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    Schwarze Berge: Info-Tafeln aufgestellt

    Schnee bedeckt die Wanderwege am Würzburger Haus. Es ist glatt und ungemütlich. Der Forstbetrieb Bad Brückenau hat schon im Februar vier Info-Tafeln in den Schwarzen Bergen aufgestellt. Im März, wenn das Wetter schön ist - so dachten sich die Verantwortlichen -, würden diese der Öffentlichkeit vorgestellt.

    Selbst auf der Mütze von Joachim Urban liegt Schnee. Er ist Förster des Reviers Oberbach und damit auch für die Schwarzen Berge zuständig. Urban zeigt alte Buchen, die ursprünglich in der Rhön wachsen. Vor allem aber sieht der Wanderer viele Nadelbäume. "80 bis 90 Prozent der Bäume im Bereich der Schwarzen Berge sind Fichten", berichtet Wolfram Zeller, Leiter des Forstbetriebs Bad Brückenau.

    Schon im frühen Mittelalter habe der Mensch den Wald in den Höhenlagen der Rhön gerodet, um dort Tiere weiden zu lassen. In den 1930er Jahren und den 1950er Jahren aber wurde der Bereich verstärkt aufgeforstet, schildert Zeller. Die Fichte - ein Baum, der schnell wächst und demzufolge schnell geerntet werden kann - war damals besonders lukrativ. Heute bemühen sich Förster überall in Deutschland, wieder mehr Laubbäume wachsen zu lassen, denn die Fichte ist anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels.


    Schwere Maschinen im Schutzgebiet

    So kommt es, dass auch in den Schwarzen Bergen Harvester in großem Stil Bäume fällen. In den Jahren 2015 und 2016 gab es schon große Hiebmaßnahmen. Im kommenden Sommer werden Waldarbeiter wieder im Gelände arbeiten. Auch Wanderwege werden kurzzeitig gesperrt werden müssen, kündigt Wolfram Zeller an. Das Gebiet ist eine von insgesamt 56 Kernzonen im bayerischen Teil des Biosphärenreservats, in denen sich die Natur frei entfalten soll.

    Für die Forstleute ist das kein Widerspruch. "Man darf nicht erwarten, dass der Urwald vom Himmel fällt", sagt Tobias Gerlach. Er ist Biologe und arbeitet für die Regierung von Unterfranken in der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön in Oberelsbach. Etwa die Hälfte der Kernzonen sei von vornherein in einem urwüchsigen Zustand gewesen, schildert er. Diese Flächen wurden sofort sich selbst überlassen.

    In anderen Bereichen aber müsse noch ein umfangreicher Umbau des Waldes vorgenommen werden. "Wir versuchen, lockere Strukturen zu schaffen, die aber stabil sind und Raum für Entwicklung bieten", erklärt Förster Urban. Auf Kahlschläge verzichte der Forstbetrieb nahezu ganz, denn der massive Lichteinfall würde nur dazu führen, dass sich Unkraut wie etwa Brombeergebüsch massiv ausbreitet.


    Wanderer nicht dauerhaft fernhalten

    Die Idee ist, dass vereinzelt Laubbäume stehen bleiben. Auf den frei gewordenen Flächen siedeln sich zum Beispiel Weiden, Birken oder die Vogelbeere an. Später folgen Baumarten wie Buchen oder Ahorne. "Man wartet wirklich auf die natürliche Entwicklung", sagt Gerlach vom Biosphärenreservat. In 200 Jahren sei man vielleicht soweit, ergänzt Forstbetriebsleiter Zeller.

    Kritiker monieren, dass der Forstbetrieb nun viel Geld mit den Fichten mache, die in den Schwarzen Bergen gefällt werden. Andere beschweren sich über den Zustand mancher Wanderwege, wenn die Erntemaschinen im Einsatz sind. In erster Linie gehe es darum, der natürlichen Vegetation wieder Platz zu geben, betont Tobias Gerlach. Zudem gehöre das Waldgebiet dem Freistaat Bayern. Am Gewinn verdient sich also kein Privatmann eine goldene Nase.

    Was den Zustand der Wege angeht, so erklärt Gerlach, dass es das Anliegen sei, die Beschränkungen für Wanderer so kurz wie möglich zu halten. Das bringe aber den Anblick gefällter Bäume und tiefer Spuren im Waldboden mit sich. Es gebe zudem eine enge Abstimmung mit dem Forstbetrieb Bad Brückenau, der verpflichtet sei, die Wege wiederherzustellen. Dass das auch passiert, darauf achte laut Tobias Gerlach sowohl die Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats in Oberelsbach als auch der Wanderkoordinator des Naturparks Bayerische Rhön.



    56 Kernzonen gibt es im bayerischen Teil des Biosphärenreservats Rhön. In diesen Bereichen wird die Natur sich selbst überlassen.

    3889 Hektar groß sind alle Kernzonen des bayerischen Teils des Biosphärenreservats Rhön zusammen groß.

    243.323 Hektar groß ist das Biosphärenreservat Rhön insgesamt. Der bayerische Teil ist mit 129.585 Hektar der größte Teil. Ulrike Müller

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