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    Bad Kissingen

    Schulbusse im Landkreis Bad Kissingen: Keine Garantie auf einen Sitzplatz

    In jedem Schuljahr kontrollieren Beamte der Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck die Schulbusse an allen größeren Standorten in der Region. Auch heuer gab es dabei fast keine Beanstandungen. Fotos: Ralf Ruppert
    In jedem Schuljahr kontrollieren Beamte der Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck die Schulbusse an allen größeren Standorten in der Region. Auch heuer gab es dabei fast keine Beanstandungen. Fotos: Ralf Ruppert

    Immer wieder tauchen in sozialen Netzwerken Diskussionen über die Beförderung von Schülern auf: Busse kämen schon voll besetzt in ihrem Ort an, Kinder müssten vorne beim Busfahrer stehen, berichtet eine Mutter aus der Gemeinde Oberleichtersbach, die nicht namentlich genannt werden möchte. Bis zu 30 Kinder müssten während der Fahrt in die Schule stehen. Viele überfüllte Linien werden genannt: Von Oberleichtersbach nach Bad Brückenau, von Bad Kissingen nach Münnerstadt zum Berufsbildungszentrum oder von Euerdorf und Oberthulba nach Hammelburg. "Unsere Kinder werden schlechter transportiert als Tiere", schreibt eine andere Mutter. Und ein Vater meint: "Es wird viel zu wenig kontrolliert...Es muss erst etwas passieren." Wir sind den Vorwürfen nachgegangen...

    In den ersten Wochen und Monaten des Schuljahres kontrollieren Beamte der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck vor allen größeren Schul-Standorten. Zwischen 7 und 8 Uhr standen sie auch in diesem Herbst in der Hammelburger Von-der-Tann-Straße, am Berliner Platz in Bad Kissingen oder am Bad Brückenauer Schulzentrum. Das Zählen begannen sie allerdings in keinem einzigen Fall, denn: "Man sieht ja, dass die Zahl der Stehplätze längst nicht ausgenutzt ist", verweist einer der Beamten auf die zugelassenen Plätze: Ein Schild weist etwa bei einem mittelgroßen Bus 58 Stehplätze aus, also sogar einen mehr als Sitzplätze. Deshalb konzentrieren sich die Polizisten auf anderes: Ist die Tür richtig eingestellt, so dass kein Schüler eingeklemmt wird? Ist der Fahrer fahrtauglich? Sind Erste-Hilfe-Koffer und Rettungshammer an ihren Plätzen?

    "Insgesamt positive Bilanz"

    "Eine insgesamt positive Bilanz" zieht die Verkehrspolizeiinspektion am Ende der Schulbuskontrollen. In den Landkreisen Haßberge, Bad Kissingen , Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und der Stadt Schweinfurt wurden insgesamt 120 Schulbusse kontrolliert. Bei acht kleineren Verstößen wurden Verwarnungen ausgesprochen, in zwei Fällen wurde ein Bußgeld verhängt.

    Allerdings entfiel keines der Bußgelder auf den Landkreis Bad Kissingen : Als "sehr erfreulich" fasst die Polizeiinspektion Hammelburg die Kontrolle der 15 Schulbusse dort zusammen, es habe "keine Beanstandungen" gegeben. Auch bei den Kontrollen in Bad Brückenau und Bad Kissingen war die Polizei zufrieden. Und selbst die Busfahrer hatten keine Probleme mit den Kontrollen: "Einige Busfahrer waren sogar froh, dass wir mal da waren", berichtet Olaf Gräf, Mitarbeiter Verkehr bei der Bad Kissinger Polizei .

