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    Sulzthal

    Parasiten machen dem gefürchteten Schwammspinner das Leben schwer

    Der Bund Naturschutz war im Wald von Sulzthal unterwegs.
    Erzwespen-Puppen  Fotos: Ingo Queck       -  Erzwespen-Puppen  Fotos: Ingo Queck
    Erzwespen-Puppen Fotos: Ingo Queck

    Man könnte schon fast Mitleid bekommen, wenn man diese Abertausende von toten Schwammspinnern, von Parasiten hingerafft, im Wald von Sulzthal entdeckt, schreibt der Bund Naturschutz . Einige wenige sind noch am Leben, deutlich gezeichnet von Parasiten , unfähig, die Baumkronen und damit das Laub zu erreichen, von dem sie leben. Der Bund Naturschutz beobachtet den Zusammenbruch einer Population mit Millionen von Raupen, die vor wenigen Wochen geschlüpft waren.

    Neue Verbündete

    Es war nicht das erste Mal, dass Oskar Jungklaus, Ingo Queck und Franz Zang von der Kreisgruppe des Bund Naturschutz im Wald von Sulzthal waren. Noch vor zwei, drei Wochen konnten sie beobachten, wie Igelfliegen und Schlupfwespen ans Werk gingen und den noch kleinen Raupen zusetzten. Inzwischen sind neue Verbündete aufgetaucht: Nicht nur, dass nun eine neue Art von Igelfliegen beobachtet wird: Diese legten gleich ihre lebenden Larven auf den Raupen ab, so dass eine schnelle Häutung den Raupen nicht mehr helfen kann. Ohnehin haben die meisten Raupen ihr letztes Stadium erreicht. Die Überlebenden sind kurz vor der Verpuppung. Nun aber läuten gefräßige Käfer und eine neue Art von Schlupfwespen den Countdown ein. Der beeindruckend schillernde Puppenräuber und der Vierpunktaaskäfer sorgen auch mit ihren Larven für eine noch wuchtigere Phase der Bekämpfung.

    "Der Vierpunkt-Aaskäfer wird auch Vierpunkt-Raupenjäger genannt, da er sich - anders als andere Aaskäfer - von lebenden Raupen ernährt. Der große Puppenräuber - ein Laufkäfer, der nach unseren Aufzeichnungen noch nie in unserer Region gefunden wurde, kann weite Strecken fliegen. Innerhalb weniger Wochen entwickelt er sich vom Ei zum Käfer, und das Gute ist, er kann drei Jahre alt werden. Die verpuppten Larven des Puppenräubers bleiben bis zum nächsten Jahr in ihrer Puppenwiege und erscheinen erst wieder im Frühjahr, dann, wenn die nächste Raupengeneration auftaucht. Wenn wir nur ein bisschen Streu unter den Bäumen zur Seite kratzten, konnten wir zahlreiche Larven des Vierpunktaaskäfers entdecken, für Nachwuchs ist also gesorgt", stellten die Beobachter im Wald fest. Ähnlich wie der große Puppenräuber vertilgen auch der Vierpunktaaskäfer und seine Larven die Schwammspinner.

    Wie sieht der Wald aus, der nicht begiftet wurde? Die Buchen sind deutlich stärker befressen als etwa die Eichen, einige sind ganz kahl, die meisten Eichen sind grün. Allerdings wirken diese Schadstellen wie Inseln in einem ansonsten recht intakten Wald . Die Entwicklung der Raupen wird durch höhere Temperaturen gefördert und beschleunigt. Das mache klar, dass waldbauliche Maßnahmen eine entscheidende Rolle spielen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern, heißt es in dem Bericht der Kreisgruppe.

    Da es augenblicklich sehr viele Puppenräuber in diesem Wald gibt, wird der Käfer das tun, was er von Natur aus macht, die Puppen der Schwammspinner fressen. Interessant wird es sein zu beobachten, ob der sehr mobile Käfer auch in den umliegenden begifteten Wäldern seiner Arbeit nachgeht, so der BN. Aus Sicht des Bund Naturschutz entbehre die chemische Bekämpfung der Schwammspinnerraupe einer nachvollziehbaren Logik: Wenn, wie in den zurückliegenden Jahren, immer wieder neu begiftet werden musste, weil die Gelegedichte so hoch war, dann scheinen genug Schwammspinner diese Behandlung zu überstehen. Da dabei alle Fressfeinde getötet werden, kann diese Kaskade von Fressfeinden, ausgehend von Igelfliegen über viele Arten von Schlupfwespen bis zu dem großen Puppenräuber und dem Vierpunktasskäfer gar nicht entstehen. red

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    Redaktion

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