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    Hammelburg

    Stadt Hammelburg: Plattform soll Wirtschaft helfen

    Die Stadt Hammelburg schafft die Möglichkeit, dass Einzelhändler und Gastronomie auf "mainlokalshop.de" Produkte und Gutscheine anbieten können. Die ersten Bestellungen gingen schon nach wenigen Stunden ein.
    Julia Keidel von der Stadtverwaltung präsentiert an einem Touchscreen die Handhabung des neuen Portals. Foto: Ralf Ruppert       -  Julia Keidel von der Stadtverwaltung präsentiert an einem Touchscreen die Handhabung des neuen Portals. Foto: Ralf Ruppert
    Julia Keidel von der Stadtverwaltung präsentiert an einem Touchscreen die Handhabung des neuen Portals. Foto: Ralf Ruppert

    Birgit Kleinböhl führt in dritter Generation das Traditionsgeschäft "Schuh Zoll" direkt am Marktplatz. Fünf Teilzeit-Mitarbeiterinnen hat sie, mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen musste sie alle sofort in Kurzarbeit schicken. Über Aushänge bot sie Schuhe zum Anprobieren daheim an, an ein Online-Portal wagte sie sich bisher alleine nicht. "Mir ist der persönliche Kontakt wichtig, ich sitze so schon oft am Computer." Deshalb sei sie erst einmal skeptisch gewesen, als die Stadt mit einem Online-Shop-Angebot auf sie zukam, aber: "Am Montagabend ging die Seite online, am Dienstagfrüh habe ich die ersten Schuhe online verkauft", ist sie spontan begeistert.

    "Wir fragen uns von Anfang an, was wir für unsere Wirtschaft tun können", berichtet der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ). Ein erster Schritt war vor zwei Wochen, als die Stadt eine Liste mit gastronomischen Betrieben online stellte, die Essen zum Mitnehmen anbieten. "Das wird täglich aktualisiert", berichtet Julia Keidel, die in der Stadtverwaltung arbeitet und Bindeglied zum Verein für Wirtschaft und Stadtmarketing (VWS) ist. 17 Betriebe sind aktuell mit Telefonnummer und zum Teil einem Link auf eigene Angebote aufgelistet. "Das wird sehr gut genutzt", betont Warmuth. Auch wenn das "nur ein Tropen auf den heißen Stein sei", hole auch er sich regelmäßig Essen für sich und seine Familie. Und er sei nicht der einzige: "Einige Angebote sind zum Wochenende sogar ausverkauft", berichtet der Bürgermeister.

    Nun kommt der nächste Schritt: Vor eineinhalb Wochen habe ihm Julia Keidel eine Mail geschrieben und auf Angebote in Lohr und Karlstadt hingewiesen. Er habe nachts gleich geantwortet, am Montag habe es eine Besprechung gegeben und nach nur einer Woche ging das Portal www.mainlokalshop.de am Montagabend mit einer Hammelburg-Seite online.

    Am Mittwochmittag waren bereits rund 250 Produkte von zwölf Hammelburger Betrieben online: vom Gutschein für "Stadtcafé" oder "Wandelbar" über Bocksbeutel vom Winzerkeller bis zu den Schuhen von Schuh Zoll. Bereits angemeldet haben sich "No Fünf", "Libertus Craft Brewing" und der Landgasthof zum Goldenen Kreuz. "Weitere Händler haben angefragt", berichtet Julia Keidel. Das Portal bietet zum einen den üblichen Komfort der großen Online-Shops wie das Bezahlen auf sechs verschiedene Weisen, aber zudem können die Kunden eben mit ihren persönlich bekannten Einzelhändlern Kontakt aufnehmen, zudem sei die Auslieferung im Umkreis von 10 Kilometern kostenfrei.

    "Die Kosten von rund 2000 Euro für die Einrichtung hat die Stadt übernommen, für die Betriebe ist das kostenlos", berichtet Armin Warmuth . Der Bürgermeister sieht das Portal vorerst als Werkzeug in der Corona-Krise. "Nach der Krise müssen wir dann entscheiden , wie es weitergeht."

    "Wir wissen den Einsatz der Stadt sehr zu schätzen", kommentiert Andrea Römer das Portal. Die Einzelhändlerin ist stellvertretende Vorsitzende des VWS mit 125 Mitgliedern. Auch die Mitarbeiterinnen ihres Raumausstattungsgeschäftes musste sie in Kurzarbeit schicken, ihr Man arbeite aktuell noch alte Aufträge ab. Es gebe auch noch einzelne Anfragen, geschlossen sei ja nur der Laden, Handwerker dürften weiterarbeiten. "Kontaktieren sie die Betriebe und loten aus, was machbar ist", rät Andrea Römer deshalb den Kunden .

    Entstanden ist das Portal aus dem Projekt www.dorfzeile.de von Christian Roßmann und Sebastian Tröster. Seit Anfang 2018 vertreiben sie darüber eigentlich regionale Erzeugnisse. "Das wächst und gedeiht, es kommen immer mehr Erzeuger dazu", sagt Roßmann übers Kerngeschäft. Mit Beginn der Corona-Krise sei dann die Stadt Lohr auf sie zugekommen. Innerhalb weniger Tage hätten sie den neuen Online-Shop entwickelt. Mehr als 300 Bestellungen habe es bereits gegeben, viele Kunden würden sich freuen, dass sie ihren bekannten Einzelhändler unterstützen können.

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    Ralf Ruppert

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