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    Bad Kissingen

    Reise in die Unterwelt der Stadt

    Untersuchung des Kanalsystems in der Altstadt  Foto: Benedikt Borst/Archiv
    Untersuchung des Kanalsystems in der Altstadt Foto: Benedikt Borst/Archiv

    "Das Projekt Neue Altstadt ist komplex und technisch anspruchsvoll", sagte Frauenring-Vorsitzende Birgit Fischer , als sie Mitglieder und Gäste im Wintergarten des Burkardus Wohnparks zu einer Veranstaltung mit dem Thema "Projekt Neue Altstadt" begrüßte. "Unter der Erdoberfläche, wo sich ein Großteil des Baus abspielen wird, kann man viel Überraschendes und Interessantes finden", ergänzte sie. Deshalb hatte der Ortsring Bad Kissingen Katja Romeis eingeladen, die für das städtische Tiefbaureferat in der Eigentümer-Beratung und Projekt-Kommunikation beim Projekt Neue Altstadt tätig ist. Sie unterstützt und berät die Hauseigentümer im Projektgebiet. Denn sie müssen wissen, was auf sie zukommt und wie es Schritt für Schritt weitergeht.

    "Bei der Kanalsanierung in unserer Altstadt gibt es keine Lösungen von der Stange", betonte Katja Romeis. Seit 2009 arbeite die Stadt Bad Kissingen sehr sorgfältig an diesem Projekt, denn nur maßgeschneiderte Lösungen garantierten Sicherheit. "Es ist unser Ziel, die Innenstadt Bad Kissingens attraktiver zu gestalten, gemütlich und freundlich", sagte sie. "Doch unter der Erde steckt ein ganzes Universum an Überraschungen, und mit jeder Untersuchung treten neue Erkenntnisse zutage, die weitere Erkundungen notwendig machten." Als man vor zehn Jahren mit der Planung einer Sanierung des öffentlichen Kanals und der Neugestaltung der Fußgängerzone begann, hatte sich niemand vorstellen können, dass es so viele Herausforderungen bei der Umsetzung geben würde. Deshalb waren zu der Veranstaltung im Burkardus neben den Mitgliedsfrauen des Ortsrings auch zahlreiche Eigentümerinnen und Bewohnerinnen der Kissinger Altstadt gekommen.

    Schäden im Abwassersystem

    Schon vor 130 Jahren sei Bad Kissingen als erste Stadt in Bayern an ein Kanalsystem angeschlossen worden. "Unser Wohlstand gründete sich damals wie heute auf die Heilquellen", betonte Katja Romeis, "die Planungen und Vorarbeiten beim Kanalsystem müssen sehr sorgfältig durchgeführt werden, schließlich haben wir in Sachen Hygiene einen Ruf zu wahren."

    In den alten Kanälen zeigen sich inzwischen deutliche Schäden. Es geht keineswegs um ein paar kleine Risse, sondern um den Gesamtzustand der Abwasserkanäle. "Nicht nur die Stadt muss sanieren. Manche Hausanschlüsse sind inzwischen ebenfalls in einem maroden Zustand. Bei den Kanalbefahrungen hatte sich gezeigt, dass etliche Hausanschlüsse sogar gebrochen sind", berichtete Romeis.

    Ein Video aus dem Kanal

    Die für die Sanierung notwendigen Untersuchungen werden mit Hilfe einer Kanal-TV-Kamera durchgeführt. Intelligente Technik überträgt die Bilder aus dem Kanalsystem auf einen Bildschirm des TV-Fahrzeugs an der Oberfläche. Das ist übrigens der große weiße Lkw, der oft mit laufendem Motor in der Innenstadt "parkt". Dann ist das städtische Team mit Untersuchungen beschäftigt. Über die Kamera kann man Schäden genau erkennen. Oft gibt es Hohlräume und beschädigte Hausanschlüsse, manchmal sogar Wurzeln, die in den Hauptkanal eingewachsen sind.

    Die Gassen der Altstadt sind eng - über, wie auch unterhalb der Oberfläche. Und wie eine Reise in die Unterwelt mutete ein Video an, das Katja Romeis den Besucherinnen des Frauenrings zeigte. So konnten die Zuhörerinnen die Aufzeichnungen mit der Kanal-Kamera verfolgen. Verwirrend sehen die vielen Hausanschlüsse im Kanalnetz der Kissinger Altstadt aus und es wurde schnell klar, dass hier sorgfältige Vorarbeiten unentbehrlich für erfolgreiches Arbeiten sind.

    Ganz wichtig ist es, den neuen Kanal so zu planen, dass der Grundwasserspiegel stabil bleibt. Derzeit strömen ca. 40 000 Liter Grundwasser in das defekte Kanalsystem der Unteren Markstraße. Das bedeutet, dass der Grundwasserspiegel konstant niedrig bleibt. Deshalb ist es so wichtig, im Zuge der Kanalsanierung die Drainagefunktion des Kanals zu erhalten. Bei den Kanal-Bauarbeiten im Jahre 1987 hatte die Stadt, gemäß der Empfehlung eines Gutachters, einfach den Kanal dichtgemacht. Der Effekt war ein Anstieg des Grundwassers und einige feuchte Keller. Mehrere aufwendige Maßnahmen waren nötig, um den Wasserspiegel wieder abzusenken. Diese Probleme möchte das städtische Bauamt diesmal im Vorfeld vermeiden. Katja Romeis bat um das Verständnis aller Bürger für dieses große Projekt. Sie bat auch um die Mithilfe der Eigentümer, ihre privaten Grundstücksentwässerungsanlagen zügig zu sanieren. "Unsere Fußgängerzone soll neu gestaltet werden. Aber dieses Projekt über und unter der Erde ist nicht nur eine Verschönerungsmaßnahme für die Stadt. Es ist ein wichtiges Projekt für die Lebensqualität aller Bürger ." red

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