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    Bad Kissingen

    Vorerst keine Reisen nach China

    Der Coronavirus beschäftigt die Menschen. Firmen unterlassen Geschäftsreisen von und nach Asien, in den Apotheken ist der Mundschutz ausverkauft und die Krankenkasse schaltet eine Hotline.
    Die Firmen im Landkreis verzichten vorerst auf Reisen nach China und der Mundschutz in den Apotheken ist vergriffen. Trotzdem: Es besteht kein Grund zur Panik.Fotos: stock.adobe.com / Montage: Dagmar Klumb
    Die Firmen im Landkreis verzichten vorerst auf Reisen nach China und der Mundschutz in den Apotheken ist vergriffen. Trotzdem: Es besteht kein Grund zur Panik.Fotos: stock.adobe.com / Montage: Dagmar Klumb

    In Deutschland gibt es den ersten bestätigten und weitere Verdachtsfälle des neuartigen Coronavirus. Nachdem im Hauptverbreitungsland China bereits über 100 Menschen gestorben sind, beschäftigt auch bei uns der Virus die Menschen. "Heute wollten schon drei Leute Mundschutz kaufen, aber der ist ausverkauft", bestätigt Günter Merkl von der Ludwig-Apotheke Bad Kissingen auf Nachfrage dieser Zeitung. Sonst sei die Lage bisher ruhig.

    Hände waschen sei das allerwichtigste. Mundschutz mache deshalb Sinn, weil von dem Virus die Bronchien stark betroffen sind, was zu Husten führt. Leider betrage die Inkubationszeit beim Coronavirus zwei Wochen, "solange merkt man nicht, wenn sich jemand angesteckt hat". Allerdings sei der Virus nicht gefährlicher als die hiesige Grippe und damit vor allem für ältere Leute und gesundheitlich Geschwächte gefährlich.

    "Ohne Panik wachsam sein", rät der Chefarzt und ärztliche Direktor am Thoraxzentrum Münnerstadt, Dr. Bernd Seese. der Bevölkerung. Der Coronavirus sei medial derzeit sehr präsent, aber die Sterblichkeit liege wie bei jeder Influenza bei rund zwei Prozent. Er erinnert daran, dass bei der letzten Influenza-Welle in Deutschland 25 000 Menschen gestorben sind.

    Wenn jetzt jeder, der 38 Grad Fieber und Schnupfen hat, den Coronavirus dahinter vermutet und zum Arzt geht, dann breche das Gesundheitssystem zusammen, meint Dr. Bernd Seese. Solche Beschwerden seien in dieser Jahreszeit häufig. Er verweist darauf, dass der Coronavirus eher die unteren Atemwege betrifft. Atemnot sei ein Indiz für die Krankheit. Ganz wichtig sei aber auch die Krankengeschichte. Alle vier Patienten in Bayern waren bei der gleichen Schulung. Wenn jemand keinerlei Kontakt zu China hatte, sei eine Infektion mit dem Coronavirus eher unwahrscheinlich.

    Sollten tatsächlich Verdachtsfälle auftreten, könne das Thoraxzentrum die Patienten in der Infektionsstation aufnehmen. Dann gelten die üblichen Vorkehrungen, was beispielsweise die Art des Mundschutzes des Personals angeht. Letztendlich könnten die Patienten auch nur beobachtet und mit viel Flüssigkeit und fiebersenkenden Mitteln behandelt werden, weil es sich um eine Viruserkrankung handelt. Wichtig sei die Diagnostik, etwa acht Stunden nach der Entnahme von Proben stehe fest, ob es sich um den Coronavirus handelt. Der Lungenspezialist meint, dass mit solchen Erkrankungen in Zukunft noch viel häufiger zu rechnen sein wird. "Das ist der Preis für die Globalisierung", sagt er.

    Gerüchte, dass es im Helios St. Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen bereits einen Patienten mit einer Corona-Infektion gebe, dementiert Stefanie Noe auf Anfrage. Sie teilt mit: Das Helios St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen folgt bei der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Verdacht auf das Corona-Virus den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, die wiederum auf aktuellen Mitteilungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) basieren. Das medizinische und pflegerische Personal sei nach einem Hygieneplan eingewiesen. "Bei Verdachtsfällen werden in enger Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden sofort alle Vorkehrungen getroffen, um den Befund zu sichern, die betreffenden Patienten zu isolieren und diese so schnell wie möglich zur Therapie in eine dafür ausgerüstete spezialisierte Klinik zu verlegen. Sollte es zu einem Verdacht kommen, ist das Helios St. Elisabeth-Krankenhaus mit den notwendigen hygienischen, medizinischen und baulich-technischen Voraussetzungen zur Erstversorgung von Patienten mit Verdacht auf eine Corona-Infektion ausgestattet."

