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    Neuwirtshaus

    Wasserparadiese im Neuwirtshauser Forst

    Libellen schwiren umher, ein Lebewesen verrät sich durch kreisförmige Wellen an der Wasseroberfläche: Im Neuwirtshauser Forst gibt es nicht nur Bäume zu sehen.

    Zahlreiche Feuchtbiotope überziehen die Fläche. Sie reichen von der Größe eines Wasserlochs bis zu einem ausgeklügelten System von Teichen, die miteinander verbunden sind. "Der Schwarzstorch profitiert von den Amphibien", sagt Revierleiter Arnulf Schöberl. Doch nicht nur diesem scheuen Waldbewohner, der an geheim gehaltenen Standorten im Neuwirtshauser Forst brütet, helfen die Wasserflächen.

    Wollgras, Sonnentau, Moosjungfern, verschiedene Molcharten, nennt Daniel Zippert als Beispiele für Pflanzen und Tiere, die sich an und in den Wasserflächen ansiedeln. Die werden künstlich angelegt. "Man braucht ein Händchen dafür", sagt der Leiter des Forstbetriebs Hammelburg der Bayerischen Staatsforsten.

    Schöberl hat die nötige Erfahrung. Er gehört mit seinem Kollegen Christian Müller-Wirth zu den Revierleitern, die sich dafür sehr engagieren. Die Bereiche im Neuwirtshauser Forst bieten sich für die Anlage von Feuchtbiotopen an: Es sind nasse und forstwirtschaftlich schwierige Standorte, weil im Untergrund Lehm und Ton liegt. Für Schöberl sind die Biotope daher auch ein Beitrag zum Hochwasserschutz, weil sie bei Starkregen Wasserspitzen abfangen.



    Die größeren Biotopsysteme sind so angelegt, das ein Teich in den anderen überlaufen kann. "Es braucht einen versierten Baggerfahrer", erklärt Schöberl. Denn es geht nicht darum, einfach ein Loch auszuheben. Schöberl sagt: "Eine Steilwand bringt dem Frosch nichts." Daher wird das Gelände nach der Baumfällung so modelliert, dass Schwünge, Landzungen und Inseln, verschiedene Ufer-, Flachwasser- und Tiefenzonen entstehen. Schöberl setzt Fische wie die Karausche ein, und dann darf sich die Natur die Biotope selbst erobern. Nach wenigen Jahren sieht die Wasserfläche aus, als würde sie schon immer in den Wald gehören.

    Rund 700 Feuchtbiotope auf einer Fläche von etwa 70 Hektar sind laut Zippert im Gebiet des Forstbetriebs entstanden. Der Schwerpunkt habe in den vergangenen acht bis neun Jahren gelegen. Etwa 400 000 Euro aus verschiedenen Fördertöpfen sind dafür investiert worden, sagt Zippert.

    Einige Biotope sind in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz (BN) geschaffen worden. So wurden die ersten schon in den 1980er Jahren unter anderem auf Anregung von Ulf Zeidler angelegt, wie Elisabeth Assmann vom BN auf Nachfrage bestätigt. Die künftige Aufgabe wird vor allem die Pflege der Biotope sein, wie Zippert erklärt. Daher werden verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, die Bereiche kostengünstig offen zu halten. Sonst drohen die Biotope zuzuwachsen, sodass sie kein Licht mehr bekommen. Manche Biotope müssen künftig aber unangetastet bleiben, weil sie nun in der Kernzone des Biosphärenreservats Rhön liegen. Sie ermöglichen einen Vergleich der Naturentwicklung.

    Treffpunkt
    Der Bund Naturschutz bietet zusammen mit dem Forst am Samstag, 28. Juli, eine Exkursion. Rainer Betz führt durch den Neuwirtshauser Forst. Treffpunkt ist um 14 Uhr auf dem Parkplatz an der Aspenmühle. Die Feuchtbiotope werden ein Thema der Exkursion sein. Arkadius Guzy

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