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    Münnerstadt

    Welt-Asthma-Tag: Ein Gespräch mit Chefarzt Dr. Bernd Seese vom Thoraxzentrum des Bezirks Unterfranken in Münnerstadt

    Der Ärztliche Direktor und Chefarzt Pneumologie der Klinik, Dr. med. Bernd Seese, beantwortete der Zeitung zum Welt-Asthma-Tag einige Fragen zu dieser Erkrankung.
    Der ärztliche Direktor des Thoraxzentrums und Chefarzt Pneumologie, Dr.   Bernd Seese (Bildmitte) bei einer Bronchoskopie-Untersuchung. Links  Ludmilla Hesler, Fachpflegekraft Endoskopie. Foto: Marion  Meißner-Dauelsberg       -  Der ärztliche Direktor des Thoraxzentrums und Chefarzt Pneumologie, Dr.   Bernd Seese (Bildmitte) bei einer Bronchoskopie-Untersuchung. Links  Ludmilla Hesler, Fachpflegekraft Endoskopie. Foto: Marion  Meißner-Dauelsberg
    Der ärztliche Direktor des Thoraxzentrums und Chefarzt Pneumologie, Dr. Bernd Seese (Bildmitte) bei einer Bronchoskopie-Untersuchung. Links Ludmilla Hesler, Fachpflegekraft Endoskopie. Foto: Marion Meißner-Dauelsberg

    Jeden ersten Dienstag im Mai findet seit 1998 der Welt-Asthma-Tag statt. Damit will die GINA (Global Initiative for Asthma ) auf diese vielfach unterschätzte Volkskrankheit aufmerksam machen. 235 Millionen Menschen weltweit waren im Jahr 2019 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation an Asthma erkrankt. Bei Kindern und Jugendlichen ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung. Münnerstadt hat zum Welt-Asthma-Tag am 5. Mai eine besondere Beziehung, gehört doch Asthma zum Behandlungsspektrum des Thoraxzentrums des Bezirks Unterfranken auf dem Michelsberg.

    Wie sind, ganz kurz zusammengefasst, die Symptome von Asthma ?

    Bernd Seese Husten , Luftnot bei Belastung, dadurch Leistungsminderung, Engegefühl in der Brust, Auswurf, pfeifende Atemgeräusche. Bei allergischem Asthma eventuell auch Beschwerden der Nase (zugeschwollen) und der Augen (Schwellung, Bindehautreizung).

    Wie weit verbreitet ist Asthma in Deutschland? Gibt es Bevölkerungsgruppen, die davon besonders betroffen sind?

    Man kann über den Daumen weltweit von einer Häufigkeit bei Kindern von circa zehn, bei Erwachsenen von circa fünf Prozent ausgehen. Die Beschwerden beginnen häufig schon im Kindesalter. Adipositas bei Kindern ist hier ein wesentlicher Risikofaktor, 29 Prozent der adipösen Kinder leiden an Asthma .

    Asthma ist eine Lungenerkrankung , deshalb steht es im Thoraxzentrum des Bezirks auf der Liste der Krankheiten, die in Münnerstadt behandelt werden. Wie läuft, ganz kurz gesagt, eine Asthma-Behandlung ab?

    Erster Schritt ist die Klärung der Ursache des Asthmas. Handelt es sich um ein allergisches Asthma , lässt sich ein auslösendes Allergen erkennen, ist dieses Allergen vermeidbar (Katzenhaare, Hausstaub, bestimmte Nahrungsmittel, chemische Produkte, etc.)? Lässt sich das Allergen nicht vermeiden, da es ubiquitär (allgegenwärtig) vorhanden ist, ist eventuell eine sogenannte "spezifische Immuntherapie " angezeigt, das heißt eine Art Impfung oder Desensibilisierung, indem man das Allergen in winzigen Dosen zuführt und den Körper "immun" macht. Bis diese Maßnahmen greifen, muss durch inhalative Therapie das Asthma "kontrolliert" werden.

    Die Basis der inhalativen Asthmabehandlung sind inhalative Kortisonpräparate. Durch den konsequenten Einsatz kann das Entzündungsgeschehen des Asthmas gebremst werden. Bestehen weiter Beschwerden, dann können zusätzlich inhalative Medikamente, die die Bronchien aktiv erweitern und die verkrampfte Bronchialmuskulatur entspannen, eingesetzt werden.

