• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Tönerne Kurgäste im Grünen

    Die Würzburger Künstlerin Hilde Würtheim hat insgesamt 27 Plastiken in Bad Kissingen ausgestellt. Sie sollen bis mindestens Mitte November dort zu sehen sein.
    Die Würzburger Künstlerin Hilde Würtheim (67) mit einer ihrer lebensgroßen Figuren.  Foto: Sigismund von Dobschütz       -  Die Würzburger Künstlerin Hilde Würtheim (67) mit einer ihrer lebensgroßen Figuren.  Foto: Sigismund von Dobschütz
    Die Würzburger Künstlerin Hilde Würtheim (67) mit einer ihrer lebensgroßen Figuren. Foto: Sigismund von Dobschütz

    Auf Kurgäste der besonderen Art trifft man jetzt in Bad Kissingens Grünanlagen. Statt der sonst zahlreichen Besucher besetzen jetzt aus Ton geformte Menschen die in diesen Tagen leeren Bänke im Kurgarten , lauschen der Musik im Klanggarten, genießen die Stille am Kneippbecken oder die prachtvolle Aussicht im Rosengarten. Es sind 27 Plastiken der Würzburger Künstlerin Hilde Würtheim (67), die mindestens bis zum 15. November in Bad Kissingen noch zu Gast sind und als attraktive Fotomodelle bereitstehen.

    Eigentlich sollte die seit langer Zeit geplante Ausstellung dieser "Menschen des modernen Alltags", wie die 1953 in Werneck geborene Bildhauerin ihre Skulpturensammlung nennt, ein wirkungsvoller Auftakt zur diesjährigen Sommersaison sein und die jährlich 250 000 Übernachtungsgäste und Millionen Tagesgäste der Kurstadt erfreuen. Doch nun ist die Situation unerwartet eine ganz andere. Wegen des noch immer andauernden Reiseverbots und der fehlenden Gäste hatten Staatsbad GmbH und Kurgärtnerei schon überlegt, auf die Ausstellung zu verzichten.

    "Jetzt erst recht", beschlossen schließlich Kurdirektorin Silvie Thormann, Kurgärtnerei-Leiter Holger Paff und Bildhauerin Hilde Würtheim. Sie denken sogar darüber nach, die wetter- und winterfesten Skulpturen vielleicht bis zum nächsten Sommer stehen zu lassen.

    Künstlerin Hilde Würtheim stellt mit ihren farbigen Skulpturen den Menschen in den Mittelpunkt ihres Schaffens, schafft "Sinnbilder des Menschlichen" und setzt damit auf klassische Art eine Jahrtausende alte Tradition fort. Würtheim: "Dreidimensionale Arbeiten in der Kunstgeschichte beschäftigen sich nahezu ausschließlich mit der menschlichen Figur. Schon die Mammut-Jäger haben vor 20 000 Jahren die ersten menschlichen Abbildungen aus Elfenbein geschnitzt und aus Ton geformt. Aus dieser Zeit stammt auch unsere biblische Vorstellung, Gott habe den Menschen aus Ton geformt."

    Auf das Wesentliche reduziert

    Auch ihre Skulpturen sind aus Ton geformt und bei 1240 Grad gebrannt. Besonderen Wert hat die Künstlerin anschließend auf deren Bemalung gelegt, wobei nur die Bekleidung bemalt ist, während die Hautpartien die Farbe des naturbelassenen Tons behalten. Würtheim verwendet für die Bemalung keine Glasur, sondern gelöste Pigmente, die, nach dem Brand aufgetragen, in die poröse Oberfläche dringen. Alle ihre Figuren besitzen eine klare Grundform, sind ohne übertriebenen Naturalismus auf das Wesentliche reduziert und zeigen in der Regel keine Bewegung. Würtheim: "Ihr Blick fasst niemanden, sie drängen sich nicht auf. Sie sind in sich gekehrt, verharren still und erlauben in ihrer Gelassenheit zur Projektionsfläche eigener Gedanken des Betrachters zu werden."

    Vielleicht wird der eine oder andere Betrachter tatsächlich ihre Geschichten hören, zumal jede Figur von der Kurgärtnerei an einen passenden Standort gestellt wurde: Eine alte Dame sitzt im Kurgarten allein und anscheinend erschöpft auf einer leeren Bank. Worüber mag sie nachdenken? Vielleicht an glücklichere Zeiten in ihrem Leben? Oder ruht sie sich nur vom Spaziergang aus?

    Auf einer anderen Bank hat eine junge Mutter ihr Kind auf dem Schoß, um mit ihm in Kita-freien Zeiten etwas Ruhe und frische Luft zu tanken. Im Klanggarten scheint eine junge Frau mit übergeschlagenen Beinen, den Kopf in die Hand gestützt, der leisen oktophonen Musik zu lauschen. Etwas weiter sitzt ein Rentnerpaar am Kneippbecken, vom Alter gebeugt, anscheinend müde vom Bummel durch den Luitpoldpark. Vielleicht warten sie dort auf menschliche Kneippgänger? Im Rosengarten hat sich eine junge Frau unter einen Brückenbogen verzogen, um dort mit sich und ihrem Handy allein zu sein. Chattet sie gerade mit ihrem Freund? Auf dem Rasen sitzen drei Freundinnen beieinander, als würden sie Neuigkeiten austauschen. Um sich schauend, scheinen sie den prachtvollen Ausblick zu genießen.

    Jede der tönernen Figuren hat etwas zu erzählen. Man muss sich ihnen nur hingeben und genau hinhören. Den Blicken der Figuren folgend, schaut man auf die schönsten und besonders sehenswerten Plätze der Kurstadt.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Bad Kissingen-Newsletter!

    Sigismund von Dobschütz

    Kommentare (3)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!