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    Hammelburg

    Ein Hammelburger blickt auf seine Polizeikarriere

    Auf Einladung der Freunde des Frobenius-Gymnasiums berichtete Detlev Tolle aus 40 Jahren im Polizeidienst.  Foto: Jaqueline Vera Edgü-Mihm
    Auf Einladung der Freunde des Frobenius-Gymnasiums berichtete Detlev Tolle aus 40 Jahren im Polizeidienst. Foto: Jaqueline Vera Edgü-Mihm

    In seiner blauen Dienstuniform steht er energiegeladen am Rednerpult: Detlev Tolle, bekennender Hammelburger, ist seit 40 Jahren im Polizeidienst und seit 2017 Vizepräsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei . Er war der Einladung des Vereins der Freunde des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg e. V. gefolgt, um über sein Leben und seinen beruflichen Werdegang zu berichten. Erfreut über die hohe Anzahl an interessierten Zuhörern verstand er es vorzüglich, einen interessanten und mit Fakten und amüsanten Anekdoten angereicherten Vortrag zu halten.

    "Vom VW Käfer bis zur Cyberkriminalität" lautete der Vortragstitel, und Tolle spannte gekonnt den Bogen, um die Zuhörer mit auf seine Reise durch 40 Jahre Polizeidienst zu nehmen: Von der ersten Blaulichtfahrt im Jahre 1982 gen Frankfurt-Flughafen zu den Demonstrationen gegen die Startbahn West über den Einsatz in Wackersdorf, einer auf der Autobahnbrücke stehenden suizidalen Frau bis hin zu Internet- und Enkeltrickbetrügern. Vieles hat er erlebt.

    War früher alles besser?

    Die Frage "War früher alles besser?" steht im Raum, und Tolle meint, dass es anders war. Während es sich früher um Wirtshausschlägereien, Drogendelikte und Alkoholfahrten mit dem Auto handelte, so sind es heute auch Fälle von Cyberkriminalität, die es zu ahnden gilt. Detlev Tolle zeigt in Anlehnung an das Thema "Damals und heute" auch ein Bild eines Wasserwerfers im Einsatz im Jahre 2018: In Nürnberg Bäume gießend, die wegen der Sommerhitze unter Wassermangel litten. "In Bayern hat es sonst seit Wackersdorf keinen Wasserwerfereinsatz mehr gegeben. Die bayerische Linie ist, dass Versammlungen nicht mit Wasserwerfern aufgelöst werden", erklärt er. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Straftaten in den vergangenen 30 Jahren rückläufig sind. Tolle selbst fühlt sich in Hammelburg sehr sicher.

    Räuber und Gendarm

    Schon früh wusste Tolle, was er eines Tages gerne machen wollte: Das Räuber-und-Gendarm-Spiel seiner Kindertage auch im Erwachsenenalter "weiterspielen". Auf der Seite der Guten ist er seit seinem Ausbildungsbeginn im Jahre 1980 auch beruflich involviert, und das sehr erfolgreich.

    Ließ seine kurze Schulzeit in der Unterstufe des Frobenius-Gymnasiums, das er in der 7. Klasse verließ, um fortan die Mittelschule zu besuchen, anfänglich noch nicht auf eine allzu gute Karrierelaufbahn schließen, so änderte sich das mit der Ausbildung bei der Polizei .

    Auf Jahre der Ausbildung folgte ein zweijähriger Kommissar-Lehrgang an der Fachhochschule der Polizei in Bayern. Später schloss sich ein Studium zum Kommissar an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster an. Der erste goldene Stern war geschafft.

    Nach viel Theorie folgte viel Praxis, unter anderem als Leiter bei der Polizeiinspektion Biebelried. Das bedeutet 150 bzw. 300 Kilometer auf der Autobahn A 3: "Da haben wir alles Mögliche gehabt, von 55 Kilo Marihuana im Kofferraum über 10 Kilo Kokain im Armaturenbrett bis zur Maschinenpistole unter der Rücksitzbank", erzählt er aus der täglichen Praxis.

    Tolle hat es in seinem Beruf mit Einsatz und Engagement bis an die Spitze geschafft. Ein Weg, den er auch anderen empfehlen möchte.

    Werbung für den Polizeiberuf

    Ein Ziel verfolgte Tolle an diesem Abend konkret: Schüler für einen möglichen beruflichen Werdegang bei der Bereitschaftspolizei zu begeistern, besonders auch für den Einsatz im IT-Bereich, um dem Feld der Cyberkriminalität zu begegnen und Wirtschaftsverbrecher zu enttarnen. Laut Tolle belegte die Polizei im Rahmen einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes Trendence unter 20 000 Schülern Platz 1 als begehrtester Wunscharbeitgeber, noch vor Adidas und BMW . "Ihr bewerbt euch bei uns", wiederholt er mehrfach in Richtung der im Saal anwesenden Schüler, und es macht ihn auch eindeutig stolz, dass sich seine Tochter für eine Ausbildung bei der Polizei entschieden hat.

    Tolle betont immer wieder, wie wichtig die Nähe zwischen Menschen ist. Er berichtet über den ehemals intensiven Austausch unter Kollegen, "wir waren damals ein verschworener Haufen", so Tolle und das dank intensiver Gespräche im gemeinsamen Streifendienst und beim Fußballspiel. Auch gibt er einen Ausblick bezüglich mehr Bürgernähe. "Die Polizei wird wieder aufs Fahrrad steigen", erläutert er. "Es kann sein, dass auch in Hammelburg demnächst eine Fahrradstreife unterwegs ist", so Tolle. Dann können Polizei und Bürger wieder direkter in Kontakt treten. Bürgernähe und der direkte Dialog sollen im Fokus stehen.

    Für seinen streckenweise ernsten und oft amüsanten Vortrag erntete er im Anschluss viel Applaus.

    Interessant wäre es zu wissen, ob er an diesem Abend bereits einen im Saal anwesenden Schüler oder eine anwesende Schülerin für eine künftige Ausbildung bei der Polizei gewinnen konnte. Jemanden, der in den nächsten Jahren - bürgernah oder im Internet - Recht und Gesetz vertreten und sichern möchte. Und dann Tolles Meinung, dass die Arbeit bei der Polizei die beste sei, die es gibt, teilen würde.

    Jacqueline Vera Edgü-Mihm

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