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    Bad Kissingen

    Planungsverband Main-Rhön: Bold bleibt an der Spitze

    Verband legt eine Analyse vor: Was fehlt in den Grundzentren? Und wie schafft man es, die Lücken zu füllen?
    Verbandsvorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Main-Rhön bleibt der  Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (Mitte). Wiedergewählt wurden auch der  Stadtlauringer Bürgermeister Friedel Heckenlauer (rechts) als erster und  der Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé (links) als zweiter  Stellvertreter. Foto: Dieter Britz       -  Verbandsvorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Main-Rhön bleibt der  Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (Mitte). Wiedergewählt wurden auch der  Stadtlauringer Bürgermeister Friedel Heckenlauer (rechts) als erster und  der Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé (links) als zweiter  Stellvertreter. Foto: Dieter Britz
    Verbandsvorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Main-Rhön bleibt der Bad Kissinger Landrat Thomas Bold (Mitte). Wiedergewählt wurden auch der Stadtlauringer Bürgermeister Friedel Heckenlauer (rechts) als erster und der Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé (links) als zweiter Stellvertreter. Foto: Dieter Britz

    An der Spitze des Regionalen Planungsverbandes Main-Rhön ändert sich nichts. In der ersten Verbandsversammlung nach der Kommunalwahl wurde der Bad Kissinger Landrat Thomas Bold als Verbandsvorsitzender im Amt bestätigt, ebenso seine beiden Stellvertreter, der Stadtlauringer Bürgermeister Friedel Heckenlauer und der Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé .

    "Ich versuche auch in Zukunft, nach Kräften die Interessen des ländlichen Raums zu vertreten" betonte Bold nach seiner Wahl. Daneben stand im Mittelpunkt ein Gutachten zur Fortschreibung des Regionalplans. Thomas Bold konnte zur Verbandsversammlung in der Rudi-Erhard-Halle unter den Verbandsräten auch eine große Anzahl neu gewählter Bürgermeister begrüßen. Nicht zuletzt deshalb betonte er die Bedeutung der Regionalplanung .

    Im Planungsausschuss mit seinen 24 Mitgliedern und dem Vorsitzenden werde darüber intensiv diskutiert. "In Bayern haben die Gemeinden bei der Raumordnung eine sehr starke Position", hob er hervor. Bold erinnerte an den Beschluss des Planungsausschusses aus dem Jahr 2018, den Regionalplan fortzuschreiben. Im Zuge dessen wurde ein Gutachten zur Sicherung der Daseinsvorsorge in den Gemeinden und Städten erarbeitet und nun vorgestellt. Finanziert wird diese Maßnahme mit Unterstützung des Finanzministeriums in München.

    Der Ingenieur Björn Schwarze (Spiekermann & Wegener Stadt- und Regionalforschung, Dortmund) stellte Ergebnisse der Untersuchungen zu den Themen "zentrale Orte", "Sozial- und Gesundheitswesen" und " Verkehr " vor. Unter die Lupe genommen wurden 31 lokale Zentren und die Einrichtungen, die sie für ihre Bürger und die Nachbargemeinden zu bieten haben. Stichworte waren hier Bildung, Gesundheit, Betreuung und Pflege, Nahversorgung, Kultur und Freizeit sowie der öffentliche Personennahverkehr

    Nur Bischofsheim kann punkten

    Unter den fünf Gemeinden, die ein "OK" bei allen verlangten Einrichtungen haben, ist mit Bischofsheim eine einzige aus dem Landkreis Bad Kissingen . Elfershausen/Euerdorf und Münnerstadt fehlt als einziges Ausstattungsmerkmal lediglich ein Bad bzw. Hallenbad.

    Im neuen Landesentwicklungsplan gibt es nur noch sogenannte Grundzentren als unterste Hierarchiestufe. Deshalb empfiehlt der Gutachter, einen Ausstattungskatalog mit Mindeststandards zur Grundzentren verbindlich zu bestimmen. Wichtig seien aber auch die Tragfähigkeit der Einrichtungen im Nahbereich des zentralen Ortes und seine überörtliche Bedeutung.

    Der Gutachter weist darauf hin, dass im Landesentwicklungsplan mindestens 7500 Einwohner der Richtwert für die Tragfähigkeit eines Grundzentrums seien. In dem Gutachten wird auch gleich ein Katalog für Grundzentren vorgeschlagen. Sie sollten eine Grund-und eine Mittelschule, einen Hausarzt, einen Zahnarzt, eine Apotheke , einen Kindergarten (mit U3-Betreuung), ambulante und stationäre Altenpflege , eine Tagespflege, einen Supermarkt, eine Bank-und eine Postfiliale, eine Bücherei, eine Musikschule, eine Sport- und Turnhalle, ein Schwimmbad, eine Volkshochschule o. ä., sonstige Kulturangebote (Museum, Theater) haben sowie ein qualifizierter ÖPNV-Knotenpunkt sein.

