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    Bad Kissingen

    Sorge um die Zukunft

    Die Sorge um die Zukunft verbindet sie beide: BHG-Bezirksvorsitzender Heinz Stempfle (rechts) mit Gastredner Andreas Huber, Geschäftsführer der Deutschland-Sektion des Club of Rome.  Foto: Sigismund von Dobschütz
    Die Sorge um die Zukunft verbindet sie beide: BHG-Bezirksvorsitzender Heinz Stempfle (rechts) mit Gastredner Andreas Huber, Geschäftsführer der Deutschland-Sektion des Club of Rome. Foto: Sigismund von Dobschütz

    Die Sorge um die Zukunft beherrschte die Delegiertenversammlung des Bezirksverbandes Unterfranken (1215 Mitgliedsbetriebe) im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG). Sorgte sich Bezirksvorsitzender Heinz Stempfle, der später in nichtöffentlicher Sitzung für weitere drei Jahre im Amt bestätigt wurde, um die heimische Gastronomie und sagte weiteres Wirtshaussterben voraus, warnte Gastredner Andreas Huber als Geschäftsführer der deutschen Sektion im Club of Rome vor den Folgen des Klimawandels und vor grenzenloser Ausbeutung unseres Planeten.

    Das schon seit Jahren anhaltende Wirtshaussterben in Unterfranken wird wie in ganz Deutschland - ganz im Gegensatz zur Hotellerie mit ihren Rekordergebnissen - auch in kommenden Jahren nicht aufzuhalten sein, zeigte sich Heinz Stempfle in seiner mit Beifall bedachten Rede überzeugt. Er machte den gesellschaftlichen Wandel, den vor allem in der Gastronomie besorgniserregenden Fachkräftemangel, steigende Kosten, damit einhergehend sinkende Renditen und den vom Gesetzgeber auferlegten, berufsfremden Bürokratismus verantwortlich. Stempfle: "Es liegt nicht am Unvermögen der Wirte, wenn einst beliebte Traditionsgasthöfe, seit Generationen erfolgreich im Familienbesitz, jetzt zur Aufgabe gezwungen sind."

    Anhand rückläufiger Azubi-Zahlen zeigte Stempfle die kritische Situation in der Gastronomie auf: Gab es an der Bad Kissinger Berufsschule vor zehn Jahren noch jeweils vier Klassen sowohl für angehende Köche als auch für Restaurantfachleute, ist es inzwischen nur noch jeweils eine - trotz des im Bäderlandkreis überdurchschnittlich hohen Angebots an Arbeitsplätzen in Kliniken und Hotels. Fehlende Fachkräfte und eine unzureichende Rendite würden Gastronomen auch zunehmend davor abschrecken, riskante Pachtverträge einzugehen. Hier nannte Stempfle als Beispiele die trotz wiederholter Ausschreibungen vergebliche Pächtersuche für den Bad Kissinger Ratskeller, das Forsthaus Klaushof oder das Spielbankrestaurant. "Hand aufs Herz", fragte der BHG-Bezirksvorsitzende die Gastronomen im Saal: "Wer von Ihnen würde denn heute noch ein größeres Restaurant oder Gasthaus pachten?"

    Wenige Leuchttürme

    Vergleichbar dem Sterben der einst beliebten Eckkneipen sagte Stempfle ein weiteres Sterben privat betriebener Gaststätten und Gasthöfe voraus. In Zukunft werde es unter Voraussetzung höchster Qualifizierung und bei deutlicher Unterscheidung im Angebot nur noch wenige " Leuchttürme der Gastlichkeit im weiten Meer der Fast-Food-, Imbiss- und Catering-Betriebe" geben. Um Stempfles Warnung nicht allzu schnell Wirklichkeit werden zu lassen, lobte BHG-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert unter anderem das mit 30 Millionen Euro ausgestattete Gaststättenmodernisierungsprogramm. Damit will die Landesregierung private Gastronomen in ländlichen Regionen bei notwendigen Investitionen in den zukunftsfähigen Bestand ihres Wirtshauses unterstützen. "Dass diese Maßnahme nicht ausreicht, um die bayerische Wirtshauskultur flächendeckend zu erhalten, steht außer Frage", musste auch Geppert einräumen. Gleichzeitig appellierte er an die Bundesregierung, endlich das Fachkräftezuwanderungsgesetz zu verabschieden, um auch Nicht-EU-Ausländern den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern.

    Mit Blick auf die Europawahl hatte der BHG mit Andreas Huber, dem Geschäftsführer des Club of Rome Deutschland, einen branchenfremden Gastredner eingeladen. Huber mahnte die Deutschen zum Umdenken und die Bundesregierung im Rahmen der Europäischen Union zum sofortigen Handeln. Der Klimawandel müsse gestoppt und die Ausbeutung der Erde begrenzt werden. "Wie bisher kann es nicht weitergehen."

    Überraschend gelang Huber dann doch noch ein gastronomischer Vergleich: Eine Weihnachtsgans habe aus der Erfahrung, täglich gefüttert zu werden, das Vertrauen gewonnen, dies werde auch in Zukunft so weitergehen. "Und dann wird sie plötzlich geschlachtet." Deshalb müsse die Menschheit umgehend handeln, um nicht durch ein plötzliches Ende des vom Menschen bestimmten geologischen Zeitalters des Anthropozän dasselbe Schicksal wie die Gans zu erleiden. Geführt von starken Mitgliedsnationen müsse die Europäische Union den Anfang machen, forderte Huber zu einer in diesem Sinn zielführenden Europawahl auf.

    Sigismund von Dobschütz

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