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    Bad Kissingen

    "Polizist ist kein Job, sondern Berufung"

    Die Fahnenabordnung bei der Vereidigung in der Kissinger Wandelhalle.Sigismund von Dobschütz
    Die Fahnenabordnung bei der Vereidigung in der Kissinger Wandelhalle.Sigismund von Dobschütz

    Unter den Augen ihrer Angehörigen und Freunde sowie vieler Ehrengäste legten am Freitag in der Bad Kissinger Wandelhalle 181 Polizeianwärter ihren feierlichen Eid ab. Am 1. September hatten 106 Anwärter, darunter 38 Frauen, ihre 2,5 Jahre dauernde Ausbildung für den mittleren Polizeivollzugsdienst sowie 75 Anwärter, davon 30 Frauen, ein dreijähriges Studium für den gehobenen Polizeivollzugsdienst im Oerlenbacher Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum begonnen.

    Zur Musik aus einem Batman-Film, gespielt vom Bundespolizeiorchester München unter Leitung von Christian Lombardi, das nach der Vereidigung noch ein kostenloses Konzert für die Öffentlichkeit gab, und im Licht vieler Handykameras marschierten die künftigen Bundespolizisten in die mit 800 Gästen vollbesetzte Wandelhalle. Nur hin und wieder huschte ein Lächeln über ihre ernsten Gesichter, wenn sie ein Familienmitglied in den Stuhlreihen entdeckten.

    Die Feierstunde in der größten Trinkkurhalle der Welt sollten sie in dauerhafter Erinnerung behalten, hoffte Oberbürgermeister Kay Blankenburg ( SPD ), der die jungen Leute scherzhaft bat, auf den bedeutenden Unterschied zwischen Trinkkurhalle und Trinkhalle zu achten. Mit ihrer Entscheidung für den Dienst bei der Bundespolizei würden die Anwärter "das Sicherheitsgefühl aller Bürger und die Leistungsfähigkeit unseres Staates stärken". Muskelkater sei keine Krankheit, machte Blankenburg den jungen Leuten Mut, ihre auch körperlich harte Ausbildung zu überstehen und in guter Erinnerung zu behalten. "Passen Sie gut auf sich auf. Wir brauchen Sie."

    Überlegen wie Batman

    Zuvor hatte der Leiter des Oerlenbacher Ausbildungszentrums, Polizeidirektor Ralf Wiegand, allen Anwärtern empfohlen, auch wenn sie keine Superhelden wie Batman seien, es dennoch dem Filmhelden gleichzutun. Dessen Überlegenheit beruhe auf Intelligenz, Willenskraft, hartem Training und technischen Hilfsmitteln, "wobei er stets versucht, das mildeste der Mittel anzuwenden". Polizist sei kein Job, sondern setze eine Berufung voraus, "die auf einer komplexen Persönlichkeit basiert". Der gewählte Berufsweg sei vielfältig und verantwortungsvoll. Die Vereidigung sei dabei ein Orientierungspunkt und solle als positiver "Gänsehautmoment" stets in Erinnerung bleiben.

    "Heute ist ein guter Tag für unser Land und die Sicherheit unserer Bürger ", hieß der Ständige Vertreter des Präsidenten der Bundespolizeiakademie in Lübeck, Leitender Polizeidirektor Andreas Poddig, in seiner Festansprache die jungen Leute als "Frischzellenkur" der Bundespolizei in der "fränkischen Toskana" willkommen. Insgesamt seien für das Ausbildungsjahr 2019 bundesweit 35 000 Bewerbungen eingegangen, doch nur 3000 Anwärter seien angenommen worden. "Polizist ist also immer noch ein attraktiver Beruf." Das Wir sei bei der jungen Generation wichtiger als das Ich. Andererseits geht es der heutigen Jugend eher um Lebenssinn als um Geld, wie oft gesagt wird. "Diese Erwartung kann Ihnen die Bundespolizei nicht erfüllen", merkte Poddig ironisch an. Denn sie biete gute Bezahlung, Aufstiegsmöglichkeiten und Versorgungsleistungen. "Ich hoffe, Sie bleiben uns dennoch treu." Die Bundespolizei werde die Fingerfertigkeit der jungen Kollegen im Umgang mit Handy und Tablet bei polizeilicher Recherche zu nutzen wissen. "Mehr Follower werden Sie dadurch aber nicht bekommen."

    Erste Eindrücke und einen Einblick in die Unterschiedlichkeit der Ausbildungswege gaben Polizeimeisteranwärterin Cosima Lohrey (18) und Polizeikommissaranwärter Fatih Altindal (33) in ihrem perfekt einstudierten Dialog. Während Lohrey direkt nach dem Abitur zur Polizei wechselte, um dort nach 30 Monaten im mittleren Vollzugsdienst Karriere zu machen, war Altindal als diplomierter Wirtschaftsingenieur bereits sieben Jahre berufstätig, als er sich für den Berufswechsel entschied. "Ich verspreche mir bei der Bundespolizei mehr Abwechslung", verriet er unserer Zeitung später. Nun muss der Vater von zwei Kindern noch einmal drei Jahre studieren, um als Diplom-Verwaltungswirt und Polizeikommissar in den gehobenen Dienst übernommen werden zu können.

    Sigismund von Dobschütz

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