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    Wildflecken

    Steel Darts hat auch in der Rhön viele Freunde

    Die Steel-Darts-Weltmeisterschaft im legendären Alexandra Palace ("Ally Pally") in London hat auch in der Rhön besonders die jungen Zuschauer an den Fernsehbildschirmen gefesselt. Nicht zuletzt die weltweit bekannte Darts-Legende Phil Taylor (57) hat den kultigen Geschicklichkeitssport über Jahrzehnte hinweg immer wieder revolutioniert, noch publikumswirksamer gemacht und von einer reinen Kneipenbeschäftigung zu einem hoch profitablen Profisport weiterentwickelt. Doch für den 16-maligen Weltmeister Taylor ist die sensationelle sportliche Profi-Karriere mit Beginn des neuen Jahres beendet. Im extrem einseitigen Endspiel am Neujahrsabend konnte der erfolgreichste Spieler der Steel Darts-Geschichte an seine einstmals so herausragenden Leistungen nicht mehr anknüpfen. Der neue Weltmeister und Shootingstar des Dartsports heißt Rob Cross (27). Der WM-Debütant aus Großbritannien setzte sich mit einer Gala-Vorstellung im Endspiel überdeutlich 7:2 gegen die chancenlose Legende Taylor durch. Der machte im Interview deutlich, dass er nicht mehr die Energie und das Interesse habe, einen so fokussierten und talentierten jungen Darts-Sportler wie Cross zu bezwingen. Die Trauer über die sportliche Demontage hielt sich jedoch in Grenzen: Taylor ist schon längst Millionär durch den Profi-Sport geworden.


    Teamgeist, Geselligkeit und Spaß

    Von möglichen Millionengewinnen können die Wildfleckener Steel Darts-Sportler allerdings nur träumen. Für sie geht es in erster Linie um Teamgeist, Geselligkeit und Spaß an der Präzisionssportart, die eine Menge Konzentration und Koordination einfordert. Steffen Wiegand und Heiko Janke haben im Sommer vergangenen Jahres die Sportabteilung Dart im SV Wildflecken gegründet. Mit elf aktiven Sportlern wurde im Herbst der Spielbetrieb im Steel Darts aufgenommen. Einige aus der Mannschaft sind seit Jahren im Elektronik-Darts sogar bundesweit aktiv unterwegs. "Derzeit befindet sich unsere DC Magics Wildflecken-Mannschaft in der Unterfrankenliga 2. Geplant ist, mit einem zweiten Team ab Mitte 2018 ins Rennen zu gehen", erklärt Abteilungsleiter Steffen Wiegand. Läuft alles nach Plan, werden noch in diesem Jahr rund 18 aktive Spieler im Rundenbetrieb unterwegs sein. Längst hat das Darts-Fieber auch den Landkreis Bad Kissingen erfasst. In der Unterfrankenliga 2 starten zum Beispiel auch die SpVgg Haard und die DJK Weichtungen. Die Wildfleckener allerdings haben den besten Start in die Saison erwischt und in vier Begegnungen gleich vier Siege eingeheimst.

    "Jeder, der mit dem Dart anfängt, beginnt eigentlich zu Hause mit der Variante Steel Darts", macht Steffen Wiegand klar. Dennoch war bislang die elektronische Variante auf den Spielautomaten weiter verbreitet. "Nun merken wir aber gerade beim Steel Darts den Boom", sagt der Wildfleckener Kapitän Heiko Janke. "In den letzten beiden Jahren hat sich die Zahl der Mannschaften in der Region verdoppelt", so Janke. Allzu groß sind zumindest die regeltechnischen Unterschiede zwischen der elektronischen Automatenvariante und dem klassischen Steel Darts nicht. "Das Grundprinzip in den Wettkämpfen ist es, möglichst schnell von 501 Punkten auf Null zu kommen", erklärt Janke.
    Wie man das am geschicktesten anstellt, ist jedem Sportler selbst überlassen, nur am Ende muss mit einem Wurf in ein doppelt zählendes Feld abgeschlossen werden, was die Experten als "Double out" bezeichnen. Präzision ist gefragt, denn der finale Wurf muss ganz genau auf Null herunterzählen. Trifft man zu viele Punkte mit dem letzten Wurf, dann ist der Abschluss missglückt und der Gegner kann möglicherweise aufholen. Auch wenn das Interesse am Steel Darts immer größer wird, so laufen auch in Wildflecken im Magics die elektronische und die analoge Variante quasi parallel weiter. "Noch ist der elektronische Dartsport wesentlich größer. Dazu haben die Automatenhersteller ihren Teil beigetragen", macht Wiegand deutlich.

    Das neue Team im SV Wildflecken hat weit über die Grenzen der Marktgemeinde hinaus eine enorme Anziehungskraft. Zum Training, das Mittwoch bis Freitag ab 20 Uhr im Magics stattfindet, kommen Sportler aus Schweinfurt, Mellrichstadt, Bad Kissingen, Speicherz, Kothen, Motten, Premich, Salz, Bad Neustadt und eben aus den drei Ortsteilen der Marktgemeinde selbst.
    Um überhaupt ein Team in den Rundenbetrieb schicken zu können, braucht man mindestes vier aktive Sportler und eine geprüfte Sportstätte, die den Anforderungen des Verbandes an Beleuchtung, Technik und Abstandsflächen entspricht. Um sämtliche Auflagen zu erfüllen, musste Steffen Wiegand zunächst einmal ordentlich in die Steel-Darts-Anlage investieren. Jetzt aber sind die Wildfleckener stolz auf ihre neue Errungenschaft.


    Applaus auch vom Gegner

    Beim Steel Darts zieht sich eine Saison komplett über ein ganzes Jahr. Acht Mannschaften kämpfen in einer Liga um die Meisterschaft. Wildfleckens Kapitän Heiko Janke führt die Spieler-Rangliste in der Unterfrankenliga 2 derzeit an. Doch trotz sportlichen Ehrgeizes wird beim Darten die Fairness besonders groß geschrieben. "Applaus gibt es auch vom Gegner", sagt Janke. "Gute Leistungen werden von beiden Seiten gleichermaßen anerkannt", pflichtet Steffen Wiegand bei. "Die Freude am Spiel und der Teamgeist stehen im Vordergrund. Man freut sich auch, wenn man gegen stärkere Mannschaften antritt", so Wiegand. "Dart ist ein kontaktloser Sport. Daher kommen erst gar keine körperlichen Aggressionen auf. Es gibt auch keine verfeindeten Mannschaften oder Fanlager, wie das beim Fußball vielleicht der Fall ist. Es gibt keine Aggressivität in dieser Sportart", sagt Kapitän Janke strahlend. Auch das könne ein Grund dafür sein, dass sich die Jugend immer mehr für diese Sportart begeistern kann.

    Nun hoffen die Wildfleckener Darts-Sportler, dass der Boom mehr als nur eine Eintagsfliege ist und die Sportart weiter an Publikumsinteresse gewinnt. "Wir sind uns schon bewusst, dass es noch eine Randsportart ist. Aber sie ist für Sportler jeder Altersgruppe geeignet. Auch Rollstuhlfahrer sind beim Dart zum Beispiel bestens integriert", so Janke. Sebastian Schmitt

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