    Björn Schwarze wartete auch mit einigen konkreten Zahlen auf. In einigen Teilen des Untersuchungsgebietes sind fast drei Viertel der Hausärzte über 60 Jahre alt und scheiden wohl in absehbarer Zeit aus.

    In der Diskussion ging es auch um das Thema Windkrafträder. Sebastian Remelé meinte dazu ganz zum Schluss, "von den Industriestandorten hängt unser aller Wohlstand ab" und forderte dazu auf, auch an die Industrie und an die Energieversorgung zu denken.

    Das ist der Planungsverband

    Dem Verband gehören die Landkreise Bad Kissingen , Rhön-Grabfeld, Haßberge und Schweinfurt, alle 118 kreisangehörigen Städte und Gemeinden sowie die kreisfreie Stadt Schweinfurt an. Je nach Größe hat ihre Stimme bei Wahlen unterschiedliches Gewicht. Organe des Verbandes sind die Verbandsversammlung mit insgesamt 123 Mitgliedern aus allen Städten , Gemeinden und Kreisen sowie der Verbandsausschuss mit 24 Mitgliedern, dessen Vorsitzender der Verbandsvorsitzende ist. Der Verband hat seinen Sitz im Landratsamt Bad Kissingen . Wahlen Da es keine Gegenkandidaten gab und niemand geheime Wahl verlangte, wurde der neue Verbandsvorstand offen gewählt. Thomas Bold , sein erster Stellvertreter Friedel Heckenlauer und sein zweiter Stellvertreter Sebastian Remelé bekam die Stimmen aller Anwesenden.

    Info:

    In den Verbandsausschuss wurden gewählt: für die kreisfreie Stadt Schweinfurt Oberbürgermeister Sebastian Remelé , Ralf Brettin und Stefan Funk . Für den Landkreis Schweinfurt Landrat Florian Töpper , Bürgermeister Willi Warmuth (Dittelbrunn) und Paul Knoblach (Bergrheinfeld). Für die Gemeinden des Landkreises Schweinfurt die Bürgermeister Friedel Heckenlauer (Stadtlauringen), Claus Schenk (Donnersdorf) und Stefan Rottmann (Schonungen). Für den Landkreis Bad Kissingen Landrat Thomas Bold , Bürgermeister Michael Kastl (Münnerstadt) und Richard Fix ( Bad Kissingen ). Für die Gemeinden des Landkreises Bad Kissingen die Bürgermeister Matthias Klement (Maßbach), Jochen Vogel (Bad Brückenau) und Armin Warmuth (Hammelburg). Für den Landkreis Rhön-Grabfeld Landrat Thomas Habermann und Bürgermeister Michael Kraus (Mellrichstadt). Für die Gemeinden des Landkreises Rhön-Grabfeld Bürgermeisterin Birgit Erb (Oberelsbach) und Bürgermeister Michael Werner (Bad Neustadt). Für den Landkreis Haßberge Landrat Wilhelm Schneider und Bürgermeister Matthias Bäuerlein (Rauhenebrach). Für die Gemeinden des Landkreises Haßberge die Bürgermeister Claus Bittenbrünn (Königsberg), Jürgen Hennemann (Ebern) und Bernhard Russ Sand am Main).

    Kommentar von Dieter Britz

    Die Analyse ist mindestens zum Teil erledigt. Jetzt wissen wir, in welchen der sogenannten Grundzentren welche Einrichtungen vorhanden sind und mehr noch, welche fehlen. Der zweite Schritt ist wichtiger und viel schwieriger: wie kann erreicht werden, dass die fehlenden Ausstattungsmerkmale wieder ihren Platz im Dorf oder in der Kleinstadt bekommen? Nur ein Beispiel: Wie können Hausärzte dafür gewonnen werden, in einem Dorf eine Praxis zu eröffnen? Die vorgelegten Zahlen belegen, dass in einigen Untersuchungsgebieten bis zu 73 Prozent der Hausärzte über 60 Jahre alt sind. Sie werden sicher bald in Ruhestand gehen. Gerade für ältere Patienten auf dem Land wird das größere Probleme nach sich ziehen.

    Nicht extra ausgewiesen sind Gaststätten und Kneipen. Dabei spielen sie für die Vereine und als Treffpunkte der Bürger eine große Rolle. Diese Analyse beschäftigt sich mit den Verhältnissen in den 31 als Grundzentren ausgewiesenen Städten und Gemeinden des Planungsverbandes. Die größeren Städte Schweinfurt, Bad Kissingen oder Bad Neustadt helfen sich schon selber. Die 84 kleineren Dörfer, die sich nicht "Grundzentrum" nennen dürfen, sollten nicht vergessen werden. Manchmal ist der Weg von dort ins nächste Grundzentrum ganz schön weit und mühsam, besonders für Ältere und nicht mobile Bürger und wenn der Bus nicht regelmäßig oder zu unpassenden Zeiten fährt. In Artikel 3 der bayerischen Verfassung heißt es "Der Staat ... fördert und sichert gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land". Da gibt es hierzulande noch viel zu tun.

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    Dieter Britz

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