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    Bad Kissingen

    Starkes Votum für Biene und Co: So hat der Kreis Bad Kissingen zum Volksbegehren abgestimmt

    Grafik: Micho Haller
    Grafik: Micho Haller

    Ernüchterung bei Landwirten und Bauernverband, Freude bei den Umweltschützern: Das Volksbegehren "Rettet die Bienen " hat deutlich die erforderliche Zehn-Prozent-Hürde genommen - auch in den meisten Kommunen im Landkreis Bad Kissingen : In 21 von 26 Gemeinden hat mehr als jeder zehnte unterschrieben, in der Gemeinde Sulzthal war es sogar jeder vierte. 13 080 Unterschriften bei 83 251 Wahlberechtigten bedeuten eine Zustimmung von 15,7 Prozent.

    "Einfach toll, dieses Ergebnis, ein Erfolg, der sicher auch über Bayern hinaus Wirkung zeigen wird", freut sich Franz Zang, der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutzes, und: "Es ist äußerst ermutigend für unsere Arbeit, dass so viele Menschen sich für dieses Thema auf den Weg in die Rathäuser gemacht haben." Zang lobt auch die Arbeit der vielen Helfer: In Nüdlingen etwa sei Fruchtkonfitüre mit der Aufschrift "Marmelade - nur mit Bienen " verteilt worden. Die Helfer seien an den Ständen meistens auf offene Ohren gestoßen: "Wir sind alle sehr zuversichtlich, dass dieses Thema in der Mehrheit der Bevölkerung angekommen ist."

    "Die Bürger sind weiter als mancher Politiker", sagt der Burkardrother Bürgermeister und ödp-Kreisvorsitzende Waldemar Bug , und: "Die Menschen müssen etwas für den Fortbestand der Natur tun." Die Gegner hätten den Bogen vielleicht überspannt, meint Bug, betont aber auch, dass sich der Gesetzentwurf nicht gegen die Landwirte richte. Im Gegenteil ist Bug der Meinung, dass es gerade der kleinteiligen Landwirtschaft in der Region nutze. Bug rechnet nun mit einem Gegen-Entwurf der Staatsregierung.

    Als "billigen Ablass-Handel" sieht dagegen Georg Scheuring vom Bayerischen Bauernverband das Ergebnis: Viele Menschen wollten die Konsequenzen für ihren eigenen unverantwortlichen Lebensstil auf die Bauern abwälzen. "Es ist schon viel gemacht worden", betont Scheuring. Obwohl er selbst seinen Betrieb ökologisch bewirtschaftet, sieht er auch im Öko-Landbau nicht die alleinige Lösung. Aus Scheurings Sicht war der Slogan "Rettet die Bienen " sehr geschickt gewählt, und viele Bürger hätten sich nicht weiter informiert. Der Bauernverband werde deshalb auf alle Fälle bei einem Volksentscheid einen erhofften Gegen-Entwurf der Staatsregierung unterstützen.

    Der Kreisobmann des Bauernverbandes, Edgar Thomas aus Nüdlingen, gehört ebenfalls zu den Kritikern des Volksbegehrens. Seiner Meinung nach ist es zu unausgewogen. Dennoch beglückwünscht er die Initiatoren zu dem Erfolg. "Jetzt kommt es darauf an, was die Landesregierung draus macht", hofft auch er auf einen Gegenvorschlag. Die ganze Gesellschaft sei gefordert, sich für Artenerhalt und Naturschutz zu engagieren, nicht nur die Landwirte.

    "Es hat sich gezeigt, dass es den Leuten ein Anliegen ist. Ich bin froh, dass das jetzt gesetzgeberisch angepackt wird", sagt Gotthard Schlereth (CSU/FWG), Bürgermeister von Oberthulba und Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages. Von dem Volksbegehren gehe ein Signal an ganz Deutschland aus. Jetzt komme es darauf an, dass die Politik es gut umsetze - und zwar mit den Landwirten. Die Bauern dürfe man nicht an den Pranger stellen. Für den Landkreis ist er da guter Dinge. "Das Volksbegehren passt gut zu unserer Landkreis-Aktion Grüngitter", betont er. Bei dem Naturschutzprojekt sollen auf 734 Quadratkilometern neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen werden.

    "Die Demokratie lebt"

    "Die Demokratie lebt", kommentiert die Grünen-Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann das Ergebnis. Anfangs sei sie skeptisch gewesen, "ob wir im Winter die Leute dazu bewegen, in die Rathäuser zu gehen". Aber die Erfahrungen an den Info-Ständen habe sie schnell umgestimmt: Da hätten selbst ältere Landwirte davon berichtet, dass viele Insekten- und Vogelarten plötzlich verschwunden sind. Immer mehr Menschen seien der Meinung, dass Freiwilligkeit alleine nicht reiche. Trotzdem geht es Rottmann nicht um möglichst viel staatlichen Eingriff: "Wenn wir rechtzeitig ernsthafte Politik machen, können wir auf Verbote verzichten." Deshalb hoffe sie jetzt auf einen weitreichenden Gesetzesentwurf der Staatsregierung.

    Die Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften berichten von einem ruhigen Ablauf des Volksbegehrens: Insgesamt elf Veranstaltungen waren in den 26 Kommunen angemeldet, alle von Befürwortern. Die überwiegende Zahl der Wahlberechtigten habe sich in ihrer Heimatgemeinde eingetragen, nur insgesamt 28 nutzten die Möglichkeit, bei einer anderen Kommune zu unterschreiben. Die meisten davon, nämlich 17, trugen sich bei der Stadt Bad Kissingen in die Listen ein, in Bad Brückenau waren es vier Ortsfremde, in Oberthulba, Hammelburg, Münnerstadt, Burkardroth, Wildflecken, Elfershausen und Fuchsstadt jeweils einer.

    Ralf Ruppert, Benedikt Borst

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