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    Bad Brückenau

    Testlauf vor der Entscheidung

    In der Bad Brückenauer Fußgängerzone wird die Befahrbarkeit durch motorisierte Verkehrsteilnehmer zeitlich verlängert. E...

    Die im Jahr 1996 eröffnete Fußgängerzone ist gerade in der jüngsten Zeit immer wieder Thema in der Stadtratsitzung. Diesmal wurde es aber sehr konkret, weil die CSU-Fraktion einen Antrag auf Erweiterung der Befahrbarkeit von bisher 11 auf 18.30 Uhr gestellt hatte. Da die Essenz des Papiers bereits im Vorfeld der Beratungen an die Öffentlichkeit gedrungen war, verfolgten auch zahlreiche Bürger als Zuschauer die Sitzung in der Georgi-Kurhalle.

    Nachdem CSU-Fraktionssprecher Karlheinz Schmitt den umfangreichen Antrag detailliert verlesen hatte, gestattete er sich zusätzlich ein paar persönliche Anmerkungen. Eindringlich appellierte er sowohl an seine Ratskollegen als auch an Privatpersonen und Gruppen in der Stadt: "Egal, wie jemand argumentiert oder abstimmt, bleibt fair und akzeptiert die persönlichen Meinungen".

    Sein Aufruf hatte Erfolg, wie die anschließende Debatte zeigte. Viele der Stadträte meldeten sich zu Wort und vertraten dabei - auch über die Fraktionsgrenzen hinweg - oft sehr individuelle Standpunkte. Trotz etlicher Kontroversen verlief die Diskussion sachlich und in geordneten Bahnen. Spätestens bei einem Wortbeitrag des 2. Bürgermeisters Jürgen Pfister (PWG) wurde aber deutlich, dass die Kommunalpolitiker und die Verantwortlichen der Werbegemeinschaft Bad Brückenau (WBB) beim Thema Fußgängerzone keine Freunde mehr werden. "Ich hätte mir mehr Unterstützung von der WBB erwartet", meinte er vor dem Hintergrund, dass nach seinen Informationen die Gastronomen bei der Meinungsfindung der Vertreter von Handel und Gewerbe gar nicht gefragt worden seien. Mit Blick auf jüngste Äußerungen aus der WBB-Vorstandschaft und der Drohung mit Rückzug stellte Pfister klar: "Der Stadtrat ist ein Gremium, das sich nicht erpressen lässt".

    In diesem Zusammenhang teilte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) ihren Ratskollegen mit, dass sie Vertreter der WBB nicht nur zur aktuellen Sitzung eingeladen, sondern ihnen sogar Rederecht angeboten habe. "Aber keiner wollte kommen", stellte sie resigniert fest.

    Gegen Schmitts Antrag sprachen sich bereits im Verlauf der Debatte Dirk Stumpe und Birgit Poeck-Kleinhenz (beide PWG) mit sehr detaillierten Begründungen aus. Benjamin Wildenauer (SPD) brachte sogar einen Bürgerentscheid zur Fußgängerzone ins Gespräch. Mit Rückblick auf einige Jahre zuvor monierte Almuth Bauer (CSU): "Hätten wir damals für eine Testphase gestimmt, wären wir jetzt schon weiter".

    Rathauschefin Meyerdierks wies noch einmal auf den Kernpunkt der Beratungen hin. Es gehe aktuell einzig und allein um die Verlängerung der Durchfahrtzeit, an der Institution Fußgängerzone werde nach wie vor nicht gerüttelt: "Die bleibt!" Adelheid Zimmermann (FB/FDP) bezeichnete Schmitts Eingabe als intelligenten Antrag. Der CSU-Fraktionssprecher selbst entschied sich bei Betrachtung der vorgebrachten Argumente dafür, seinen Antrag kurzfristig zu ergänzen. So solle die zeitliche Erweiterung der Befahrbarkeit der Fußgängerzone erst einmal in einer zwölfmonatigen Testphase auf den Prüfstand gestellt werden. Dieses Ansinnen lehnten die Stadträte allerdings mit 13:8 Stimmen ab. Eine knappe Mehrheit mit 11:10 Stimmen fand dagegen der Antrag von Pfister, der als Kompromiss eine Testphase von vier Monaten vorgeschlagen hatte.

    Mit dieser Entscheidung, darüber waren sich im Prinzip alle Stadträte einig, habe man allerdings nur eine Art Grundstein gelegt. Jetzt müsse es zügig um die Umsetzung in die Praxis gehen. Ein ganz wichtiger Punkt wird dabei die Verkehrsregelung inklusive einer eventuellen Verkehrsüberwachung sein. Zu diesem Aspekt soll unter anderem auch noch einmal die Polizei ausführlich Stellung nehmen. Fest steht aber schon jetzt, dass die Befahrbarkeit der Fußgängerzone an Werktagen nur in einer Richtung möglich sein wird, "da sonst das Chaos vorprogrammiert wäre". Für den Samstag wollen sich die Kommunalpolitiker zeitnah noch auf eine gesonderte Regelung verständigen. Wann genau die beschlossenen Veränderungen in Kraft treten, das ist noch offen. Rolf Pralle

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