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    Bad Kissingen

    Pro Bad Kissingen: "Immer noch besser als der 4. Mai"

    Jetzt ist es amtlich: Die kleinen Geschäfte dürfen am 27. April wieder öffnen. Was sagt Klaus Bollwein, Geschäftsführer vom Stadtmarketing Pro Bad Kissingen dazu, dass außerhalb von Bayern die Unternehmer eine Woche früher starten können?
    Klaus Bollwein (links), Geschäftsführer Pro Bad Kissingen, mit Ralf Ludewig vom gleichnamigen Modehaus. Foto: Benny Borst       -  Klaus Bollwein (links), Geschäftsführer Pro Bad Kissingen, mit Ralf Ludewig vom gleichnamigen Modehaus. Foto: Benny Borst
    Klaus Bollwein (links), Geschäftsführer Pro Bad Kissingen, mit Ralf Ludewig vom gleichnamigen Modehaus. Foto: Benny Borst

    Klaus Bollwein vertritt als Geschäftsführer vom Stadtmarketing "Pro Bad Kissingen e.V." einen Großteil der Läden in der Stadt. Stellvertretend für viele Ortschaften erzählt er, was seine Gedanken zu den schrittweisen Lockerungen für Geschäfte sind.

    Wie sieht es derzeit aus in der Stadt, wie geht es den Geschäften?

    Die Läden sind ja alle zu, und jeder geht damit anders um: Es gibt einen Laden, der eine Online-Modenschau macht. Manche ändern jede Woche die Schaufenster , und die Leute können das dann bestellen. Andere machen Online-Shops oder einen Lieferservice. Aber in der Stadt selbst ist leider wenig los. Das sieht man ja, da ist alles zu.

    Was halten Sie vom Bayerischer Sonderweg, dass bei uns vieles erst eine Woche später öffnet? Zählt da jeder Tag oder kann man die Woche noch verschmerzen?

    Es fehlt natürlich eine Woche Umsatz für die Händler. Aber es ist immer noch besser, als wenn sie gesagt hätten, es dürfe erst der 4. Mai sein. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Zum einen gibt es da die finanzielle Seite. Zum anderen hat Bayern einfach die größte Zahl an Erkrankten pro Einwohner. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass Ministerpräsident Markus Söder die Ausgangsbeschränkungen drei Tage vor den anderen Bundesländern eingeführt hatte.

    Wenn es jetzt länger geht, steht die Bevölkerung hinter den Geschäften. Sie werden sagen "Ja, diese eine Woche halten wir doch auch noch durch!" Die Solidarität gibt's ja von den Bürgern! Es gibt ja auch den Soli-Gutschein von Bad Kissingen . Und ich kann mir vorstellen, dass die Bevölkerung ihre Lieblingshändler nach dieser Woche auch unterstützt. Was die Geschäftsleute angeht, die brauchen jeden Tag, das ist unbestritten. Wer ein Geschäft führt, für den ist jede Woche eine verlorene Woche.

    Es ist auf jeden Fall gut jetzt zu wissen, dass es am 27. April losgeht. Damit haben wir eine verbindliche Aussage und eine bestimmte Vorbereitungszeit. Es wäre ja auch schwierig für manche Läden geworden, ihr Personal bis zum 20. April zu organisieren. Es gibt ja zum Beispiel die, die Kinder zu Hause haben und daher nicht arbeiten können. Bei anderen sind bis noch keine Schutzscheiben vorhanden, weil es keine Handwerker gab.

    Was schätzen Sie, wie hoch die Steuerausfälle für die Stadt werden?

    Das weiß ich nicht, da müsste man bei der Stadt nachfragen. Aber wenn man bedenkt, dass das schon seit einem Monat geht - da wird sicherlich ein großer Teil der Gewerbesteuer wegbrechen. Aber im Vergleich zu dem, was durch die Krise sonst noch an Schaden entsteht, ist das ein eher kleineres Problem.

    Gibt es in Bad Kissingen einen Laden, der unter die 800-Quadratmeter-Regel fällt oder als Kaufhaus / Shoppingmall gilt?

    In der Innenstadt schon mal nicht. Wo ich mir nicht sicher bin: Das Gebäude an der Kaserne, wo Kik, dänisches Bettenlager und alles aneinander ist. Ich weiß nicht, ob da die 800 Quadratmeter zusammengezählt werden, oder ob das als ein Kaufhaus gilt. Das muss ich mir erst erarbeiten, es ist ja erst eine Stunde nach der Pressekonferenz. Was mir noch einfällt, ist der Expert-Müller in Garitz. Der hat 1400 Quadratmeter und dürfte daher nicht geöffnet haben. Dafür hat er einen Online-Shop .

    Wenn es um die 800 Quadratmeter Ladenfläche geht, könnte man dann auch einfach auf 799 Quadratmeter absperren?

    Genau das sind die Feinheiten, die noch zu klären sind. Was zählt als Kaufhaus ? Wie ist das mit den 800 Quadratmetern genau geregelt? Wer da drüber ist, bei dem kann ich es verstehen, wenn der Ziegelsteine aufsetzt oder einen Teil des Ladens absperrt und ihn damit verkleinert.

    Welchen Einfluss haben Absagen von Großveranstaltungen auf die Geschäfte?

    Z um einen hätten wir am 26. April verkaufsoffenen Sonntag gehabt. Der fällt jetzt wohl aus. Und zum anderen waren noch zwei weitere verkaufsoffene Sonntage geplant. Am 15. Mai wäre der fränkische Markt. Wenn da die Gastronomie noch zu haben muss, wird das wohl ohne die stattfinden - wenn es überhaupt stattfindet! Auch das Foodtruck-Festival fällt flach, die Outdoormesse, die Zelttheaterwoche oder Rakoczy. Es war ja auch My Fair Lady geplant. Weil das Outdoor ist, kann es sein, dass das doch stattfinden kann. Aber dazu müsste man das Staatsbad fragen. Und bis dahin kann sich ja noch vieles ändern. Dass diese großen Veranstaltungen ausfallen, wird es sicher spürbar für die Geschäfte. Bad Kissingen hat 1,6 Millionen Übernachtungsgäste im Jahr. Das fällt auf, wenn nun viel weniger kommen. Neben den großen Events hoffen wir natürlich, dass wenigstens in die Kliniken und Hotels bald wieder mehr Gäste kommen.

    Die Geschäftsleute haben sich schon viel in der Krise einfallen lassen.

    Ja, und in diesem Zusammenhang habe ich einen Appell: Wie andere Städte auch, hat Bad Kissingen Gutscheine. Auf die können die Leute ihre Lieblingsläden schreiben, die sie unterstützen wollen. Sie können per Post, Mail oder Fax verschickt oder bei uns abgegeben werden. Wir sind die Vermittler, die das an die Geschäfte verteilen. Die schicken den Kunden dann einen Gutschein im gewünschten Betrag und die Rechnung zu. Kaufen Sie auch nach dem 27. April noch weiter Gutscheine für Restaurants: Die Gastronomie bleibt ja noch geschlossen. Und es wäre schön, wenn die Leute wirklich am 27. April in Beachtung der Schutzmaßnahmen die Geschäfte unterstützen. Dazu gehört auch, dass Sie Geduld mitbringen, wenn Sie etwas anstehen müssen. Man sollte sagen können, die Kissinger halten zu ihren Geschäften; das Umland hält zu seinem Landkreis.

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    Ellen Mützel

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