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    Hammelburg

    Schwammspinner-Bekämpfung im Landkreis Bad Kissingen

    Auf rund 360 Hektar Waldfläche im Süden des Landkreises wurden Schwammspinner-Raupen bekämpft. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft verteidigt die Maßnahme, vom Bund Naturschutz kommt Kritik.
    Mitarbeiter dosieren das Pflanzenschutzmittel 'Mimic': Neun Liter kommen in eine 600-Liter-Tank-Füllung des Hubschraubers. Foto: Ralf Ruppert       -  Mitarbeiter dosieren das Pflanzenschutzmittel 'Mimic': Neun Liter kommen in eine 600-Liter-Tank-Füllung des Hubschraubers. Foto: Ralf Ruppert
    Mitarbeiter dosieren das Pflanzenschutzmittel "Mimic": Neun Liter kommen in eine 600-Liter-Tank-Füllung des Hubschraubers. Foto: Ralf Ruppert

    Absperrbänder an Waldwegen, Sprühnebel über den Baumkronen, ratternde Hubschrauber-Rotoren: In den vergangenen Tagen lief die lange angekündigte Bekämpfung des Schwammspinners im Süden des Landkreises. Am Montag zunächst von den Gemarkungen Arnshausen und Ebenhausen aus, am Dienstag weiter von Wasserlosen aus wurden insgesamt 360 Hektar zwischen Oerlenbach und Gauaschach beflogen, Schwerpunkt war mit 135 Hektar der Sulzthaler Gemeindewald.

    Bernhard Zürner, Abteilungsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), betreut die Schwammspinner-Bekämpfung im Landkreis. Beflogen werden nach seinen Angaben alle möglichen Flächen: Staatsforst, Gemeindewälder, aber auch Grundstücke von Wald-Körperschaften und Privaten. Nach der Befliegung sorgte Zürner mit seinem Kollegen Hubert Türich, Betriebsleiter für den Oerlenbacher Gemeindewald, für die Beschilderung der beflognen Waldstücke: Drei Wochen lang dürfen dort keine Pilze, Kräuter oder Waldfrüchte gesammelt werden.

    Fachlich begleitet wurde die Befliegung von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). "Das ist ein Riesen-Prozess", betont LWF-Mitarbeiter Ludwig Straßer. Seit Herbst würden bayernweit 7500 Hektar Eichenwald beobachtet, lediglich 3000 Hektar davon, verteilt auf 180 Einzelstücke, wurden am Ende gespritzt. Hunderte von Forstexperten seien beteiligt, zahlreiche Stellen wie die höheren Naturschutzbehörden . Es gebe 50 Einzel-Schritte, unter anderem werden auch kurzfristig alle Bestände aus der Befliegung genommen, in denen es Hinweise auf Viren- oder Parasiten-Befall der Gelege gebe. "Dann greifen die natürlichen Mechanismen", betont Straßer. Zudem würden etwa Honig und Wildfleisch auf Rückstände untersucht.

    Die Kreisgruppe Bad Kissingen im Bund Naturschutz (BN) spricht von "Begiften" der Wälder . Auch der BN bestätigt, dass es mehr Schwammspinnergelege gibt, zweifelt aber die Gefahr für Eichen- und Buchenbestände an. BN-Kreisvorsitzender Franz Zang erwartet Forschungsergebnisse erst im Frühjahr 2021. "Angesichts der Tatsache, dass schon seit vielen Jahren begiftet wird, hätte dies schon viel früher gemacht werden müssen", kritisiert Zang.

    Aus Sicht des Bund Naturschutz werde noch nicht genügend auf die Reaktionen der Natur gesetzt: Die Parasitierung der Schwammspinnerraupen und damit deren natürliche Bekämpfung sei schon 2019 vergleichsweise hoch gewesen. Von der Bekämpfung seien auch Vögel betroffen, die auf die Raupen für die Aufzucht ihrer Jungen angewiesen sind. "Wir halten die Vergiftungen der Eichenwälder für unverantwortbar, weil das Risiko minimal ist, dass Eichenwälder durch den Schwammspinnerfraß flächig absterben", sagt Ralf Straußberger, Waldreferent des BN. Die Entwicklung des Schwammspinners zeigt aus Sicht von Franz Zang, "dass wir alle viel energischer mit Klimaschutz voranschreiten müssen."

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    Ralf Ruppert

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