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    Bad Kissingen

    Unesco-Bewerbung: Der Regentenbau ist nicht das einzige, was zählt

    Dass der Regentenbau für Bad Kissingens Unesco-Bewerbung zur "Property" gehört, ist klar. Foto: Teresa Hirschberg
    Dass der Regentenbau für Bad Kissingens Unesco-Bewerbung zur "Property" gehört, ist klar. Foto: Teresa Hirschberg

    Läuft die UNESCO-Bewerbung in der Gruppe "Great Spas of Europe" erfolgreich, steckt das Prädikat Weltkulturerbe in einem ganz bestimmten Teil der Stadt, dem sogenannten "Property" (Kernzone). Denn: "Da muss alles drin sein, was unsere Stärken zeigt", erklärt Kulturreferent Peter Weidisch.

    Nach Anforderungen der UNESCO müssen die Kernzonen der elf Bewerberstädte alle Elemente enthalten, die "den außergewöhnlichen universellen Wert des Gutes unmittelbar physisch zum Ausdruck bringen". Außerdem zählt, in welcher Dichte und Qualität die Bausubstanz vorhanden ist und wie stark sie sich mittlerweile von ihrem Originalzustand unterscheidet. Regenten- und Arkadenbau, Wandel-, Brunnenhalle und Kurtheater zählen natürlich dazu.

    Aber das ist noch längst nicht alles. 212 Hektar beträgt die Fläche insgesamt. Ihre langgestreckte Form ist dem Verlauf der Saale geschuldet, an der sich die wichtigsten Gebäude angesiedelt haben. Im "Property" finden sich aber auch Sportstätten wie der Golfplatz. "Kurbäder waren die Einfallspforten für viele englische Sportarten", erklärt Archivpflegerin Birgit Schmalz . "Das zeigt, dass hier Tourismus und Innovation wurzeln." Auch Tattersall und Schlachthof zählen zum "Property". Genauso das zentrale und nördliche Kurviertel, die Kirchen, der jüdische und der Kapellenfriedhof sowie die Promenadenwege.

    Bad Kissingens Unesco-Bewerbung geht in heiße Phase

    Um die Kernzone herum befindet sich die "Bufferzone", die das "Property" absichern soll. Im Fall von Bad Kissingen zieht sie sich in Richtung Ost- und Westring, sowie ins Kaskadental und über den Golfplatz hinaus. Die "Bufferzone" ist nicht willkürlich geschnitten, sondern läuft an der Horizontlinie entlang. Hier sollen keine Hochhäuser oder Industrieanlagen errichtet werden, die die Sichtachsen auf das "Property" verbauen würden. Die "Bufferzone" sei mittlerweile für alle Bewerber obligatorisch, erklärt Peter Weidisch. Auch Städte, die bereits zum Weltkulturerbe zählen, rüsten nun nach.

    Seit Beginn der Bewerbung hat die Arbeitsgruppe immer wieder an der Einteilung der Zonen gefeilt. Das Villenviertel ist beispielsweise nur mit dem Ausschnitt Frühling- und Von-der-Tann-Straße vertreten, wo sich die Gebäude baulich nicht stark verändert haben. "Wichtig ist auch, wie die Stadt in die Landschaft übergeht", erklärt Birgit Schmalz . "Die Kur sollte ja früher auf das ganze Gemüt wirken, deshalb hatten solche Ausflugsziele therapeutische Zwecke." Die Zonen zu definieren sei ein Entwicklungsprozess, der sich schon über mehrere Jahre hinzieht, sagt Weidisch. "Aber mittlerweile ist der Plan fix und Bestandteil der Bewerbung."

    Kurstadt für Unesco nicht aufhübschen

    Baulichen Handlungsbedarf, um den UNESCO-Ansprüchen gerecht zu werden, gebe es nicht. "Ich möchte das Missverständnis aufklären, dass wir mit der und der Straße nicht UNESCO werden könnten", stellt Oberbürgermeister Kay Blankenburg ( SPD ) klar. UNESCO verlange nicht, die Gebäude im Vorfeld aufzuhübschen, sondern Authentizität. Auch die "Bufferzone" erfülle bereits alle Kriterien.

    Doch wie sieht es mit den weniger schönen Flecken Bad Kissingens aus? Berliner Platz, Weidgasse, das verfallene ehemalige Sanatorium Apolant oder auch die Leerstände in der Bismarckstraße hätten laut Kay Blankenburg keinerlei Auswirkungen auf den Bewerbungserfolg. Peter Weidisch kann das nur bestätigen: "Es geht nicht um schön oder nicht schön, saniert oder nicht saniert", macht der Kulturreferent deutlich. "Sondern um den Erhalt und die Ablesbarkeit von baulichen Strukturen."

    Das hat Otto von Bismarck in Bad Kissingen erlebt und geleistet

    Aber welche Auswirkungen hat es für die Mieter und Hauseigentümer , die plötzlich im Weltkulturerbe wohnen? Die knappe Antwort: Keine. Denn die baulichen Schutzmechanismen der Stadt, wie Denkmal-, Natur- oder Heilquellenschutz, würden einfach weiterhin greifen. Lebt jemand in der "Property" und möchte seine Hausfassade umgestalten, müsse er sich nur an die bestehenden Richtlinien des Denkmalschutzes halten. "Sie sind nicht anders eingeschränkt als bisher", betont Peter Weidisch. Die Marke Weltkulturerbe würde die Immobilien adeln und ihren Wert steigern. Große bauliche Vorhaben in der "Property" und "Bufferzone" müssen jedoch der Weltkulturerbe-Organisation gemeldet werden.

    Christian Weghofer würde mit seinem Hotel Kaiserhof Victoria direkt in der Kernzone liegen - und sieht das für sein touristisches Unternehmen als rein positive Sache. "Wir sind schon unter Denkmalschutz ", sagt der Geschäftsführer. "Mehr kann ja nicht mehr greifen."

    Teresa Hirschberg

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