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    Euerdorf

    Totholz ist wertvoll

    Bei einem Ortstermin wurden die Möglichkeiten, für Waldbesitzer Fördergelder aus einem Naturschutzprogramm zu erhalten, erläutert.
    Auch ein toter Baum (Konsolenbaum) bietet neuen Lebensraum für allerlei Pilze, Käfer und Insekten.  Foto: Bernhard Zürner       -  Auch ein toter Baum (Konsolenbaum) bietet neuen Lebensraum für allerlei Pilze, Käfer und Insekten.  Foto: Bernhard Zürner
    Auch ein toter Baum (Konsolenbaum) bietet neuen Lebensraum für allerlei Pilze, Käfer und Insekten. Foto: Bernhard Zürner

    Schon seit 2005 gibt es das Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald), ein Programm der bayerischen Landesregierung für freiwillige Leistungen privater oder körperschaftlicher Waldbesitzer zur Förderung des Natur- und Artenschutzes. Doch erst für ein Prozent der bayernweit infrage kommenden Waldflächen wurden Fördermittel in Anspruch genommen. Um diesen Anteil zu steigern und das Förderprogramm vor allem bei privaten Waldbesitzern bekannter zu machen, stellten jetzt Verantwortliche des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF, Bad Neustadt), der örtlichen Forstbetriebsgemeinschaft (FBG Rhön-Saale) und der Unteren Naturschutzbehörde bei einem Ortstermin in Euerdorf und Fuchsstadt drei Förderbeispiele vor.

    Wurden zuletzt bayernweit über vier Millionen Euro pro Jahr aus dem Förderprogramm VNP Wald ausbezahlt, soll sich die Summe im kommenden Jahr auf fünf Millionen erhöhen, informierte AELF-Amtsleiter Oliver Kröner. Auf Waldflächen im Landkreis Bad Kissingen entfielen in den letzten beiden Jahren nur jeweils 180 000 Euro, im kommenden Jahr will das AELF bis zu 200 000 Euro beantragen. "Es ist ein interessantes Förderprogramm für Waldbesitzer, die ein Herz für den Waldnaturschutz haben, ohne auf die Bewirtschaftung ihrer Wälder verzichten zu müssen", so Kröner. Zu den geförderten Maßnahmen gehören der Erhalt von Biotopbäumen, das Belassen von Totholz, der völlige Nutzungsverzicht auf Teilflächen, die Schaffung lichter Waldstrukturen und der Erhalt von Nieder- und Mittelwäldern.

    Die Wiederherstellung des Hurlacher Sees in der Gemarkung Euerdorf wurde zwar nicht mit Mitteln des VNP Wald gefördert, gilt aber für die Forstleute als ein Beispiel zur Steigerung der Artenvielfalt . Vor Jahrzehnten noch Eislieferant für heimische Brauereien, verlandete der See nach Sperrung des Quellzuflusses im Laufe der Jahrzehnte, bis die Fläche mit Fichten und Kiefern zugewachsen war, berichtete Bürgermeisterin Patricia Schießer beim Ortstermin. Erst 2016 besann man sich aus Anlass der 1300-Jahr-Feier wieder auf den See, ließ die Bäume abholzen, den See ausbaggern, verrohrte den einstigen Quellzufluss und schuf sogar einen zweiten.

    Neuer Lebensraum für Amphibien

    "Jetzt ist hier ein neuer Lebensraum für Amphibien und Insekten entstanden", freute sich AELF-Abteilungsleiter Bernhard Zürner. "Sogar Fische wurden schon wieder entdeckt." Mit Einbindung der Grundschule wurde sogar eine Umweltbildungsmaßnahme geschaffen. Zürner: "Nachahmer sollten uns nach Fördermöglichkeiten fragen."

    An anderer Stelle im 330 Hektar weiten Euerdorfer Gemeindewald zeigten die Fachleute einige mehr als 120 Jahre alte Biotopbäume, die mit ihren bis zu 50 Zentimeter tiefen, einst von Schwarzspechten zur Brut geschlagenen Höhlen vielen anderen Tieren - Vögeln, Fledermäusen, Insekten und mehr - neuen Lebensraum bieten. "Der Schwarzspecht sorgt im Wald für sozialen Wohnungsbau ", beschrieb es Peter Piel, Fachreferent der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Da ein anerkannter Biotopbaum mindestens zwölf Jahre nicht geschlagen werden darf, bekommt der Eigentümer aus dem Fördertopf VNP Wald je nach Baum bis zu 195 Euro als Gegenwert.

    Als drittes förderwürdiges Beispiel wurde der Naturschutzwald in der Gemarkung Fuchsstadt besichtigt, dessen Baumbestand über 150 Jahre alt ist. Insgesamt besitzt die Gemeinde 930 Hektar Wald. "Aber auf diesen 20 Hektar wurde schon seit 20 Jahren auf jegliche Nutzung verzichtet", erzählte Bürgermeister Peter Hart . "Als 2005 das Förderprogramm VNP Wald aufgelegt wurde, haben wir sofort einen Antrag gestellt." Heute gleicht dieses Waldstück einem Urwald und bietet nicht nur mit seinen 275 anerkannten Biotopbäumen, sondern auch mit seinem am Boden liegenden, vermoderten und vermoosten Totholz unzähligen Tieren und Pflanzen wertvollen Lebensraum.

    "Nutzungsverzicht wird mit 1200 Euro pro Hektar bei einer Laufzeit von zwölf Jahren belohnt", erklärten die AELF-Fachleute. "Das gleicht den Geldwert der Bäume aus", war Bürgermeister Peter Hart zufrieden. "Wir Forstleute bevorzugen den integrativen Naturschutz ", beschrieb Bernhard Zürner abschließend diesen nur anteiligen Nutzungsverzicht des Waldbesitzes, "eine schonende Bewirtschaftung mit Rücksicht auf den Waldnaturschutz." Nutzungsverzicht ist landkreisweit bisher nur auf insgesamt 50 Hektar gemeldet. "Es ist die effektivste Art des Naturschutzes", betonte Peter Piel. "Hier schließt sich der ökologische Kreislauf wieder." Erst kürzlich wurde der Zunderschwamm mit dem in Symbiose lebenden Schwarzkäfer im Fuchsstädter Naturschutzwald wieder entdeckt.

    Waldbesitzer, die sich für Fördergelder (VNP Wald) interessieren, können sich an ihren zuständigen Förster wenden.

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    Sigismund von Dobschütz

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