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    Bad Kissingen

    Operngala: Markantes Debüt

    Die beiden Solisten Benjamin Bruns und Simona Šaturová mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Manfred Honeck . Foto: Gerhild Ahnert
    Die beiden Solisten Benjamin Bruns und Simona Šaturová mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Manfred Honeck . Foto: Gerhild Ahnert

    Es hatte sich in den letzten 30 Jahren so ein bisschen eine Operngala-Routine eingestellt - weniger der Programme wegen, sondern weil die Personaldecke etwas dünn war. Und dann ist plötzlich fast alles anders: ein anderes Orchester , ein anderer Dirigent, zwei Solisten, die beide ihr Debüt gaben, und ein Programm, das überschaubar war und trotzdem markant. Oder anders gesagt: Es kamen die Bamberger Symphoniker unter der Leitung von Manfred Honeck, die Sopranistin Simona Šaturová und der Tenor Benjamin Bruns. Und plötzlich war's wieder spannend - schon während der dramatischen Ouvertüre zu Mozarts "Tito", aber vor allem danach.

    Simona Šaturová war eine echte Entdeckung. Sie ist eine Sängerin, die genau intoniert und artikuliert, die keinerlei Probleme mit Registerwechseln kennt, die mit dem Timbre spielen und die vor allem auch leise singen kann, ohne an Kontur oder Intensität zu verlieren - was besonders schön ist, wenn das auch ein Orchester so kann wie die Bamberger. Aber sie kann sich genauso gut gegen sie durchsetzen - wie in Donna Annas "Crudele? Ah no, giammai mi oben! ... Non mi dir". So, wie sie da Don Ottavio unter Druck setzte, konnte der froh sein, in der sicheren Garderobe warten zu können. In "Là ci darem" war sie dann die verschüchterte, verschreckte, aber schließlich doch nachgebende Zerlina.

    Benjamin Bruns ist ein klassischer lyrischer Tenor mit einer sehr weichen Stimme, der allerdings auch weit aufmachen kann, wenn es nötig wird. Gut, fünf Takte brauchte er, bis alles frei war, aber dann sang er einen wunderbaren, nuancierten Don Ottavio, der in "Il mio tesoro" fast zerrissen wird von seiner Liebe zu Donna Anna und seiner Enttäuschung, dass sie die Hochzeit verschoben hat, weil der den Tod ihres Vaters, des Komturs, immer noch nicht gerächt hat.

    Überraschung mal zwei

    Eine Überraschung war das Duett "Là ci darem la mano" zwischen Don Giovanni und Zerlina. Denn Don Giovanni ist von Haus aus tiefer Bariton. Natürlich kommt Bruns nicht so weit runter, sondern seine Partie war nach oben transponiert. Aber offenbar war das für ihn eine Premiere, denn er hatte ein bisschen Muffensausen.

    Zu einem tollen Ensemble wurden "Una furtiva lagrima" und "Caro elisir", weil Šaturová und Bruns trotz der konzertanten Situation die Szenen wunderbar ausspielten und gleichzeitig die Situationen des Hoffens und Abweisens, des Betrunken-Werdens und Verächtlich-Machens auch stimmlich klar gestalteten. Und weil sie diese Intensität jeder für sich zu Verdis "Traviata" und Alfredos "De miei bolleti spiriti" und Violettas "È strano" stilistisch umgefärbt mitnehmen konnten. Aber auch das Orchester machte staunen: Das für die Streicher so empfindliche Vorspiel zum 3. Akt war traumhaft gespielt.

    Enorme Herausforderung

    Der zweite Teil des Konzerts ging an die Operette - und das war gut so. Denn wann hat man schon Sänger und ein Orchester mit einem Dirigenten , die klar machen können, dass die Operette keine Komposition ist, bei der es zur Oper nicht gereicht hat, sondern eine eigenständige Gattung mit enormen Ansprüchen. Auch wenn die Inhalte nicht mehr immer der heutigen Lebenswelt entsprechen - was für die Oper genauso gilt - ist die Operette eine eigene, enorme Herausforderung. Hier geht es nicht um die Vertonung von gedankenschweren Linien oder tiefen seelischen Abgründen, sondern um gnadenlose Unterhaltsamkeit, um Buntheit der Klangfarben, um zündende Rhythmen und überraschende Wechsel. Natürlich spricht man von leichter Muse, aber sie ist sehr schwer zu machen.

    Manfred Honeck hatte ein Orchester , mit dem er bis an die Grenzen der technisch-virtuosen Machbarkeit gehen konnte. Er konnte absolut spannend gestalten und trotzdem noch den Eindruck der Mühelosigkeit aufrechterhalten. Und er konnte seinen Solisten Freiräume zur Gestaltung bieten: mal stark komödiantisch oder karikierend wie Simona Šaturová als angebliche Ungarin in "Klänge der Heimat" aus der "Fledermaus", mal geheimnisvoll und nur ein bisschen schmalzig, beim "Vilja-Lied" aus der "Lustigen Witwe" oder bei "Meine Lippen, sie küssen so heiß" aus Giuditta", wo sie sich einfach auf die Musik legte. Und Benjamin Bruns durfte seine Lebensfreude geradezu - kontrolliert - herausbrüllen und bei "Dein ist mein ganzes Herz" ("Land des Lächelns") ganz den Chinesen geben. Natürlich waren die beiden Duette "Lippen schweigen" (Lehár) und das "Uhrenduett" (Strauß) so gut, weil die beiden auch spielen konnten und die Stimmen so gut zu einander passten. Und wann hat es schon mal nach einer Ouvertüre ("Fledermaus") Bravos für ein Orchester gegeben - und dann gleich so viele. Da kam nur eine Zugabe in Frage: "Libiamo" - oder auch "Brindisi".

    Thomas Ahnert

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