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    Bad Kissingen

    Stadt im Glück: Wie der Krieg für Bad Kissingen zu Ende ging

    Das Ende des zweiten Weltkriegs liegt jetzt genau 75 Jahre zurück. In der Kurstadt und ihrer Umgebung fielen sogar schon einen Monat früher die letzten Schüsse.
    Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner wurde die Ludwigsbrücke mit Fliegerbomben gesprengt.
    Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner wurde die Ludwigsbrücke mit Fliegerbomben gesprengt. Foto: Stadtarchiv Bad Kissingen/Sammlung Josef Bötsch

    Seit die Menschen in Deutschland mit den staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zurecht kommen müssen, ordnen sie die damit verbundenen Einschnitte immer wieder mal als die tiefsten seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Dass das übertrieben ist, macht der Blick zurück sehr schnell deutlich. Bad Kissingen kam zwar seinerzeit mit ein paar Schrammen vergleichsweise glücklich davon. Doch die Folgen waren auch in dem einstigen Weltbad noch lange zu spüren.

    Der Blick zurück auf die Ereignisse jener Zeit drängt sich in diesen Tagen geradezu auf. In Europa ging der Zweite Weltkrieg vor 75 Jahren zu Ende. Unterschrieben wurde die deutsche Kapitulation in der Nacht zum 7. Mai 1945, in Kraft trat sie am 8. Mai. In Bad Kissingen war da der Krieg allerdings de facto bereits einen Monat zu Ende.

    Ende März 1945 zum Kampfgebiet erklärt

    Wie das Haus der bayerischen Geschichte in seinem Atlas zum Wiederaufbau schreibt, war die Stadt Ende März 1945 zwar zum Kampfgebiet erklärt worden. Es seien auch Panzersperren errichtet und Sprengladungen an der Ludwigsbrücke angebracht worden. Anfang April sei Bad Kissingen zwar einem Tieffliegerangriff ausgesetzt gewesen, so das Haus der bayerischen Geschichte. Doch der habe nur geringfügige Schäden am Bahnhof und am Schlachthof hinterlassen. Todesopfer habe es nicht gegeben.

    In der Stadt waren nach Angaben des Hauses der bayerischen Geschichte etwa 3000 Verwundete untergebracht. Dazu kamen nach anderen Quellen 4000 Kinder aus evakuierten Städten. Weil man sich vor diesem Hintergrund für Bad Kissingen um den Status einer Lazarettstadt bemüht habe, seien am 4. April zunächst sämtliche Verteidigungsvorbereitungen eingestellt worden. Darüber hinaus sei die Stadt mit Rot-Kreuz-Flaggen gekennzeichnet worden.

    Dieses Bild entstand in der Zeit des Wiederaufbaus der Ludwigsbrücke (siehe die Bögen rechts). Ein Holzsteg (links im Bild) diente der Bevölkerung als Provisorium.
    Dieses Bild entstand in der Zeit des Wiederaufbaus der Ludwigsbrücke (siehe die Bögen rechts). Ein Holzsteg (links im Bild) diente der Bevölkerung als Provisorium. Foto: Story of Spa 1946

    Am Morgen des 7. April von deutschen Einheiten gesprengt

    Dennoch hätten deutsche Einheiten am 7. April die Ludwigsbrücke gesprengt. Manche Berichte späterer Jahrzehnte haben dieses Ereignis einen Tag vorverlegt. Verlässliche Zeitzeugen besagen aber eindeutig: Es geschah am Morgen des 7. April, das war der Samstag nach Ostern. Bereits wenige Stunden nach der militärisch sinnlosen Sprengung, die zu allem Überfluss durch einen Steinbrocken ein Loch in das Dach des Regentenbaus schlug, wurde die Stadt kampflos an US-Truppen übergeben.

    Die Tage danach beschreibt der Zeitzeuge Ernst-Günther Krenig in den zum 1200-Jahr-Jubiläum Kissingens 2001 erschienenen Facetten einer Stadtgeschichte so: Zwar hätten "umfangreiche Ausgangsbeschränkungen" gegolten, doch "immerhin konnten am Sonntag die Gläubigen ihre Gottesdienste besuchen". Im Rathaus habe eine Militärregierung amtiert. Viele Gebäude von Behörden oder Institutionen waren für Deutsche gesperrt. Am Rathaus, berichtet Krenig weiter, "stapelten sich die laut Befehl abzuliefernden Waffen und die dazu gehörende Munition, die einige Tage später durch Unachtsamkeit in die Luft flog."

    Wiederaufbau der Ludwigsbrücke im November 46 abgeschlossen

    Neben dem Schweizerhaussteg, der erhalten geblieben war, hätten amerikanische Pioniere sofort mit dem Bau einer Notbrücke begonnen. Sie diente vor allem dazu "das schwere Kriegsgerät" auf die andere Saaleseite zu bringen. Diese Notbrücke, berichtet Krenig weiter, versah ihren Dienst bis der noch im Sommer 1945 begonnene Wiederaufbau der Ludwigsbrücke im November 1946 abgeschlossen war.

    Nicht nur Krenigs Beschreibung der Ereignisse unterstreicht, "dass sich für Bad Kissingen das Ende des Kampfes unter denkbar guten Umständen vollzog". Andere Orte und ihre Einwohner hatten nicht so viel Glück. An schlimmsten traf es im Landkreis Bad Kissingen Steinach.

    Im sogenannten Kampf um Steinach, einem aussichtslosen Panzer- und Artilleriegefecht gegen starke US-Truppen der 5. US-Panzerdivision, wurden vom 6. bis zum 8. April 1945 über 75 Prozent der Häuser und Gehöfte in dem Ort durch Spreng- und Brandgranaten zerstört oder beschädigt. 296 Einwohner waren infolge der Kampfhandlungen obdachlos geworden. 85 der 784 Steinacher seien tot gewesen oder vermisst worden. Die Pfarrei Steinach, zu der außerdem noch Roth, Nickersfelden und Hohn gehörten, hatte nach den drei Tagen des Kampfes insgesamt sogar 141 Tote zu beklagen.

    Die Entscheidung fiel im Landkreis fast überall zwischen 6. und 9. April

    In jenen Tagen nahm die US-Armee auch weitere Orte im heutigen Landkreis Bad Kissingen ein: Hammelburg am 6. April, Oerlenbach am 7., Rottershausen mit seiner Muna am 8. April. Für Bad Brückenau und Münnerstadt steht ebenfalls der 8. April als Tag der Übernahme in der Chronik. Maßbach und der Rest des Lauertals folgten am 9. April. Danach hatten die Menschen im Landkreis Bad Kissingen den Weltkrieg überstanden.

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