    "Ganz entspannt" sieht auch KOB-Geschäftsführer Claus Schubert solche Kontrollen: "Wir machen ja auch regelmäßig eigene Ausstiegskontrollen", stellt er klar. Auf Grundlage der Schülerzahlen würden die Linien immer wieder angepasst. Alleine in den Altlandkreisen Bad Brückenau und Hammelburg seien jeden Morgen 37 Busfahrer unterwegs, um rund 6000 Schüler zu 16 Schulen zu bringen. "Wir haben nur ganz wenige Elternanrufe", berichtet Schubert aus der Praxis. Dass an Stammtischen oder in sozialen Netzen trotzdem manchmal geschimpft werde, weiß er, aber: "Wir haben einen Beförderungs- und keinen Erziehungsauftrag", verweist er auch auf die Grenzen der Busfahrer. Wenn die zum Beispiel einführen wollen, dass die Schüler nach Alter gestaffelt sitzen, gebe es auch Protest. "Wir können von Euerdorf nach Hammelburg keine Kinder erziehen", sagt Schubert: Oft würden Sitze leer bleiben, obwohl viele Kinder stehen. Auf alle Fälle werde die Stehplatz-Kapazität nie voll ausgereizt, und: "Wenn beim Losfahren auch nur ein Schüler steht, fährt der Bus höchstens 60." Wenn kein Schüler mehr stehen soll, müssten die Kommunen die Linien mit Sitzplatz-Garantie ausschreiben, verweist Schubert auf die Politik.

    Laut einer Umfrage der Redaktion bei den 26 Kommunen des Landkreises und dem Landratsamt gibt es eine solche Sitzplatz-Garantie nur in der Gemeinde Burkardroth. Andererseits liegen den Kommunen aber auch kaum Beschwerden vor: "Probleme gibt es keine, Beschwerden der Eltern kommen auch nicht vor", berichtet etwa Tobias Fritzmann vom Markt Zeitlofs. Beim Landkreis gebe es "hin und wieder, insbesondere in den ersten Wochen nach Schulstart" Nachfragen, etwa zur Zahl der Stehplätze.

    Neben den überörtlichen Linien, die vor allem Realschulen, Gymnasien oder das Berufsbildungszentrum Münnerstadt bedienen, gibt es jede Menge so genannte frei gestellte Schülerverkehre im Auftrag der Kommunen. Hier ein Überblick auf Grundlage der Rückmeldungen aus den Kommunen auf eine Umfrage:

    Alleine die Stadt Bad Kissingen bestellt 17 bis 22 Fahrten pro Tag auf fünf Linien, um die Schüler zu den beiden Grundschulen und der Anton-Kliegl-Mittelschule zu befördern. Eine Sitzplatzgarantie sei "aus finanziellen Aspekten" nicht möglich, allerdings würden die Busse an den Bedarf angepasst. Der Markt Burkardroth beauftragt die Schulfahrten zur Mittelschule Burkardroth sowie zu den Grundschulen Premich und Lauter. Für die Mittelschüler gebe es je eine Hinfahrt ab Oehrberg und Premich sowie wöchentlich 20 Heimfahrten. Bei den Grundschülern sind die Zahlen ähnlich. Der Markt Burkardroth hat die Linien mit einer "grundsätzlichen Sitzplatzgarantie" ausgeschrieben, von der nur bei unplanmäßigen Fahrten - etwa Heimfahrten bei Stundenausfällen - abgewichen werden darf.

    Eine Änderung steht in der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach an: Bisher wurden dort die Schüler über die öffentliche Linie 9141 zur Grundschule Poppenlauer und der Mittelschule Maßbach gebracht. Die Konzession lief bisher über das Landratsamt, die Gemeinden Maßbach, Thundorf und Rannungen haben umgekehrt Monatskarten gekauft. Ab dem 1. März 2020 organisiert die VG den freigestellten Schülerverkehr selbst, die Ausschreibung werde aktuell vorbereitet, teilt die Verwaltung mit. Für die Kinder aus den Gemeinden Fuchsstadt und Elfershausen organisiert der Schulverband Elfershausen-Langendorf die Beförderung. Die Grundschüler werden nach Langendorf oder Fuchsstadt gebracht, die Mittelschüler nach Langendorf beziehungsweise Hammelburg. Die VG lobt die gute Zusammenarbeit mit dem KOB Bad Kissingen .