    Bei schwerer Erkrankten spielt neben der medikamentösen Behandlung die Atemphysiotherapie, eine Art "Krankengymnastik für die Atemwege", eine wichtige Rolle, um den Schleim aus den Atemwegen zu befördern, den Brustkorb elastisch zu halten. Die Patienten müssen an körperliches Kraft- und Ausdauertraining herangeführt werden und wieder Vertrauen in ihren Körper und seine Leistungsfähigkeit gewinnen. Körperliche Inaktivität ist schlecht und kontraproduktiv.

    In der medikamentösen Therapie müssen Kortisontabletten wenn irgend möglich vermieden werden. Dazu empfehlen wir in solchen schweren Fällen den Patienten den Einsatz sogenannter "Biologicals". Das sind Antikörper, die der Patient in größeren Abständen gespritzt bekommt. Diese richten sich gegen körpereigene Botenstoffe, die das Asthma unterhalten, dazu müssen aber spezielle laborchemische Bedingungen erfüllt sein.

    Wie viele Asthma-Kranke kommen etwa pro Jahr in Ihre Klinik und wieviel Prozent der Patienten machen sie aus? Aus welchem Raum kommen sie?

    In den letzten 20 Jahren ist der Anteil schwer kranker, schlecht kontrollierter Asthmapatienten durch den zunehmenden Einsatz der inhalativen Kortisonpräparate Gott sei Dank zurückgegangen und die meisten Asthmapatienten können ambulant behandelt werden. Während vor dieser Zeit fast täglich schwere Asthmaanfälle auf die Intensivstation eingewiesen wurden, ist dies mittlerweile deutlich seltener der Fall.

    Heute bestimmen eher Patienten mit einer chronisch obstruktiven Bronchitis ( COPD ), die meist eine typische Rauchererkrankung ist, Patienten mit akuten Lungenentzündungen , Patienten mit Krebserkrankungen, Patienten mit Lungengerüsterkrankungen (Entzündungen, Vernarbungen des Lungengewebes), Patienten mit nächtlichen Atemstörungen wie die Schlafapnoe oder Patienten mit Hochdruck im Lungenkreislauf unser Patientengut. Wir sehen heute im stationären Bereich wesentlich mehr Patienten mit Lungenkrebs als mit Asthma .

    Unsere Patienten kommen dabei schwerpunktmäßig aus Unter- und Mittelfranken, aber auch aus den angrenzenden Bundesländern Hessen und Thüringen.

    Hat die Aufklärung über Asthma den notwendigen Stellenwert oder müsste hier mehr getan werden?

    Die Medizin ist hier in den letzten 20 Jahren deutlich besser geworden, wir sind aber noch nicht am Ziel. Eine europäische Studie zeigte, dass in Deutschland nur bei etwa 53 Prozent der Patienten das Asthma gut kontrolliert ist, bei 19 Prozent ist es teilweise kontrolliert, bei 28 Prozent besteht keine ausreichende Krankheitskontrolle.

    Es muss ständig an der optimalen Schulung der Patienten gearbeitet werden. Sie müssen ihr Inhalationssystem perfekt anwenden und korrekt inhalieren. Der Patient muss neben der ärztlichen Führung zum Selbstmanagement seiner Erkrankung angeleitet werden, das heißt Schulung und Verständnis über die Erkrankung.

    Asthma ist ein dynamisches Krankheitsbild mit Phasen guter und schlechter Kontrolle und der Einsatz medikamentöser Maßnahmen muss stets der Krankheitsschwere angepasst werden.

    Was würden Sie sich wünschen?

    Dass es mehr Öffentlichkeitsarbeit gibt, um über Asthma aufzuklären, das Schulungen noch weiter verbessert werden. Die Patienten sollten frühzeitig zum Arzt kommen, und dass es immer weniger Patienten gibt, die dauerhaft Kortisontabletten einnehmen müssen. Außerdem sollten Angebote für Lungensport gefördert werden, deshalb werden wir am Thoraxzentrum in Münnerstadt ab Herbst 2020 eine Lungensportgruppe etablieren. Die Fragen stellte Dieter Britz

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    Dieter Britz

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