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    Reiterswiesen

    Reiterswiesen: Die Corona-Bläser spielen zum 100. Mal

    Was als musikalischer Mutmacher gegen Corona begann, ist allabendlicher Treff im Reiterswiesener Ortsteil "Stempes" geworden.
    Sie trafen sich zur Serenade zum 100. Mal:  Joob und Justus Tillmann, Daniela Weingärtner, Sophia und Lorenz Schubert (v.l.). Foto: Werner Vogel       -  Sie trafen sich zur Serenade zum 100. Mal:  Joob und Justus Tillmann, Daniela Weingärtner, Sophia und Lorenz Schubert (v.l.). Foto: Werner Vogel
    Sie trafen sich zur Serenade zum 100. Mal: Joob und Justus Tillmann, Daniela Weingärtner, Sophia und Lorenz Schubert (v.l.). Foto: Werner Vogel

    Rekordverdächtige hundertmal in Folge haben die Geschwister Lorenz und Sophia Schubert auf ihrem Balkon in der Hans-Sachs-Straße gestanden und die Anwohner mit einem abendlichen Ständchen erfreut. Zunächst willkommene Abwechslung nach der Schockstarre der Ausgangsbeschränkung und mit der Zeit musikbegleiteter lockerer Treff der Anwohner auf der Straße. Das fand so viel Anklang, dass die jungen Musiker tatsächlich hundert Tage fortlaufend aufspielten.

    Von der Ode bis zum Schlager

    Anfangs wurde feierlich mit der Europahymne begonnen - Schillers "Ode an die Freude " wurde sogar mehr oder weniger lautstark mitgesungen - dann folgte ein Musikstück , Schlager, Oldies, Klassiker der leichten Muse, die Lorenz mit Saxofon und Sophia mit der Klarinette live, aber mit Orchesterbegleitung vom Band spielten. Das war dann auch in den umliegenden Straßen zu hören und die Fenster gingen sogar noch hinter der Kirche auf. Immer größer wurde der Kreis der Zuhörer. Spaziergang, "Gassi gehen" oder die Fahrradtour wurden so gelegt, dass man um 18 am Stempes ankam, zuhörte, verweilte und ein wenig und plaudern konnte. Immerhin diszipliniert mit Abstand.

    Geburtstag auf der Straße

    Wer aus dem Viertel Geburtstag hatte, durfte sich per WhatsApp ein Stück wünschen, das dann nach dem unvermeidlichen Happy Birthday gespielt wurde. Welch unkomplizierte Gelegenheit für Nachbarn und Bekannte zu gratulieren. Zu diesen "Spontan-Partys" gabs schon mal Prosecco, Schoppen, Bier oder ein Schnäpschen und für die Kleinen Gummibärchen oder Schokokuss. Gerne wurde es dann mal ein wenig länger, besonders weil anfangs das Wetter meist mitspielte. Das Schubert'sche-Stempes-Duo Lorenz und Sophia wurde aber auch dann nicht müde, als die Beschränkungen längst gelockert waren. "Weil es Spaß gemacht hat", sagt Lorenz, wobei er zugibt, dass er täglich geübt hatte und "weil die Leute immer wieder gekommen sind und es so viel Beifall gab", sagt Sophia, was kein Wunder war, denn es war in den 100 Tagen kein schräger Ton zu hören.

    Kleine Party zum 100.

    Am Mittwoch war es dann soweit. Die Jubiläumsserenade war angekündigt und alle, die immer gekommen waren, feierten mit den Schuberts - die Eltern und Großeltern waren immer dabei - eine musikalische Party, mit den Lieblingshits der beiden Rekordmusiker. Dazu waren auch Freunde aus dem Jugendmusikkops gekommen, Joob und Justus Tillmann und Daniele Weingärtner mit Euphonium, Trompete und Klarinette machten aus dem Duo eine veritable Blasmusikbesetzung.

    Da klangen dann nicht nur "Rivers of Babylon" sondern auch der "Deutschmeister" und das Frankenlied. Aber es war gar keine Abschieds Serenade . Lorenz und Sophia wollen sich künftig Samstags um 17 Uhr hören lassen und so das Wochenende einläuten.

    Als Dankeschön für die anhaltende Freude war eine Spendenbox bereitgestellt worden und da dürfte dann auch mehr zusammengekommen sein, als ein paar Kinobesuche oder Eisbecher. Aber für das fröhliche "Stempes Duo" ist "Corona" eine Zeit mit vielen Begegnungen und zu Herzen gehender Zusammengehörigkeit in der kleinen "heilen" Stempes Welt, die sie und die Anwohner nicht vergessen werden. Das ist unbezahlbar.

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    Werner Vogel

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