleineren Fußballern und den Fitnessfreaks zugute."Dadurch können wir die Trainer weiterhin bezahlen, da es ja eine Gegenleistung gibt", erklärt der Vorstand. Seine Hoffnung ist, dass bald ein Impfstoff entwickelt wird, denn: "Wenn Corona die nächste Festsaison ebenfalls trifft, dann wird es spannend. Da spricht man dann von mehreren Tausend Euro, die jedes Jahr wegfallen."

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