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    Bad Kissingen

    SUV-Zulassungen im Kreis Bad Kissingen: Höher, breiter, schmutziger

    SUVs sind auch bei Fahrern in Bad Kissingen schwer gefragt. Die Zahl der Zulassungen steigt.Benedikt Borst
    SUVs sind auch bei Fahrern in Bad Kissingen schwer gefragt. Die Zahl der Zulassungen steigt.Benedikt Borst

    An SUVs scheiden sich die Geister: Für die Automobilbranche sind die geländetauglichen Fahrzeuge ein super Geschäft, die Fahrer schätzen sie als Statussymbole, die mit Sicherheit und Komfort punkten. Kritiker sehen in den großmotorigen Wagen einen Ausdruck des Übermaßes, der Umweltverschmutzung und der Ressourcenverschwendung.

    Sicher ist jedenfalls, dass die Sports Utility Vehicle seit Jahren beim Kunden gefragt sind, gerade im Bereich Neuwagen. Laut Kraftfahrtbundesamt war 2018 beinahe jede fünfte Neuzulassung für einen SUV. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete das Segment einen Zuwachs von 20,8 Prozent, so viel wie keine andere Autoklasse. Es sind also immer mehr SUVs auf deutschen Straßen unterwegs. Nach Auskunft der Unteren Verkehrsbehörde sind im Landkreis Bad Kissingen heute fast doppelt so viele SUVs zugelassen wie vor sechs Jahren (siehe Statistik am Textende). Wie Melanie Hofmann, Pressesprecherin am Landratsamt, erklärt, lässt sich der Zuwachs bei den Geländefahrzeugen auf die beliebten SUVs zurückzuführen.

    Image als Verkaufsargument

    Beim Autohaus Götz in Reiterswiesen sorgen die SUVs für einen beträchtlichen Teil des Umsatzes. Jeder vierte Neuwagen, der einen Abnehmer findet, ist ein Nissan Qashqai, schätzt Verkäuferin Lydia Albert. Allein in Bezug auf die Marke Nissan ist die Quote noch höher: Das sind zwei von drei verkauften Neuwagen Qashqais. Das Autohaus hat viel ältere Kundschaft. Und die schätzen die Vorteile des SUVs. "Unsere Kunden möchten einen hohen Einstieg haben, viel Platz, einen großen Kofferraum und keine harte Federung", zählt sie die Verkaufsargumente auf. Ein SUV sei nicht nur das ideale Fahrzeug im Alter, sondern habe auch kein Image als Senioren- oder Familienkutsche. "Ein SUV ist schon ein Statement", sagt Albert.

    Bürgermeister Thomas Leiner aus Garitz hat sich vor fünf Jahren aus gesundheitlichen und familiären Gründen für einen SUV von BMW entschieden. "Ich habe eine künstliche Hüfte und Probleme beim Ein- und Aussteigen in tiefere Fahrzeuge", erzählt er. Damit er und seine Frau sich außerdem leichter tun, die Enkelkinder in die Kindersitze auf der Rückbank zu heben, fiel die Wahl auf eine der Geländelimousinen.

    Grundsätzlich lege er in Sachen Fortbewegung Wert auf ökologische Aspekte und lässt seinen Wagen zugunsten des Stadtbusses stehen, wenn es möglich ist. "Ich würde mir wünschen, dass der ÖPNV noch ausgebaut wird", sagt Leiner. Bei seiner Kaufentscheidung habe er ökologische Aspekte nicht ganz vernachlässigt und die kleinste und spritsparendste Motorisierung gewählt. Im Vergleich zum Spritverbrauch den sein Wagen davor hatte, komme er jetzt deutlich besser weg.

    Emissionen im Verkehr steigen

    Die Deutsche Energie-Agentur (dena) kritisiert in ihrem letzten Monitoringbericht (2017), dass der durchschnittliche -Ausstoß aller neuzugelassenen Fahrzeuge angestiegen ist. "Grund dafür ist, dass verbrauchstarke SUVs und Fahrzeuge der oberen Mittelklasse immer beliebter werden - während sich emissionsärmere PKW [...] schlechter verkaufen", urteilt die Agentur in einer Pressemitteilung. Dieser Trend trifft auf eine insgesamt steigende Verkehrsbelastung. Laut Umweltbundesamt führt das dazu, dass der Verkehr in Deutschland mehr Treibhausgase ausstößt als vor 20 Jahren, was den Zielen der Bundesregierung im Kyoto-Protokoll widerspricht.

    Frederik Dürr (13) ist Schülersprecher am Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium und hat sich bei die Klima-Demo vor kurzem in Münnerstadt engagiert. SUVs sind in seinen Augen verschwenderisch. "Es sollte doch kein Problem sein, einen Kleinwagen zu fahren. Ich denke, dass sie für die Fahrer vor allem Statussymbole sind", sagt er. Symbole, die viel Sprit und Parkraum verbrauchen.

    Dass die Autos allgemein größer werden, führt dazu, dass es auf Straßen und Parkplätzen enger zugeht. Als die Stadt Bad Kissingen den zentralen Wahlerbräu-Parkplatz neugestaltet hat, wurden die Stellflächen entsprechend verbreitert, gleichzeitig fielen Plätze weg. Ansonsten sind aktuell keine Ummarkierungen geplant, heißt es aus der Stadtplanung. Ähnlich sehen es die Stadtwerke als Betreiber der Parkhäuser Zentrum und Theater. In den mehr als 20 Jahre alten Parkhäusern gehe es zwar mitunter eng zu, das sei aber bekannt. "Eine Verbreiterung der Parkplätze ist derzeit nicht vorgesehen und würde, abgesehen von den damit verbundenen Kosten, vorrangig zu Lasten der insgesamt verfügbaren Stellplätze gehen", begründet das Unternehmen auf Anfrage.

    Entwicklung des Fahrzeugbestandes im Landkreis

    Allgemein Laut Unterer Straßenverkehrsbehörde ist die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im Landkreis in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, von 97 507 im Jahr 2013 auf 107 712 Fahrzeuge im Jahr 2018.

    Privat-Pkw Fahrzeuge, die für die private Personenbeförderung (von Smart bis Van) zugelassen sind, machten 2013 einen Anteil von 28,5 Prozent aus (27 811 Fahrzeuge). Bis 2018 stieg die Zahl auf 48 112 Fahrzeuge (Anteil: 44,7 Prozent).

    SUVs 2013 gab es im Landkreis 862 für die private Personenbeförderung zugelassene Geländewagen (Gesamtanteil: 0,9 Prozent). Der Großteil sind SUVs. Der Bestand hat sich nahezu verdoppelt auf 1503 Fahrzeuge (Gesamtanteil: 1,4 Prozent) im Jahr 2018.

    Benedikt Borst

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