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    Oberthulba

    Uriges fränkisches Gebabbel riss alle Zuschauer mit

    Bei der Mundart-Rallye in Oberthulba, Premich und Fuchsstadt redeten die Teilnehmer, wie ihnen der Schnabel gewachsen war. Alle hatten ihren Spaß dabei.
    Das Duo Eustach und Gotthold gab köstliche Reisetipps bei der Mundart-Rallye.Birgit Will       -  Das Duo Eustach und Gotthold gab köstliche Reisetipps bei der Mundart-Rallye.Birgit Will
    Das Duo Eustach und Gotthold gab köstliche Reisetipps bei der Mundart-Rallye.Birgit Will

    "Wer mich jetzt net verstehet, dem könn ich net gehelf", begrüßte Moderatorin Rosemarie Schmitt die Gäste der 2. Fränkischen Mundart-Rallye im voll besetzten Pfarrsaal in Oberthulba und stellte gleich zu Beginn klar, dass sie sich unmöglich an einem "Mundart-Rallye-Obend" auf die Bühne stellen und Hochdeutsch reden könne: "Des konn ich sowieso ned."

    Das "Duo Eustach & Gotthold" aus dem Grabfeld, das Waldberger "Duo Owanning" und das Quartett "Kaufmannsware" aus Bischofsheim wechselten an diesem Abend zweimal die Bühne und boten an den drei Veranstaltungsorten Oberthulba , Fuchsstadt und Premich ein lustiges Spektakel rund um die Fränkische Mundart . Auch die Feuerwehr in Fuchsstadt und der Schützenverein in Premich freuten sich über voll besetzte Häuser.

    "Unser Dialekt ist etwas ganz Besonderes", stellte das "Durfmädle" fest. Die Fränkische Mundart habe etwas Derbes, aber auch etwas Liebliches. Wörter wie "Berdeles" (Petersilie) oder "Fafährlich" (Bohnen) dürften nicht verloren gehen. "Ich bitt euch: Red doch einfach so, wie mir rede." Ferner sei bewiesen, dass man viel besser eine Fremdsprache erlernen kann, wenn man Mundart spricht, so die Mitorganisatorin der Veranstaltung.

    Das ist dann ein großer Vorteil, wenn man in ein Land fliegen will, in dem nur Englisch gesprochen wird, wie die Seychellen zum Beispiel. Dorthin möchte nämlich die resolute Ehefrau von "Gotthold" (Martin Wachenbrönner) verreisen. Ein Englischkurs hat dem Gemeindearbeiter, der in seinem Job auch mal leere Löcher einfach wieder schließt, bisher aber nichts gebracht: "Wär iiich net dort hi gange!" Aber zum Glück gibt es noch Eustach ( Fredi Breunig ), der seinem Freund Gotthold in einem Crashkurs "Englisch für Devogelaufene" die wichtigsten Begriffe beibringt, damit dieser und seine "Raaf" in der Ferne nicht verhungern und verdursten. Und dass ein Visum nicht beim Bauernverband beantragt wird, erfährt er dabei auch noch. Die Wortspiele des Kabarettisten-Duos rund um den Gleichklang in der englischen und fränkischen Sprache sorgten für langanhaltende Publikumslacher.

    Nach einer kurzen Verschnaufpause für die Zuhörer bei "Wurschtzalot" und "Frangewei" ging es im Oberthulbaer Pfarrsaal musikalisch weiter. Das "Duo Owanning" (Edmund Bühner und Martin Raab) war inzwischen von seinem Auftritt in Premich eingetroffen. Sie waren heuer das erste Mal mit von der Partie. "Passt jetzt ganz genau auf. Die haben einen gnadenlosen Dialekt!", kündigte Rosemarie Schmitt die "Rhöner Urgewächse" an. Das Duo habe vor 19 Jahren mit Mundartabenden in Waldberg begonnen, und Bühner und Raab gelten daher als die "Väter der Mundart-Rallye". Sämtliche Stücke schreiben die beiden Waldberger Musikanten selbst. "Wir singen nicht wie andere von Liebe, Sex und Blumenstrauß", erklärte Martin Raab. Ihre Texte seien aus dem täglichen Leben gegriffen. Sie handeln vom "Jommerlappe", vom "net auskurierte Duischt" oder "em Saich-Hames in de House". Jetzt war beim Publikum voller Körpereinsatz gefordert: Gespitzte Ohren, Lachmuskeln und vibrierende Stimmbänder. War der Dialekt auch noch so fremd für manches Ohr - spätestens beim letzten Refrain sang der ganze Saal lauthals mit.

    Der letzte Programmpunkt des Abends ließ ein bisschen auf sich warten, aber die Geduld des Publikums wurde reichlich belohnt. Das Frauenquartett "Kaufmannsware" setzte einem erstklassigen Abend den glänzenden Schlusspunkt. "Kaufmannsware", das sind Edith Hüttner, Angelika Enders, Theresa Seiffert und Ilona Zirkelbach. Seit zehn Jahren begeistert die Familie aus "Wessbich" das Publikum mit ihrer zünftigen Musik und den klangreichen Stimmen.

    Bei der Mundart-Rallye boten sie einen Querschnitt ihres Repertoires. Besinnlich rühmten sie ihre Rhönheimat, amüsant gaben sie sich beim "Maggi-Tango" und ihrem "Auf geht`s, Vorführabend ist heut". Charmant frech dagegen besangen sie die "Männerwelt": "Ich will en Mo mit em grosse Bulldog" (Bulldogsong) oder darf es vielleicht doch lieber ein älterer Herr sein ("Nehmen´se nen Alten!")? Nach ihrem Kreuzberglied auf Chinesisch hielt es keinen der Zuhörer mehr auf seinem Sitz. Tosender Applaus begleitete die vier sympathischen Damen nach mehreren Zugaben von der Bühne.

    "Ich hole sie wieder nach Oberthulba ", versicherte die Mitorganisatorin Rosemarie Schmitt dem Publikum , "wenn ihr mir versprecht, dass ihr alle in zwei Jahren wiederkommt." Wenn es heißt: "3. Fränkische Mundart-Rallye"!

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    Birgit Will

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