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    Waldfenster

    Tatkräftig in Sachen Fußball beim TSV Waldfenster

    Egbert Schmitt und Hilmar Albert (von links) sind heute noch große Anhänger des TSV Waldfenster. Mit Fanschal haben sie sich zum Foto auf dem Sportplatz positioniert. Am Bau dessen sowie des Sportheims im Hintergrund waren beide maßgeblich beteiligt. Foto: Alexander Pfülb
    Egbert Schmitt und Hilmar Albert (von links) sind heute noch große Anhänger des TSV Waldfenster. Mit Fanschal haben sie sich zum Foto auf dem Sportplatz positioniert. Am Bau dessen sowie des Sportheims im Hintergrund waren beide maßgeblich beteiligt. Foto: Alexander Pfülb

    Stundenlang könnte man den beiden Urgesteinen des TSV Waldfenster zuhören, wenn sie über die Anfangszeiten des Fußballs in der Rhöngemeinde erzählen. Von irrwitzigen Fahrten zu Auswärtsspielen, von Ohrfeigen, die es für Tore gegeben hat, und von der Liebe zum Sport und für einen Verein, dem sie nun 70 Jahre angehören. Egbert Schmitt (85) und Hilmar Albert (88) sind die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder des TSV Waldfenster , der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert.

    Gerne möchte man den jugendlichen Sportlern heute sagen, sich diese Geschichten genau anzuhören. Schmitt und Albert berichten aus einer Zeit, als Duschen geschweige denn Sportheime ebenso rar waren wie Übungseinheiten mit einem oder gar zwei Trainern, als alles selbstverständlich war - vom Trikotwaschen bis hin zu einem genormten Fußballfeld. Irgendwann in den Wirren der Nachkriegsjahre entstand in Waldfenster - wie in vielen Nachbarorten - die Idee, eine Anlaufstelle für Sportler zu schaffen. Zur damaligen Zeit bedeutete dies: Fußball. So trafen sich am 15. August 1949 einige Begeisterte, um im Gasthaus "Zum grünen Tal" den TSV zu gründen. Darunter eben auch Egbert Schmitt und Hilmar Albert.

    Spielfeld war 30 Meter breit

    "Aus dieser Gruppe lebt leider, außer uns, keiner mehr", erklärte Albert. Aber trotzdem ist bei beiden immer noch das Funkeln in den Augen, wenn sie von den Anfangsjahren berichten. Das erste offizielle Verbandsspiel, erzählt Schmitt, sei ein Auswärtsspiel in Steinach gewesen. Es endete mit einer krachenden 0:15-Niederlage. Auch die Anreise zu den Spielen sei oftmals aufregend gewesen: "Da es im Dorf nur ganz wenige Autos gab, sind wir meistens mit Mopeds oder mit dem Fahrrad gefahren - einer auf der Gabel, einer fuhr, und der Dritte saß auf dem Gepäckträger", so Hilmar Albert, der auch einer der ersten Vorsitzenden des Vereins war. Er, Schmitt und andere aus dem Verein legten aus eigener Tasche 300 Mark obendrauf, als der erste Sportplatz in Waldfenster vergrößert werden und dem Besitzer des Nachbargrundes einige Meter abgekauft werden mussten. In Zeiten, in denen vom Fußballverband alles bis ins Kleinste reguliert wird, eine Undenkbarkeit, dass das Spielfeld wie seinerzeit nur 30 Meter breit war. "Die Außenlinie war gleichzeitig Grundstücksgrenze", so Albert. Gewaschen wurde sich dann im damaligen Vereinsheim - der Gaststätte "Zum grünen Tal". Duschen gab es nicht, daher stellte der Wirt einen Waschkübel in den Raum.

    Angepackt

    Schmitt und Albert waren dann auch maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass in den 1970er Jahren ein neuer, den Regularien entsprechender Sportplatz am Lautsbach sowie etwas später das Sportheim gebaut wurde. Da beide handwerkliche Berufe ausübten, sei es natürlich eine Selbstverständlichkeit gewesen, tatkräftig mit anzupacken.

