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    Hammelburg

    Schwammspinner als Gefahr für den Stadtwald

    Der Klimawandel beschert dem Hammelburger Stadtwald nicht nur eine Trockenperiode, sondern auch einen Schädling.
    So sehen die Eier des Schwammspinners aus, die in einem namensgebenden, schwammartigen Gewebe stecken. Foto: Arkadius Guzy
    So sehen die Eier des Schwammspinners aus, die in einem namensgebenden, schwammartigen Gewebe stecken. Foto: Arkadius Guzy

    Im Frühsommer wurden Waldbereiche bei Unter- und Obererthal aus der Luft mit einem Insektizid besprüht, um den Befall mit Schwammspinnerraupen einzudämmen. Die Diskussion, ob das Insekt bekämpft werden soll oder nicht, wird die Stadträte in den kommenden Jahren wohl häufiger beschäftigen. Bei einem Waldbegang bereiteten der städtische Forstbetriebsleiter Hubertus Tumpach und Matthias Wallrapp von der Stiftung Juliusspital Würzburg sie darauf vor.

    "Die Entscheidung über die Bekämpfung des Schwammspinners wird der Stadtrat immer mal wieder treffen müssen", sagte Wallrapp. Zwar erwartet der Forstexperte in den besprühten Bereichen für die kommenden zwei, drei Jahre Ruhe, doch begünstigt das zunehmend warme und trockene Klima die Ausbreitung des Insekts.

    So ist auch auf anderen Flächen ein Befall möglich. Wegen des Standorts und der Baumzusammensetzung sieht Wallrapp insbesondere den Wald zwischen Lager und Gauaschach als prädestiniert. Daher führte er die Stadträte dorthin, in die Waldabteilung Dörnig.

    Jetzt im Herbst sind die Eigelege angelegt, aus denen im kommenden Frühling die Raupen des Schwammspinners schlüpfen. Laut Wallrapp werden über die Herbst- und Wintermonate kritische Flächen stichprobenartig begutachtet, um eine Prognose für das kommende Frühjahr zu erstellen.

    Wenn an einem Stamm bis zu einer Höhe von zwei Metern schon ein Nest gefunden wird, gilt der Baum als von Kahlfraß bedroht. In den Bereichen bei Unter- und Obererthal seien schon mal 80 Nester an einem Baum gefunden worden, berichtete Tumpach.

    Wie so ein Gelege mit Raupeneiern aussieht, zeigte Wallrapp an einem Baum. Die Raupen fressen sehr lange und entziehen damit anderen Raupenarten die Lebensgrundlage, erklärte Wallrapp. Eiche und Hainbuche seien die bevorzugten Bäume . Die Raupen gehen aber auch an Buchen und begnügen sich sogar mit Gras, wenn sie nichts anderes mehr finden.

    Neben dem Schwammspinner hatte die erneut trockene Saison den Bäumen zu schaffen gemacht. So bekommt mittlerweile die Buche Probleme, gerade an Standorten wie bei Gauaschach . Dort ist die Humusauflage auf dem Muschelkalk nicht sehr hoch. Doch gerade trockene Standorte wie der Dörnig sind dafür reich an seltenen, naturfachlich interessanten Baumarten . Dazu zählt insbesondere der Speierling, ein deutschlandweit sehr selten vorkommender Baum, wie die Forstexperten erläuterten. Laut Wallrapp stehen in der Waldabteilung Dörnig 40 bis 50 dieser Bäume . Sie sind an anderen Stellen im Stadtwald ebenfalls zu finden.

    Diese Baumarten sollen gefördert werden, indem für sie mehr Licht gemacht wird, wie Wallrapp formulierte. Dazu sollen die "müdesten Eichen" - Bäume die schon mehrmals aus dem Stock ausgeschlagen haben - gefällt werden. Das soll auch in der Abteilung Leberholz passieren, um die natürliche Verjüngung mit Eichen zu unterstützen. Da die Jahre 2018 und 2019 reich an Eicheln waren, sind am Waldboden viele junge Eichenpflänzchen zu finden. Die Flächen sollen teilweise eingezäunt werden, um die Triebe vor dem Wild zu schützen.

    Auch wirtschaftlich ist das Jahr schwierig: Der Markt ist aufgrund des durch die Trockenheit begünstigten Borkenkäferbefalls mit Nadelholz übersättigt. Geld werde beim Nadelholz nicht verdient, die Einnahmen deckten gerade die Arbeitskosten, sagte Tumpach. Daher ist der Einschlag im Stadtwald zurückgefahren. Der Betrieb will eine bessere Marktsituation abwarten. Für das Forstjahr sind damit keine großen Gewinne zu erwarten. Tumpach und Wallrapp gehen sogar davon aus, dass eine schwarze Null nicht zu erreichen sein wird.

    Arkadius Guzy

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