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    Bad Kissingen

    Virus verhindert Weinmesse

    Die Folgen der Coronapandemie schlagen sich auch in der Städtepartnerschaft von Bad Kissingens und Massa nieder. Wegen des Virus finden viele der geplanten Aktivitäten heuer nicht statt.
    Blick auf Massa vom Weg zum Castello Malaspina.  Foto: Maren Schmitt       -  Blick auf Massa vom Weg zum Castello Malaspina.  Foto: Maren Schmitt
    Blick auf Massa vom Weg zum Castello Malaspina. Foto: Maren Schmitt

    Derzeit wäre das Team um Michael Eber und Maren Schmitt im Städtepartnerschaftskomitee Bad Kissingen e.V mit der Fahrt zur Weinmesse "Spino Fiorito" in Massa beschäftigt. Die Behörden sagten die Veranstaltung aufgrund der Pandemie ab. "Auf Waren bleiben wir nicht sitzen," sagt der Organisator der Fahrt, Vizepräsident Michael Eber "Da die Entwicklung in Italien schon früh sehr dramatisch war, haben wir mit der Absage gerechnet und mit den Einkäufen noch gewartet." Mit Florian Förg hatte der Verein sogar einen Kissinger Winzer gewonnen, der seine Weine in Massa anbieten wollte.

    "Bereits vor zwei Jahren hatten wir einen Stand bei der Weinmesse . Wir haben dort eine Menge Freunde aus Massa getroffen und uns auch über ein Wiedersehen mit einer Gruppe aus Vernon freuen können", berichtet die Präsidentin des Städtepartnerschaftskomitees Maren Schmitt. Die Einladung an den Verein hatte die zuständige Assessorin Veronica Ravagli im Namen des Bürgermeisters Francesco Persiani am letzten Rakoczyfest persönlich überbracht. Zusammen mit einer Gruppe von Stadträten und mit ihrer ganzen Familie hatte sie ihren Antrittsbesuch absolviert und auch den Rakoczyball besucht.

    Lange Tradition

    Die Weinmesse wäre auch deshalb ein besonderes Ereignis für den Verein gewesen, da Bad Kissingen heuer das 60-jährige Bestehen seiner Städtepartnerschaften mit Massa und Vernon feiert. 2020 sollten daher vielfältige Aktivitäten stattfinden. Die für Mai geplante Fahrt nach Massa musste bereits verschoben werden.Im April 1960 war eine große Delegation um den damaligen Oberbürgermeister Dr. Hans Weiß nach Massa gefahren, um die Urkunde der Städtepartnerschaft zu unterzeichnen. Im September des gleichen Jahres hatte dann der Gegenbesuch stattgefunden, und die italienische Delegation war von der Stadtpolizei an der Stadtgrenze in Empfang genommen und zum Rathaus eskortiert worden.

    Passender Partner gefunden

    Dass es gerade Massa war, auf das die Wahl fiel, ist dem damaligen Bezirksvorsitzenden der Europaunion Dr. Kurt Federer zu verdanken. Auf Bitten des Bad Kissinger Oberbürgermeisters hatte dieser sich auf die Suche nach einer Partnerstadt für Bad Kissingen gemacht. Weil ihm Massa durch Verwandte und seine Studienjahre gut bekannt war, nahm er dort Kontakt auf. Anfangs spielten die Stadtverwaltungen beider Städte eine tragende Rolle für die Verbindung der Partnerstädte, doch immer mehr kam es auch zu einem regen Austausch unter Sportvereinen, die Europaunion organisierte Begegnungsfahrten und es gab gemeinsame kulturelle Veranstaltungen mit Künstlern beider Städte .

    Ein Fundament der Freundschaft bildeten die Schüleraustausche. Am Jack-Steinberger-Gymnasium besteht die Verbindung schon seit über 30 Jahren und gemeinsam mit der Realschule Bad Kissingen sollte heuer eine Fahrt nach Massa stattfinden. Auch diese musste wegen des Virus verschoben werden. Viele Freundschaften sind im Rahmen dieser Schulfahrten entstanden und auch der jetzige Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel ( SPD ) denkt gerne an die 90er Jahre zurück, als er Massa zweimal besuchte: "Italien war in unseren Vorstellungen Benneton und die große weite Welt für uns fränkische Kleinstädter. Es wurde mit Menschen schnell ganz nah mit tollen Gastfamilien. Die Straße der Gastfamilie ist mir noch gut im Gedächtnis: Via Dell'uva. Mille Grazie, Massa."

    Mehr als nur eine schöne Erinnerung ist der Schüleraustausch auch für Dr. Tobias Wahler, der seine spätere Ehefrau Monica bei dieser Gelegenheit kennenlernte. Beide leben heute zusammen mit ihren zwei Kindern in Bad Kissingen .

    Nicht immer waren die Kontakte nach Massa innig, denn wie eine Ehe geht auch eine Städtefreundschaft durch Höhen und Tiefen und ist immer geprägt vom Engagement Einzelner, dem Wohlwollen der Stadtverwaltungen und dem politischen Klima.

    Aber ganz abgerissen sind die Verbindungen nie. Und nach einer kleinen Durststrecke machte es sich der langjährige Freund und Träger der Bürgermedaille der Stadt Bad Kissingen , Franco Tortorella, vor einigen Jahren zur Aufgabe, wieder ein Team aus Massa zum Rakoczyfest zu entsenden. Dieses ist fester Bestandteil des Fürstlichen Weindorfs neben den Sänden von Vernon und Eisenstadt.

    In Massa schränken strenge Ausgangssperren das öffentliche Leben ein. Viele Krankheits- und Todesfälle stellten die Stadt vor Herausforderungen. Seit einiger Zeit berichtet Bürgermeister Francesco Persiani jedoch wieder von etwas positiveren Entwicklungen, wenn er sich in seinen regelmäßigen Videoansprachen an die Einwohner wendet. Seinen Flug nach Deutschland im Juli hatte er schon gebucht, um persönlich beim Rakoczyfest dabei zu sein, doch auch das findet heuer nicht statt. Anstelle des 60. werden die drei Städte im kommenden Jahr dann den 61. Geburtstag ihrer Freundschaft feiern. Und bestimmt wird es dabei noch ein bisschen fröhlicher zugehen.red

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    Redaktion

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