    Der KOB befördert auch die Grundschüler der VG Euerdorf zur Einhard-Grundschule. Der Bus fahre sechs Mal am Tag und sei nie voll besetzt. Es gebe zwar keinen Vertrag mit Sitzplatzgarantie, aber auch keine Beschwerden der Eltern - auch nicht zur Beförderung der Mittelschüler nach Langendorf und Hammelburg. Eine Fahrt am Morgen und zwei am Mittag organisiert die Gemeinde Nüdlingen für die Schüler aus Haard zur Schlossberg-Grundschule Nüdlingen . Dagegen läuft in der Gemeinde Zeitlofs die Schülerbeförderung zur Grundschule vollständig über den ÖPNV.

    Der Markt Bad Bocklet setzt jeden Morgen zwei Linien ein, um die Schüler nach Steinach (Klassen 1 bis 3) und Bad Bocklet (Klassen 4 bis 6,8 und 9) zu bringen. "Die Heimfahrten orientieren sich am jeweiligen Unterrichtsplan der Klasse", berichtet Bürgermeister Andreas Sandwall . Samt Mittagsbetreuung gebe es 19 Heimfahrten pro Woche. Es bestehe zwar keine Sitzplatzgarantie, allerdings ist Sandwall sicher, dass jedem Schüler ein Sitzplatz zur Verfügung steht.

    In Hammelburg gibt es für die Grundschüler eine Hin- sowie insgesamt vier Rückfahrten. Bis auf zwei bestellte Fahrten nutzt die Kommune den ÖPNV. Bei der Mittelschule kauft das Sekretariat sogar für alle Schüler Fahrkarten , es gibt keine zusätzlich von der Stadt bestellten Linien. Die VG Bad Brückenau bestellt in Kooperation mit den Schulen die Schulbusse zu den Grundschulen in Oberleichtersbach und Schondra. Angeboten werden jeweils eine Früh-, eine Zwischen- und eine Mittagstour. Auch hier gibt es keine Sitzplatz-Garantie, die Verwaltung schreibt: "Die Busse sind aber nicht überfüllt, es müsste jeder Schüler einen Platz bekommen."

    Die Schulverwaltung in Wildflecken bestellt Busse für die Grundschule in Riedenberg und für die Mittelschule in Wildflecken. Die Oberbacher Kinder fahren teilweise mit den vorhanden Linienbussen und teilweise mit den bestellten Schulbussen nach Riedenberg. Für die Mittelschüler aus Riedenberg gibt es eine bestellte Linie nach Wildflecken. Auch hier werde darauf geachtet, dass jeder Schüler sitzen kann.

    Die Gemeinde Wartmannsroth bestellt eine Buslinie für ihre Grundschüler nach Dittlofsroda. "Gesonderte Konditionen werden nicht ausgeschrieben. Allerdings bewegt sich unsere Schülerzahl in einem Bereich, wo ein Sitzplatz automatisch garantiert ist", berichtet Geschäftsleiter Daniel Görke. In Motten nutzen die Grundschüler die vorhandenen ÖPNV-Linien. Für Rückfahrten außerhalb der ÖPNV-Zeiten bestellt die Gemeinde bis zu zwölf Fahrten pro Monat zusätzlich. Der Markt Oberthulba betreut die Grund- und Mittelschule Thulbatal mit Schulgebäuden in Oberthulba und Thulba. Bestellt sind dazu täglich drei Früh-, zwei Zwischen-, vier Mittags- und zwei Nachmittagstouren beim KOB - alle ohne Sitzplatz-Garantie.

    Die Gemeinde Oerlenbach organisiert den freigestellten Schülerverkehr zu den Grundschulen in Ebenhausen und Rottershausen sowie zu Mittelschule in Oerlenbach. Die Schüler, die die M10 in Poppenhausen besuchen, nutzen die Bahn. Laut Verwaltung sind ausreichend Busplätze vorhanden.

    Ralf Ruppert

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