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    Münnerstadt

    Blaulicht-Gottesdienst in Münnerstadt: Sie alle versuchen Engel zu sein

    Zu einem Blaulichtgottesdienst gehört es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Vater unser Kerzen in den Händen halten und diese danach vor dem Altar abstellen. Foto: Hanns Friedrich
    Zu einem Blaulichtgottesdienst gehört es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Vater unser Kerzen in den Händen halten und diese danach vor dem Altar abstellen. Foto: Hanns Friedrich

    "Wenn Sie bei ihren Einsätzen unterwegs sind und Menschen aus ihrer Notlage befreien, ihnen helfend zur Seite stehen, versuchen sie alle Engel zu sein," sagte Pastoralreferentin Iris Will-Reusch (Nordheim/Rhön) beim traditionellen "Blaulicht-Gottesdienst". Dieser fand erstmals gemeinsam mit dem Dekanat Bad Kissingen statt und zwar in der evangelischen "Auferstehungskirche" Münnerstadt statt. Dort konnte die evangelische Pfarrerin aus Bad Königshofen, Tina Mertten , Rettungskräfte der Feuerwehr, des Roten Kreuzes, Malteser, Technisches Hilfswerk und der Polizei begrüßen. Der Gottesdienst wurde von ihr und Pastoralreferentin Iris Will-Reusch gestaltet, gemeinsam mit Diakon Jochen Lauterwald (Burglauer) und dem evangelischen Pfarrer Marcus Döbert (Bad Kissingen). Traditionell hielten zum Vater unser die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Kerzen in den Händen und stellten sie anschließend vor den Altar.

    Pfarrerin Tina Mertten freute sich eingangs über den Besuch der "Blaulichtfamilie" und sagte, dass dies ein gemeinsames Angebot des Dekanates Bad Neustadt, erstmals mit dem Dekanat Bad Kissingen ist. Gemeinsam sei man zusammen gekommen, als Menschen, die in unterschiedlicher Weise da sind, wenn andere Menschen in Not geraten. "Manchmal können wir helfen und wir danken unserem Gott für alle guten, gelingenden, beglückenden Erlebnisse des letzten Jahres." Manchmal könne man nur so helfen, "dass wir da sind, dableiben, wo es kein gutes Ende nimmt gibt." Beim Gottesdienst halte man all das Gott hin, in der Gewissheit, dass er "bei uns ist". Seine Nähe sei wichtig, um dem Mitmenschen Nähe schenken zu können. Beim anschließenden Psalm aus "Tobit 13", gelesen von Pfarrer Marcus Döbert und der anschließenden Lesung, ging es um den Segen, der sich an diesem Abend wie ein roter Faden durch den Gottesdienst zog.

    In der Lesung ging es um Abraham, der im hohen Alter noch seine Heimat verließ und nicht wusste, was die Zukunft ihm bringt. Pastoralreferentin Iris Will-Reusch: Er hat auf Gottes Zusage gehofft. " Auf den Dienst der Feuerwehren und Rettungskräfte umgemünzt bedeute dies, dass auch sie plötzlich alles liegen und stehen lassen und ausrücken, ohne zu wissen, was sie erwartet, welche Situation oder auch welcher Schrecken." Alle würden mit Gottes Segen in diese Notfallsituation gehen im Wissen 'Wir sind nicht allein, wir sollen bei den Menschen sein, wir haben Kameraden an der Seite.' Außerdem wisse man, dass man für solche Einsätze ausgebildet ist, um richtig helfen zu können. Die Pastoralreferentin erinnerte an das bekannte Lied "Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen...", das man bei Geburtstagen oder Jubiläen singt. Jeder Mensch brauche diesen Segen und er sollte vom Glauben getragen sein. Glaube verheiße Zukunft und Hoffnung.

    Um den Segen rankte sich auch die Lesung durch Diakon Jochen Lauterwald, bei der es um Tobias ging, der auf der Suche nach einem Begleiter auf den Engel Rafael traf, ohne dies zu wissen. Erst am Ende der Reise "outete" sich dieser als einer von den sieben heiligen Engeln, die das Gebet der Heiligen empor tragen und mit ihm vor die Majestät des heiligen Gottes treten. Iris Will-Reusch, selbst in der Notfallseelsorge aktiv, meinte dazu, dass man auch als Notfallseelsorger oft froh sei, bei einem Einsatz ebenfalls jemanden an der Seite zu haben, vom Rettungsdienst, der Feuerwehr oder Polizei , der sagt, wo und wie man helfen kann. "Gemeinsam sind wir unterwegs, um selbst zum Segen zu werden." Sie sprach auch körperliche und seelische Verletzungen an, die bei Einsätzen zurück bleiben können. "Oft sind das Spuren, die über Jahre hinweg vorhanden sind." Immer aber sollte jeder wissen, dass er sein Möglichstes getan hat. Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei würden Menschen oft ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten und "sie alle versuchen, Engel zu sein, dadurch dass sie da sind. Sie sind gesegnete Menschen."

    In den Fürbitten, vorgetragen von den verschiedenen Hilfsorganisationen und Notfallseelsorgern, band man Menschen ein, die durch ein tragisches Ereignis an ihre Grenzen kommen. Die Gottesdienstteilnehmer baten um den Schutz Gottes für diejenigen, die in Notsituationen vor Ort sind und Leben retten. Auch um die Liebe Gottes für Menschen, die von Not und Leid betroffen sind, die Menschen brauchen, die sie trösten, wurde gebeten. Eingebunden waren auch die Verstorbenen und damit die Hoffnung, dass sie bei Christus "gut aufgehoben sind". Zum Abschluss gab es heuer ein Segensbändchen, das jeder bei sich tragen könne, im Auto dabei hat oder auch für Kameraden mitnimmt. Traditionell waren danach Gespräche in gemütlicher Runde im Gemeindehaus angesagt.

    Hanns Friedrich

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