    Schmitts Liebe zum TSV ging sogar so weit, dass er - vermutlich in einem der dunkelsten Kapitel des TSV - im Alter von knapp 80 Jahren von Haus zu Haus marschiert ist, um Spieler für eine "eigene" Mannschaft zu rekrutieren. Eine gutgemeinte Spielgemeinschaft mit dem BSC Lauter hatte sich als nicht erfolgreich herausgestellt, und es drohte, dass Waldfenster gänzlich ohne eigenes Team dastehen und von der Fußballkarte im Landkreis verschwinden würde. Diese Vorstellung war unerträglich für Schmitt, und so wurde mit viel Mühe ein eigenes Team in die Runde geschickt, was sich als Glücksfall für den gesamten TSV herausstellen sollte - die Mannschaft spielte seither immer im vorderen Tabellenbereich der B-Klasse und schaffte per Relegation 2018 sogar den Aufstieg in die A-Klasse.

    Hohe Ehrung

    Nun wurden die beiden Gründungsmitglieder im Rahmen der Jahreshauptversammlung vom Vorsitzenden Frank Heckelmann für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt. Dies war jedoch nur der Startschuss: Beim Jubiläumsfest vom 28. bis 30. Juni wird dann nochmals gefeiert, unter anderem mit einem Gottesdienst, den das ebenfalls langjährige TSV-Mitglied Pfarrer Albrecht Kleinhenz gestalten wird.

    Heckelmann berichtete auch über die aktuelle Situation des Turn- und Sportvereins, der derzeit über 358 Mitglieder verfügt. "Das jüngste Mitglied ist eineinhalb Jahre, das älteste 88", fügte der Vorsitzende hinzu. Ein Verein also für Jung und Alt, dies zeigt sich auch in den vielen Aktivitäten, die veranstaltet werden.

    So treten neben der Herrenmannschaft zahlreiche Jugendteams, von der U9 bis zur U19, in der Punkterunde an, meist in Spielgemeinschaft mit benachbarten Vereinen. Ein Bambini-Team trainiert ebenfalls schon. Am erfolgreichsten ist hier aktuell die U13 der SG Waldfenster /Lauter, die derzeit die Gruppe als Spitzenreiter anführt. Hier ist Manuel Vorndran, gemeinsam mit seinem Lauterer Trainerkollegen, der Garant für diese Leistung. Vorndran, der gleichzeitig auch 2. Vorsitzender des TSV ist, wurde zudem von Edwin Metzler (BLSV) für 15 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet.

    Nicht nur Fußball

    Doch Fußball ist nicht alles in der 800-Seelen-Gemeinde: Freuen darf sich in diesem Jahr auch die Damengymnastik, die ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Barbara Heckelmann und Rosamunde Schlereth wurden in diesem Zuge von Abteilungsleiterin Petra Schlereth als "aktivste Gymnastikdamen im Jahr 2018" hervorgehoben. Michael Eckert berichtete über die Aktivitäten der Fahrradgruppe, die es nun im fünften Jahr in Waldfenster gibt. So gäbe es nun auch eine Gruppe für Nachwuchsradler, die einmal wöchentlich eine Tour in der Region absolviert. Geplant sei zudem auch eine Frauengruppe.

    Daneben gibt es laut Heckelmann auch eine Rumba-Gruppe, Kinderturnen, eine Fitness- und eine Faschingsabteilung. Am 5. Mai wird der Turn- und Sportverein zum zweiten Mal auch den Flohmarkt auf dem Parkplatz des Pfarrgemeindezentrums mitorganisieren.

    Ehrungen

    25 Jahre Mitgliedschaft: Manuel Vorndran, Marcel Schmitt, Georg Schmitt, Michael Moncada, Andreas Wehner, Patrick Meder, Thomas Kliem, Thomas Eckert, Mario Dietrich, Carmen Walter, Julian Voll, Stefan Heckelmann, Marco Kessler.

    40 Jahre: Imelda Amrhein, Frank Heckelmann, Karin Zeisberger, Franz-Peter Jörg, Dieter Voll.

    50 Jahre: Eckard Heckelmann.

    70 Jahre: Hilmar Albert, Egbert Schmitt.

    Alexander Pfülb

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