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    Premich

    Spuren der Wölfin aus der Rhön

    Dieser Wolf tappte am 15. April im Landkreis Bad Kissingen in eine Fotofalle. Foto: privat/ Quelle: Landesamt für Umwelt
    Dieser Wolf tappte am 15. April im Landkreis Bad Kissingen in eine Fotofalle. Foto: privat/ Quelle: Landesamt für Umwelt

    Die Rhön ist eine von vier Regionen in Bayern, in denen inzwischen wieder Wölfe heimisch geworden sind. In Bayern ist das Landesamt für Umwelt (LfU) die zuständige Fachbehörde, wenn es um das große Raubtier geht: Das Landesamt erfasst den Bestand, berät und informiert Betroffene, kümmert sich beispielsweise um Herdenschutzmaßnahmen und ist zuständig für Ausgleichszahlungen. Vor gut einem Jahr hat das LfU die ersten genetischen Wolfsspuren in der Rhön nachgewiesen.

    Sie gehören zu einer Wölfin, die als Jungtier auch schon in Brandenburg genetisch erfasst wurde. "Wir schätzen, dass sie drei bis vier Jahre alt ist", sagt ein Sprecher des Landesamtes auf Nachfrage. Und: "Ihr Verhalten ist aus wildtierbiologischer Sicht unauffällig." Sprich: Die Fähe ist vorsichtig und weicht dem Menschen aus. Bisher sind noch keine Übergriffe auf Nutztiere bekannt. Das LfU klassifiziert die Wölfin inzwischen als standorttreu, weil wiederholt eindeutig zuordenbare Spuren von ihr in der Rhön zu finden waren. Sie halte sich in einem Gebiet im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld auf, das im Süden von Sandberg und im Norden von Oberelsbach begrenzt wird.

    Der Aktionsradius des Tieres ist allerdings größer. Wie groß, lasse sich anhand der vorliegenden Erkenntnisse noch nicht sagen. Die Wölfin ist nicht besendert. Die Behörde ist deshalb auf Nachweise zum Beispiel aus Fotofallen und Losungen (Kothaufen) angewiesen. "Wir brauchen noch mehr Zeit, bis wir das genaue Revier darstellen können", teilt der Sprecher mit. Die Größe eines Wolfsreviers hängt vor allem vom Nahrungsangebot ab. Laut LfU betragen die Reviergrößen in Polen 150 bis 350 Quadratkilometer, ein radiotelemetrisch überwachtes Rudel in der Oberlausitz nutzte etwa 250 Quadratkilometer.

    Meldungen im Landkreis

    Im Landkreis Bad Kissingen hat es dieses Jahr mehrere bestätigte Wolfsmeldungen gegeben: Im April und im Mai tappte jeweils ein Tier in eine Fotofalle, aktuell hat das LfU eine Losung bei Premich als Hinterlassenschaft der bekannten Wölfin bestätigt. Ob auf den Fotos ebenfalls die Fähe zu sehen ist oder andere Wölfe , die eventuell durch das Gebiet zogen, lässt sich laut LfU nicht klären. Bereits nach den ersten Sichtungen vor einem Jahr seien Behörden, Interessensverbände und Vertreter von Nutztierhaltern informiert worden. Bislang habe es mehrere Infoveranstaltungen zum Wolf gegeben, erste Herdenschutzmaßnahmen würden angegangen.

    Im Burkardrother Rathaus war der Fund auf Premicher Gemarkung zwar nicht bekannt, überrascht zeigt sich Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) jedoch nicht. "Ich kann mir gut vorstellen, dass sie auch bei uns im Landkreis auftaucht", sagt er. Bislang habe weder die Verwaltung noch der Gemeinderat Veranlassung gehabt, sich mit dem Thema zu befassen.

    Keine Risse, aber Beunruhigung

    Bei den Landwirten in der Region rufen die Wolfsmeldungen Beunruhigung hervor. "Wir hoffen, dass die Situation bei uns überschaubar bleibt", sagt Georg Scheuring vom Bayerischen Bauern Kreisverband Bad Kissingen. Die Hoffnung der Weidetierhalter sei, dass es langfristig nur einzelne Tiere in der Rhön leben und dass sich kein Rudel gründe. Bislang seien noch keine Risse in Zusammenhang mit dem Wolf bekannt geworden.

    Es gebe noch keine Förderrichtlinie für Herdenschutzmaßnahmen, kritisiert der BBV-Mann. Schutzmaßnahmen wie Zäune und speziell ausgebildete Schutzhunde seien teuer, aufwendig und risikobehaftet. Zwischen Herdenschutzhunden und Wanderern könne es zu Konflikten kommen, befürchtet Scheuring. Die mobilen Knotenzäune wiederum seien nicht zum Schutz für alle Nutztierrassen geeignet. Pferde und Kühe könnten sich "mit den Hufen in den Zäunen verfangen". Während ausgewachsene Tiere wehrhaft sind, sind Fohlen und Kälber auf der Weide dagegen gefährdet. Viele Viehhalter empfänden die Situation als Belastung. "Kein Tierhalter ist scharf auf eine Entschädigung. Sie wollen ihre Tiere unbeschadet halten", sagt Scheuring.

    Benedikt Borst

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