    Kein aktueller Fall

    Noe macht allerdings ganz deutlich: "Nach aktuellem Stand gibt es in unserem Krankenhaus keine Patienten mit einer Corona-Infektion." Und Burkhard Lamer von der Pressestelle des Landratsamtes Bad Kissingen bestätigt auf Anfrage: "Dem Gesundheitsamt Bad Kissingen ist aktuell kein Fall einer Coronavirus-Infektion im Landkreis bekannt. "

    Nach den Todesfällen in China haben bereits die meisten Firmen, die mit Asien in Kontakt stehen, reagiert. Die Geschäftsführung des Autozulieferers Preh zum Beispiel hat die Entscheidung getroffen, bis auf weiteres alle Geschäftsreisen nach und aus Asien für die gesamte Preh-Gruppe einzustellen, teilt Pressesprecher Ronald Schaare mit. Die chinesische Joyson-Group ist seit 2012 alleiniger Eigentümer des Unternehmens in Bad Neustadt. Preh folgt damit präventiv einer Empfehlung des Auswärtigen Amtes in Berlin. Dieses rät allen Bundesbürgern und auch Unternehmen, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu vermeiden. Derzeit gebe es wegen der laufenden Feiertagswoche zum Chinesischen Neujahr ohnehin keine Dienstreisen von Preh-Mitarbeitern nach China, so Schaare weiter.

    Kontakt per Skype und Telefon

    Auch ein Automobilzulieferer aus dem Landkreis Bad Kissingen hält sich an dieses Reiseverbot, das vom Unternehmen für alle Werke in Europa verhängt wurde. Man sei in enger Abstimmung mit den Kunden , heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Betreuung von Lieferanten erfolge vorübergehend ausschließlich per Skype oder telefonisch. Mitarbeiter, die unlängst in China waren bzw. Kontakt hatten, machen derzeit Homeoffice.

    Es gebe für alles Risikopläne, momentan handele es sich mehr um allgemeine Maßnahmen. So werden zusätzlich Lieferantenketten und Beschaffungswege gecheckt. Man sei gut gewappnet, sagt der Geschäftsführer. Schwieriger könnte es für alle betroffenen Firmen werden, wenn sich das Reiseverbot länger hinzieht.

    Auch der fränkische Autozulieferer Schaeffler hat bereits in der vergangenen Woche seinen 89 000 Mitarbeitern Dienstreisen von und nach China verboten. Der Reisestopp gelte zunächst bis zum 15. Februar. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Herzogenaurach sowie eine Niederlassung in Schweinfurt hat, betreibt in China zehn Werke, auch in der besonders stark betroffenen Millionenstadt Wuhan.

    Büro in Wuhan nicht besetzt

    "Wir haben ein kleines Büro in Wuhan mit sechs lokalen Mitarbeitern. Diese sind derzeit aufgrund des chinesischen Neujahrsfests nicht im Büro", sagt Unternehmenssprecher Axel Lüdeke. Den Kollegen in China wurden Präventionsmaßnahmen genannt, wie sich eine Ansteckung mit dem Virus vermeiden lässt, so der Unternehmenssprecher . Dazu zählen dieselben Tipps wie sie auch zur Vermeidung einer Influenza-Infektion gelten: zum Beispiel regelmäßiges Händewaschen. Alle Mitarbeiter, die aus China zurückreisen, wurden aufgefordert, zunächst ein paar Tage von zu Hause aus zu arbeiten.

    Der Automobilzulieferer ZF, ebenfalls mit einem Standort in Schweinfurt, hat 40 Werke in China mit 14 000 Mitarbeitern. Dort ruht in der Neujahrsfest-Woche die Produktion. Derzeit gebe es zwar keine Geschäftsreisen nach China, sagt ein Konzernsprecher, doch "in einem weltweit tätigen Unternehmen gibt es immer Austausch". Der Kontakt zu den chinesischen Werken erfolge derzeit über Telefon- und Videokonferenzen. Den Mitarbeitern vor Ort wurden Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt.

    Hotline beantwortet Fragen

    Zur Aufklärung über mögliche Gefahren schaltet die DAK-Gesundheit in Bad Kissingen am Freitag, 31. Januar, von 8 bis 20 Uhr eine kostenlose Beratungshotline unter Tel.: 0800/ 111 18 41. Ärzte und Hygienefachleute beantworten Fragen zu Risiken und notwendigen Schutzmaßnahmen. Coronaviren verursachen bei Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu schweren Infektionen der unteren Atemwege und Lungenentzündungen . "Vor allem für Patienten, die an einer Vorerkrankungen leiden, ist eine Infektion gefährlich", sagt Jörg Müller von der DAK-Gesundheit Bad Kissingen . Die Hotline soll zur Aufklärung beitragen.aj,clk,cwi,FG

    Thomas Malz, Kerstin Väth

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