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    Elfershausen

    Unwetter bringt Schlamm und Wassermassen

    Für die Feuerwehren im Altlandkreis Hammelburg war es eine kurze Nacht: Nach dem Unwetter von Dienstagabend mussten sie Keller auspumpen und Straßen säubern. Die Reinigungsaktionen gingen teilweise noch am Mittwoch den ganzen Tag weiter. Auch viele Hauseigentümer waren am Mittwoch damit beschäftigt, ihre Habe zu sichten sowie Keller und Höfe zu säubern.

    "So was haben wir noch nicht erlebt", hieß es allerorten. Die Erde sowie Gräben, Kanäle und Bäche konnten die Regenmassen nicht mehr fassen. "Die erste Gewitterzelle über Elfershausen und dem Thulbatal war eine andere als die in Hammelburg. Es war nicht ein einzelnes großes Gewitter. Später lief eine zweite Front durch. Beide zusammen dürften die Schäden verursacht haben", berichtet Christian Fenn, der die Regenfronten fotografiert hat. Am extremsten traf es Elfershausen.

    Elfershausen:
    Eine braune Brühe floss von den Feldern über die Wittershäuser Straße und die Auraer Straße in den Ortskern. Das schlammige Wasser strömte über die Ortsdurchfahrt durch Elfershausen. Keller liefen voll. Die Feuerwehren aus Elfershausen sowie den Gemeindeteilen wurden alarmiert.

    Feuerwehrleute und das THW Bad Kissingen waren bis weit in die Nacht im Einsatz. Mit am schlimmsten traf es das Anwesen von Reinhold Radler. Der Hof liegt unter dem Straßenniveau. Die Brühe überflutete nicht nur den Gewölbekeller und andere Kellerräume. Auch in der Garage stand das Wasser bis auf Brusthöhe. Bis halb fünf dauerten die Aufräumarbeiten im Hof, wie Radler am Mittwochmorgen erklärte. Die Feuerwehr spritzte in der Nacht den Schlamm zusammen. Helfer wuchteten ihn dann auf die Schaufel eines Radladers.



    Am Morgen danach hielt Radlers Verärgerung an: "Ich habe mich darauf verlassen, dass so etwas nicht mehr passiert." Als Kind habe er so eine Überschwemmung schon einmal erlebt. Er sah die Ursache vor allem darin, dass Gräben zugemacht worden seien.

    Verärgert war auch Ilona Sell. Der Deisselbach war über die Ufer getreten, überschwemmte und verwüstete den Mehrgenerationenplatz. Das Wasser erreichte danach Hof und Keller ihres Hauses. Sell kritisierte die Gestaltung des Deisselbachs und des Mehrgenerationenplatzes. Sie machte die Geländemodellierung für die Überflutung verantwortlich. Früher seien die Wassermassen direkt in die Saale geflossen und hätten nicht bis zu ihrem Haus gereicht.

    Eine bittere Ironie ist, dass die Gemeinde derzeit ein Hochwasserschutzkonzept für die Gewässer in Elfershausen ausarbeiten lässt. Dabei ist eine Regenrückhaltung für den Deisselbach geplant.
    Nachdem der Mehrgenerationenplatz schon einmal unter Wasser gestanden hatte, ist auch eine Auffüllung der Deisselbach-Ufer beschlossen, wie Bürgermeister Karlheinz Kickuth (SPD/FWG) auf Nachfrage erklärte. Ursprünglich war es nicht erlaubt, Fremdmaterial dort einzubringen. Außerdem müssten die Entwässerungsgräben gepflegt werden, sagte Kickuth. Da sei die Gemeinde auf die Zusammenarbeit der Landwirte angewiesen.

    Oberthulba:
    Nach Angaben von Kommandant Rainer Wanitschka gab es im Gemeindegebiet von Oberthulba fast 50 Einsätze. In Reith war die Ortsdurchfahrt wegen Überschwemmung gesperrt, wie er berichtete. Keller mussten ausgepumpt werden. Zahlreiche vollgelaufene Keller gab es ebenfalls in Thulba. Aus einem Geschäft lief Öl aus, konnte aber unter Kontrolle gebracht werden. Teilweise hätten sich Bewohner mit eigenen Tauchpumpen beholfen, sonst wäre die Zahl der Einsätze im Gemeindegebiet noch höher gewesen, sagte Wanitschka.

    Untererthal: Aus dem Wald die Horbich hinunter war das Wasser gekommen, erklärte Dennis Frey. Der Kommandant der Untererthaler Feuerwehr zählte 22 Einsätz: Keller mussten ausgepumpt und Fahrbahnen gesäubert werden. Die Erthalhalle und das Feuerwehrhaus seien betroffen gewesen. Nach den Einsätzen in ihrem Ort halfen die Feuerwehrleute aus Untererthal in Obererthal mit.

    Obererthal: Als neuralgischer Punkt erwies sich wieder der Elsengraben. "Es war viel schlimmer als bisher. Das Wasser reichte einen Meter über die Mauer", sagte Michael Schneider, Kommandant der örtlichen Feuerwehr. Da die Feuerwehr nicht genügend Pumpen hatte, half das Unternehmen Stolz mit eigenen Pumpen aus. Für Schneider war es ein weiterer Beleg, dass am Elsengraben etwas gemacht werden muss. Am Mittwoch begutachtete er die Staumauer mit Peter Kreß vom Tiefbauamt, da die Mauer über- und unterspült worden war.

    Diebach: Wasser aus dem Klingenbach überschwemmte mehrerer Straßen und Garagen. Laut Kommandant Florian Ziegler konnte aber verhindert werden, dass Wasser in die Häuser lief. Neben der Diebacher Feuerwehr waren die Feuerwehren aus Morlesau und Hammelburg im Einsatz.

    Dittlofsroda: Ein Sturzbach ergoss sich den Hang hinab und erwischte den unteren Trakt des Schulgebäudes. Im Erdgeschoss stand das Wasser dort einen halben Meter hoch, berichtete Bürgermeister Jürgen Karle (FWG). Da die Räume für die Ganztagsbetreuung am Nachmittag genutzt werden, fällt der offene Ganztag in den kommenden zwei Wochen voraussichtlich aus, bis die Schäden gesichtet sind. Arkadius Guzy

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