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    Volkersberg: Eberhard Sinner spricht über Europa

    Eberhard Sinner - damals noch Medienminister - besucht im Jahr 2008 die Redaktion des Fränkischen Tags.  Foto: Archiv/Barbara Herbst
    Eberhard Sinner - damals noch Medienminister - besucht im Jahr 2008 die Redaktion des Fränkischen Tags. Foto: Archiv/Barbara Herbst

    Die Grenzkontrollen nach Österreich hat Eberhard Sinner noch selbst erlebt. 1944 wurde er in Würzburg geboren. Er studierte zunächst Forstwirtschaft, ging dann aber in die Politik. Für die CSU saß er von 1986 bis 2013 im Bayerischen Landtag, war unter anderem bayerischer Gesundheitsminister und von 2003 bis 2005 Staatsminister für Europaangelegenheiten. Seiner unterfränkischen Heimat blieb er treu: Er lebt entweder in seinem Haus in Lohr am Main oder in seiner Wohnung in Bad Kissingen. Mit der Saale-Zeitung hat sich Sinner über die Europawahl unterhalten. Am 18. Mai spricht er bei einem politischen Dämmerschoppen auf dem Volkersberg .

    Herr Sinner, Ihr Lebenslauf liest sich ziemlich beeindruckend. War das Strategie oder Zufall?

    Eberhard Sinner : Geplant war da gar nichts. Ich war immer an Politik interessiert. Das beginnt natürlich im kommunalen Bereich. Eigentlich habe ich ja Forstwissenschaft studiert. Dann habe ich im bayerischen Landwirtschaftsministerium angefangen. Da ist man da so reingekommen.

    Ihre ersten Berührungspunkte mit Europa waren dann auch in der Agrarpolitik. Mehr als vier Jahrzehnte später hängen Sie immer noch an europäischen Themen. Warum?

    Im Prinzip gibt es nur eine Zukunft für uns hier. Franz Josef Strauß hat einmal gesagt: Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland und Europa unsere Zukunft. Er hat auch gesagt, dass wir Europäer werden müssen, um Deutsche zu bleiben. Wer diesen Satz begreift, versteht auch die Bedeutung der EU.

    Für viele Menschen steht die EU vor allem für einen anonymen Behörden-Apparat. Nennen Sie einen Grund, warum die Leute am 26. Mai wählen gehen sollten!

    Da gibt es nicht nur einen Grund, da gibt es viele Gründe. Es geht um die Frage, ob wir Ball oder ob wir Spieler in der globalen Arena sind. Durch die EU hat Europa eine Stimme in der Welt, das war ja auch eine der Gründungsideen. Ein zweiter, sehr wichtiger Grund für mich, heißt Frieden. Ich weiß noch, was zwischen Belfast und Dublin los war, bevor Großbritannien und Irland Mitglieder der EU wurden. In den 1960er Jahren gab es Terroranschläge in Südtirol zwischen Deutschen und Italienern - mitten in Europa! Wir können auch an den Jugoslawien-Konflikt in den 1990er Jahren denken.

    Gibt es ein Erlebnis, das Sie persönlich mit Europa verbinden?

    Das war die Zeit der Osterweiterung im Mai 2004, als zehn Staaten vorwiegend aus Osteuropa der EU beitraten. Im Prinzip war das die Wiedervereinigung Europas, 15 Jahre nach dem Fall der Mauer. Ich war damals in Brüssel, das war unheimlich bewegend. Was ist Europa? Das ist nicht nur eine Frage der Geografie. Es gibt eine gemeinsame kulturelle Identität, die auch während des Kommunismus nicht verloren gegangen ist.

    Für viele Menschen hierzulande bleibt die EU dennoch abstrakt.

    Auch in der Rhön wird mit dem Euro bezahlt. Einer Währung, die mit dem Dollar konkurrenzfähig ist. Wir profitieren auch von der Freizügigkeit. Ich habe noch Grenzkontrollen zu Österreich erlebt. Oder auch die Möglichkeit, seinen Arbeitsplatz EU-weit frei zu wählen oder über das Erasmus-Programm im europäischen Ausland zu studieren. Ich wette, dass jeder zweite Arbeitsplatz in der Rhön auch vom Binnenmarkt und den Beziehungen innerhalb der EU abhängt.

    Als es um die Urheberrechtsreform der EU ging, protestierten vor allem junge Menschen gegen Artikel 13. Zu einer Beteiligung an der Europawahl lassen sie sich vermutlich schwerer bewegen. Können wir uns das leisten?

    Es ist essenziell, von seinem Stimmrecht Gebrauch zu machen. EU-skeptische Nationalisten und Rechtspopulisten werden vermutlich eine hohe Wahlbeteiligung generieren. Das Beispiel Brexit hat ja gezeigt: Wenn junge Leute nicht zur Wahl gehen, gehen sie zwei Jahre später mit Europafahnen demonstrieren.

    Das Gespräch führte Ulrike Müller.

    Termin Unter dem Motto "Gebet für Europa" organisiert das Seelsorge-Team der Pfarreiengemeinschaft Sankt Georg-Maria Ehrenberg am Samstag, 18. Mai, um 18.30 Uhr ein Gottesdienst in der Wallfahrtskirche auf dem Volkersberg . Danach spricht Staatsminister a.D. Eberhard Sinner bei einem politischen Dämmerschoppen in der Klosterschänke über Geschichte und Zukunft Europas. Los geht's um 19.45 Uhr.

    Anmeldung Die Pfarreiengemeinschaft bittet Interessierte, sich bis zum 17. Mai anzumelden. Tel.: 09741/ 2333.

    Ulrike Müller

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