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    Münnerstadt

    Seltene Einblicke in die Mürschter Stadtpfarrkirche

    Zu einer Kirchenführung der besonderen Art hatte Pater Markus Reis in die  Pfarrkirche Maria Magdalena eingeladen. Er zeigte verdeckte oder wenig  beachtete Werke. Auf unserem Bild stehen die Besucher gerade vor dem  Taufstein, der 1613 geschaffen wurde. Der Deckel allerdings, eine Spende  der Kolpingfamilie, stammt von 1988. Foto: Dieter Britz
    Zu einer Kirchenführung der besonderen Art hatte Pater Markus Reis in die Pfarrkirche Maria Magdalena eingeladen. Er zeigte verdeckte oder wenig beachtete Werke. Auf unserem Bild stehen die Besucher gerade vor dem Taufstein, der 1613 geschaffen wurde. Der Deckel allerdings, eine Spende der Kolpingfamilie, stammt von 1988. Foto: Dieter Britz

    Damit der Innenraum der Pfarrkirche Maria Magdalena renoviert werden kann, wurde ein Teil der unersetzlichen Kunstwerke, zum Beispiel der Riemenschneideraltar, entfernt. Dafür ist jetzt der Blick frei auf einige bisher mehr oder minder verdeckte interessante Stücke. Stadtpfarrer Pater Markus Reis OSA nutzte die Gelegenheit, Menschen durch die Kirche zu führen und ihnen dabei diese Kunstschätze zu zeigen.

    Wenig beachtet wird die Schunterkapelle mit den Fresken und der Ölberg-Gruppe aus dem Jahr 1428 gleich rechts im Eingangsbereich. Sie wird nur am Gründonnerstag benützt. Das Weihwasserbecken am Kircheneingang stammt aus gotischer Zeit und diente einst als Taufstein. Der heutige Taufstein steht vor der Ritterkapelle vorn rechts in der Kirche. Er stammt aus dem Jahr 1613 und wurde von Georg Prünn geschaffen. Dass der schwere metallene Deckel des Taufsteins aus neuerer Zeit stammt, beweisen schon die Inschriften, auf die Pater Markus hinwies. Gestiftet wurde dieser Deckel von der Kolpingfamilie Münnerstadt . Geschaffen wurde er von Martin Bühner, dem Sohn des Bildhauers Lothar Bühner, der wesentliche Teile des Riemenschneider-Altars nach geschnitzt hat.

    Der Deckel soll daran erinnern, dass die Augustiner 300 Jahre zuvor, also zuvor 1685, die Leitung des Gymnasiums übernommen hatten. Auch der Name von Pater Hugolin, der vielen Münnerstädtern noch geläufig ist, wird hier genannt. Auch Münnerstädter Geschichte wird hier lebendig. Auf einer Tafel an der Rückwand der Kirche wird daran erinnert, dass die Stadt, nachdem die Bürger ab 1552 mehrheitlich einige Jahrzehnte evangelisch gewesen waren, im Jahre 1585 wieder katholisch wurde, da der Würzburger Bischof die Herrschaftsrechte über die Stadt erwarb.

    Damals hatten die Bürger die Religion ihres Landesherrn anzunehmen oder sie mussten die Stadt verlassen. "23 von 24 Ratsherren sind ausgewandert. Ihre Namen tauchen in Nachbarstädten wieder auf. Damals ist das in beiden Konfessionen so gemacht worden" erklärte Pater Markus.

    Im linken Seitenschiff vorn hängen zwei Bilder, die die Kirchengemeinde 1832 im Nürnberger Kunsthandel erworben hat. Das eine ist der "Tod Mariens", das andere "Maria mit acht Heiligen". Sie werden beide dem "Meister des Deichsler-Altars" zugeschrieben. Der Name dieses Künstlers ist unbekannt, der Patrizier Berthold Deichsler hatte für die Dominikanerkirche in Nürnberg einen Flügelaltar gestiftet, der von dem großen Unbekannten stammt.

    Die beiden Bilder in Münnerstadt stammen etwa aus dem Jahr 1420. "Sie müssen was wert sein" sagt Pater Markus mit Blick auf die Versicherungssumme, die fällig war, als beide Bilder einmal zu einer Ausstellung ins Germanische Nationalmuseum verschickt wurden.

    Seitdem der Riemenschneider-Altar wegen der Renovierungsarbeiten entfernt wurde, ist das barocke Altarbild auf der rechten Seite des Chores wieder gut zu sehen. Es wurde von dem Neustädter Maler Hans Caspar Haas geschaffen und diente im 17. und 18. Jahrhundert als Mittelteil des barocken Hochaltars. Das Bild, das um 1650 entstand, zeigt die Begegnung des auferstandenen Christus unter Maria Magdalena im Garten von Gethsemane. Viele wertvolle und unersetzliche Kunstwerke fehlen zurzeit im Inneren der Kirche wegen der Renovierung. Doch gerade das lenkt den Blick auf andere Werke, die bis dahin entweder verdeckt waren oder wenig beachtet worden sind.

    Dieter Britz

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