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    Hammelburg

    Tierquälerei: Pferde-Halter muss zahlen

    So gut ging es den beiden Connemara-Haflinger-Mischlingen vermutlich schon lange nicht mehr wie jetzt in ihrem neuen Zuh...

    Es war ein Drama, das sich schon einige Jahre lang abgespielt hatte: Immer wieder waren Kontrolleure angerückt, wurden Bescheide formuliert, Fristen gesetzt ... Vor einem Vierteljahr wurden einem Hammelburger Pferde-Halter schließlich drei Tiere auf seiner Koppel weggenommen. Nicht ohne, dass der sich zur Wehr setzte. Er soll gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein - zunächst.

    Im Frühjahr hatten die Behörden angeordnet, dass die Tiere nicht länger auf dem Hof leben dürfen (wir berichteten). Das Veterinäramt war eingeschritten und hatte mit Unterstützung der Polizei die Tiere von dem Grundstück bei Hammelburg geholt und umquartiert. Helfer und Tiertransportfahrer packten mit an. Es war an einem Donnerstagnachmittag, an dem drei Pferde die Reise in eine bessere Zukunft antreten sollten.


    Kontrollen auf der Koppel

    Auflagen und Bescheide vom Landratsamt war der angeklagte Halter immer wieder nicht nachgekommen. Mehrere Dutzend Male standen die Kontrolleure auf der Koppel und haben den Zustand inspiziert. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft arbeitet zu Beginn der Gerichtsverhandlung in der Anklage eine lange Liste von Mängeln ab, die dem Mann vorgeworfen werden: Im Schlamm haben die Tiere stehen müssen; sie konnten sich nicht hinlegen; ihr Unterstand war ständig dreckig oder kaputt; oft stand nicht genug Wasser für die Tiere bereit, auch am Futter soll es gefehlt haben. Von "erheblichen Leiden" spricht die Staatsanwältin.


    Fotos sagen mehr als Worte

    "Ich bin weder Halter noch Besitzer", entgegnet der Angeklagte auf die Anschuldigungen. Für die Richterin keine Frage: "Sie sind verantwortlich zu machen." Dass sich der Mann heute gegen den Strafbefehl zu Wehr setzten will - alleine, ein Verteidiger sitzt nicht neben ihm - hält sie für keine gute Idee. "Diese Fotos zeigen mehr, als alle Worte es beschreiben könnten", meint die Richterin und rät dem Angeklagten: "Ich kann Ihnen nur empfehlen: Nehmen Sie diesen Einspruch zurück."
    Anfang März war seine letzte Frist abgelaufen. Er sollte sich darum kümmern, dass alle Missstände aus dem Weg geräumt werden. Dem Veterinäramt reichte es: Die Behörde ordnete an, die Tiere in ein anderes Quartier zu bringen.

    In einem früheren Interview mit dieser Redaktion beteuerte der Angeklagte, den Tieren sei es auf der Weide nicht schlecht gegangen. Schwierigkeiten mit dem Unterstand gab er zu: Ein Sturm sei schuld gewesen, dass die Zeltplanen verweht waren. Am Zaun hätten sich immer wieder Unbekannte zu schaffen gemacht. Für Dr. Thomas Koy, Leiter des Veterinäramts des Landkreises, bestand nie Zweifel: "Die Tiere haben gelitten", sagte er bei einem Interview Ende März. Dazu kam: Die Tiere kamen Autofahrern gelegentlich gefährlich nahe. Die Polizeibeamten kennen die Pferde gut - immer wieder waren sie ausgebüxt und bis zur Staatsstraße gelangt.


    Wieder in "gutem Zustand"

    Die beiden Connemara-Haflinger-Mischlinge sind zwischen zwei bis vier Jahre, der ältere Stallkollege zwischen 15 und 20 Jahre alt. Die Pferde sind nach Aussage eines Arztes, der zu dem Gerichtstermin geladen war, wieder in einem "guten Zustand". Noch eine gute Nachricht: Das Heim, das die Tiere vor einigen Wochen als Notfall aufgenommen hat, wird wohl zu ihrem dauerhaften neuen Zuhause.

    Der angeklagte Halter hatte während der Verhandlung seinen Einspruch zurückgenommen. Neben der Strafe hat der verurteilte Tierquäler außerdem die Rechnung für die Umquartierung und den Verwaltungsaufwand dahinter zu bezahlen. Das Gericht hat ihm eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 25 Euro auferlegt. Carmen Schmitt

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