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    Hammelburg

    Stimmgewaltig und ergreifend

    Am ersten Weihnachtsfeiertag erklang die Nikolai-Messe mit Solisten, Chor und Orchester in der Stadtpfarrkirche.
    Blick von der Empore in die Stadtpfarrkirche
    Blick von der Empore in die Stadtpfarrkirche

    bianca volkertHammelburg In diesem Jahr erwartete die Kirchenbesucher zum Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag die Missa Sancti Nicolai in G von Joseph Haydn (1732 - 1809). Unter der Leitung von Kantor Dieter Blum, Kirchenchor Hammelburg mit Solisten und Musikern wurde dieser festlich ausgestaltet. Diese Sechsviertel-Messe in G-Dur hat einen pastoralen Charakter, da sie für die Adventszeit komponiert wurde. Wahrhaft festlich erklang das Kyrie zur Eröffnung der Messe im Allegretto. "Kyrie eleison - Herr erbarme dich", wurde von den Solisten und dem Chor im Wechsel gesungen. Es folgte ein lebhaftes "Gloria in excelsis Deo".

    Überzeugend

    In der Geschichte von der Geburt Jesu wird erzählt, dass die Engel, nachdem sie die Hirten auf dem Feld die Nachricht vom neugeborenen Kind ausgerichtet haben, Gott gemeinsam verherrlichen. Der Kirchenchor setzte sehr kräftig ein. Ab Takt 36 überzeugte die Sopranistin sehr intonationssicher bis zum Takt 75, in welchem der Tenor das "Qui tolis" einleitete. Der Chor begann im Bass mit einem Forte und steigerte sich langsam zu einem Fortissimo mit abschließendem Crescendo. Gesanglich absolut überzeugend, ging der Chor in das "Quoniam tu solus Sanctus" über, und bei der Fuge ab Takt 108 erfüllte ein gewaltiges "Amen", welches von den verschiedenen Stimmen zeitlich versetzt wiederholt wurde, die Kirche. Credo in unum Deum (lat. Ich glaube) ist einer der Hauptbestandteile des christlichen Gottesdienstes und stellt das gemeinsame Glaubensbekenntnis der versammelten Gemeinde da. Der Chor eröffnete das Glaubensbekenntnis, und ab Takt 29 besangen die Solisten "Et in carnatus est - Und er hat Fleisch angenommen". Äußerst gefühlvoll konnten die vier Solisten mit ihren Stimmen überzeugen. Der Schlussteil, "Et resurrexit tertia die - Und ist auferstanden am dritten Tage", wurde freudig, im sehr gut abgesetzten Stakkato, vom Chor besungen. Gefühlvoll und tragend eröffneten die Streicher das "Sanctus - Heilig, heilig" in dessen Anschluss der Chor nach einer gut wahrnehmbar gespielten Sechstole einsetzte.

    Der Bass geleitete den Chor zum triumphalen "Pleni sunt coeli - Himmel und Erde sind erfüllt". Moderat geführt von den Streichern, eröffnete das "Benedictus - Hochgelobt sei, der da kommt". Mit Einsetzen der Bläser und der Solisten erschallte der Lobgesang. Da konnten die vier Solisten erneut eindrucksvoll ihr Können beweisen. Selten hörte man so einen klaren Sopran.

    Dramatisch und klangvoll

    Sopranistin Karin Küsswetter zeigte mit einer beeindruckenden Stimmgewalt in der höchsten menschlichen Stimmlage ihr Leistungsvermögen. Auch der Chor wurde beim "Hosanna" in der sehr hohen Stimmlage gefordert. Die gewisse Dramatik brachte der Chor gesanglich ins "Agnus Dei - Lamm Gottes" ein. Der Chor eröffnete klangvoll und schaffte es auch im langsamen Teil, die Töne zu halten und vermied somit ein Absinken des Klangs.

    Das abschließende "Dona nobis pacem - Gib uns Frieden" forderte nochmals alle Teilnehmer solistisch, chorisch und musikalisch zum melodisch harmonischen Abschluss der Missa. Haydn schrieb die Messe in großer Eile und verwendete verschiedene Kurzformen. So hat das "Dona nobis pacem" die gleiche Musik wie das Kyrie und doch zwei unterschiedliche Charaktere. Ein absolutes Muss ist die Aufführung des "Transeamus usque Bethlehem - Fürchtet euch nicht!" von Joseph Schnabel (1767-1831) in der Bearbeitung von Josef Gruber. Die Einleitung des Transeamus, beeindruckend weich gesungen von Bass Hieronimi David, begann gefühlvoll und kräftig.

    Der Chor steigerte sich im "Gloria in excelsis Deo - Ehre sei Gott in der Höhe". Bässe und Tenöre beschlossen gemeinsam den prächtigen Jubelgesang der freudigen Weihnachtsbotschaft.

    Bis vor wenigen Jahren hatte die Aufführung noch ein Gesicht, als die Mitwirkenden mit den Kirchenbesuchern auf Augenhöhe am Altar präsent waren. Das Gefühl vom gegenseitigen Mitnehmen und Mitgeben und den Emotionen ist nicht mehr sichtbar. Die Darbietung der Missa wurde zu einer gelungenen Aufführung. Die Solisten überzeugten mit ihren Stimmen. Aus dem Würzburger Mainfranken Theater konnten Hiroe Ito (Mezzosopran), Denk-Young Lee als Tenor und David Hieronimi mit seinem tiefen Bass überzeugen. Zwei Tage vor Konzertbeginn bekam Kantor Dieter Blum die Absage der eigentlich vorgesehenen Sopranistin aus gesundheitlichen Gründen. Sicher ist es dem Ruf, welcher Kantor Dieter Blum für seinen Perfektionismus vorauseilt, zu verdanken, dass so kurzfristig hochwertiger Ersatz in Form von Karin Küsswetter, die spontan zusagte, gefunden wurde. Die überragende Leistung von der Sopran-Stimme Karin Küsswetters ist nicht hoch genug zu bewerten. Ihre außergewöhnliche Beweglichkeit, vor allen im hohen Register, zeichnet sie als Koloratursopran aus. Das Orchester, hauptsächlich im hessischen Raum präsent, kommt auch an der Frankfurter Oper zum Einsatz. Verstärkt wurde das Orchester durch den Hammelburger Oboisten Andreas Strehle.

    Bianca Volkert

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