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    Münnerstadt

    Satirepartei in Münnerstadt gegründet: Der Frust über die Politik sitzt tief

    Mit Merkel-Raute  präsentieren sich Gründungsmitglieder des Die PARTEI-Ortsverbandes Münnerstadt. "Damit was bleibt, wenn die Kanzlerin geht", sagen  (von links) Yannik Krug, Yannis Wüst, Sophie Heringer, Adrian Bier und Gabriel Düring.Heike Beudert
    Mit Merkel-Raute präsentieren sich Gründungsmitglieder des Die PARTEI-Ortsverbandes Münnerstadt. "Damit was bleibt, wenn die Kanzlerin geht", sagen (von links) Yannik Krug, Yannis Wüst, Sophie Heringer, Adrian Bier und Gabriel Düring.Heike Beudert

    Die einen sprechen von Sartirepartei, die Kritiker von Spaßpartei. Es geht um "Die Partei", die 2004 gegründete Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Jetzt hat "Die Partei" auch im Landkreis ein Standbein. In Münnerstadt gründete sich der erste Ortsverband und damit gleichzeitig auch ein Kreisverband. Die meisten der gerade erst sieben Mitglieder sind junge Erwachsene und Jugendliche.

    Zum Pressegespräch erscheinen einige Mitglieder des Orts- und Kreisverbandes bereits im Dresscode der Partei, blaues Hemd, Anzug, rote Krawatte - eine erste Anspielung auf die äußerlichen Gepflogenheiten in der etablierten Parteienwelt. Schnell machen die jungen Engagierten klar, weshalb sie ihre politische Heimat nicht mehr in den sogenannten Volksparteien, egal ob grün, rot, gelb oder schwarz sehen. Es ist die Enttäuschung, sagen die jungen Leute. "Es wird viel geredet und wenig gemacht", betont Kreisverbandsvorsitzender Adrian Bier ( Münnerstadt ). Der 20-jährige schaut bei seiner Kritik erst einmal gar nicht auf die große Politik. Münnerstadt reicht ihm als Beispiel.

    Satire, kein Spaß

    Er erinnert an das Jahr 2017. Da habe es in der Stadt zusammen mit Jugendlichen eine Tagung gegeben. Acht Stunden hätten die jungen Leute Vorschläge erarbeitet. Geld sollte eigentlich für die Umsetzung von Vorschlägen da sein. "Passiert ist gar nix". Adrian Bier erwähnt den Skaterplatz. Als die jungen Leute dort Missstände auch öffentlich in den sozialen Medien angeprangert hätten, habe der Bürgermeister damit gedroht, die Anlage zu schließen. "Konservative hören nicht unbedingt auf Jugendliche", so der nüchterne Kommentar von Gabriel Düring, Schatzmeister des Münnerstädter Ortsverbandes.

    Von "vergeudeter Zeit" sprechen sie, wenn sie die Hallenbad-Diskussion mitverfolgen. Die Unterschriftenlisten hätten vor sieben Jahren ausliegen müssen. Jetzt sei es zu spät. Wieder so ein Punkt, der die Entfremdung der jungen Münnerstädter zur Kommunalpolitik zeigt. "Wir müssen selbst was in die Hand nehmen", sagt Adrian Bier .

    Dass sich "Die Partei" der Satire bedient, finden die Mitglieder des neuen Ortsverbandes gut. Sie erhoffen sich, so steht es in ihrer Pressemitteilung: "Freiheit von Fraktionszwängen, falscher Rücksicht". Und gewissermaßen auch eine gewisse Narrenfreiheit, die die Mitgliedschaft in der Satirepartei bietet. Man wolle der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten - überspitzt dargestellt in Satire . "Da bietet sich Mürscht an", findet 2. Ortsvorsitzender Yannis Wüst. Satire könne auf reale Missstände aufmerksam machen, sagen sie. Die fällt auf und bleibt im Kopf", ergänzt Yannik Krug, der Ortsvorsitzende. Sie wehren sich aber gegen die Bezeichnung Spaßpartei.

    Mahnwache gegen Rechts

    Die jungen Leute werden durchaus schnell ernst, wenn es um ihre Anliegen geht. Sie wollen vor allem Erstwähler mobilisieren. Sie möchten gegen die Politikverdrossenheit angehen. Und sie wollen einen Gegenpol zum wachsenden rechten Lager bilden. Deshalb ist ihre erste Aktion am heutigen Samstag, 20. April um 16.20 Uhr eine Mahnwache unter der Brücke am Skaterplatz. "Gerade in Zeiten, in denen totgeglaubtes, faschistisches Gedankengut wieder gesellschaftsfähig zu werden scheint, halten wir es für besonders wichtig aufzustehen und klar zu machen, dass wir das nicht tolerieren", schreibt die Gruppe in einer Stellungnahme. Überall in der rechten Szene gebe es an diesem Tag Feiern. Mit der Mahnwache wolle man eine Gegenveranstaltung bieten. Danach gibt es einen Bierempfang mit Quiz und DJ für Erstwähler.

    In den kommenden Wochen wird der Fokus von Orts- und Kreisverband auf der Europawahl liegen. Da erwartet auch die Mitglieder einer Satirepartei erst einmal klassische Partei-Arbeit. Beispielsweise müssen Plakate aufgestellt und geklebt werden.

    In der Münnerstädter Gerüchteküche köchelt derzeit die Vermutung, der neugegründete Ortsverband stelle bei der Kommunalwahl sogar einen Bürgermeisterkandidaten. Die jungen Leute winken erst einmal ab. Auch lassen sie offen, ob sie 2020 mit einer Liste in den Kommunalwahl gehen werden. Dazu ist alles zu frisch. Aber sie halten auch nichts für unmöglich. Selbstbewusst sind sie. "Wir sind die Zukunft", stellt Sophie Heringer fest.

    Die Vorstandsgremien

    Kreisverband Vorstand Adrian Bier , 2. Vorständin: Klara Friedel; Schatzmeister Florian Metz.

    Ortsverband Vorstand Yannic Krug, 2. Vorstand Yannis Wüst; Schatzmeister Gabriel Düring. Sonderbeauftrage für extraterrestrische Angelegenheiten und traditionelle Werte: Sonja Johannes.

    Heike Beudert

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