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    Fuchsstadt

    Wenn der Lanz auf das Dieselross trifft

    Die Museums- und Landmaschinenfreunde Fuchsstadt lassen zum zehnjährigen Jubiläum die "gute alte Zeit" im Museum und auf der Straße wieder aufleben.
    "Es war Glücksfall und Verpflichtung zugleich, dass die Gemeinde vor zwölf Jahren das Mützelhaus erwerben konnte", erklärt Bürgermeister Peter Hart den Besuchern im ländlichen Museum von Fuchsstadt. Glücksfall, weil jahrzehntelang am und im Haus nichts verändert worden ist, die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes seit den 1960er Jahren stehen geblieben ist. Verpflichtung, weil die Gemeinde das heruntergekommene Anwesen, in höchst sensibler Lage direkt neben der Kirche, erhalten wollte. "Wir unterstützen, wo wir können", bestätigt der Bürgermeister "aber es ist das große Verdienst der Museums- und Landmaschinenfreunde, dass sich das Haus zu einem musealen Kleinod entwickeln konnte".


    Aus Dornröschenschlaf erweckt

    Zum Jubiläum ist das Anwesen wieder eindrucksvoll herausgeputzt und das gesamte Areal präsentiert sich als detailgetreues Zeitgemälde. Ein ländliches Dornröschenhaus aus einem alten Märchenbuch, als wäre der Maler, den Pinsel noch in der Hand haltend, plötzlich in einen tiefen Schlaf versetzt worden.
    Am Jubiläumssonntag herrscht Hochbetrieb. Unermüdlich führen Michael Schulz und Günter Wehner, gute Geister und Kenner des Museums, die Besucher durch die niedrigen Stuben aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mit den Nachkriegseinrichtungen, die tatsächlich überwiegend aus diesem Haushalt stammen. So können Gebrauchsgegenstände von damals in Wohn- und Schlafzimmer, Küche, Speicher und Keller in selten gesehener Dichte gezeigt werden. Da fehlt im Schlafzimmer der "Potschamber" (Nachttopf) unter dem Bett ebenso wenig wie das "Lavabo" (Waschschüssel mit Wasserkrug aus Porzellan) auf dem Wäscheschränkchen. In der Küche beeindrucken Küchengeräte aus Emaille, die exakt aufgereiht unterm Tellerbord hängen.

    Michael Schulz erklärt Ulrike und Günther Kießling, was man in der "Kredenz" früher so alles gezeigt hat. Das Ehepaar ist extra aus Aschfeld bei Karlstadt nach Fuchsstadt gekommen, weil sie gehört haben, dass man hier eindrucksvoll sehen kann, wie man früher gelebt hat. Günter Wehner erklärt eine Nachkriegsrarität, eine Glühlampenfassung mit fünf Anschlüssen für weitere elektrische Geräte. Sicherheitsfragen waren damals eben noch nicht so ausgeprägt, erklärt Wehner den staunenden Besuchern.
    In der Scheune und auf dem ehemaligen Getreideboden sind landwirtschaftliche Großgeräte ausgestellt. Rüben- und Putzmühle, Wagen, Schlitten, erste Mäh- und andere Landmaschinen. Damit beschäftigt sich der andere Teil des Vereins, zeigt die Maschinen, die den Bauern von damals das harte Leben ein wenig erleichtert haben. Für das Jubiläum haben erster Vorstand Dominik Schaub und seine Getreuen deshalb auch eine Rundfahrt historischer Fahrzeuge und die Vorführung landwirtschaftlicher Maschinen organisiert.


    Diesel liegt in der Luft

    Mit tiefem "Räng-däng-däng", dem typischen Blubbern der Zweitakter, tuckern die blauen Lanz Buldogs um das Kirchenareal, grüne Fendt Dieselross von anno damals dahinter, bejubelt von den Zuschauern, die sich in die Schattenplätze geflüchtet haben. Rauchwölkchen steigen aus den Schloten der blau-grünen Hanomags, roten Porsches und der blassblauen Eicher, von denen die Besitzer der Nostalgietraktoren fröhlich winken. Fast 50 blankgeputzte landwirtschaftliche Oldtimer glänzen in der Sonne. Der Schwall Diesel in der Nase gehört einfach dazu, meinen die Bulldogfreunde aus Bürgstadt, die ihre Traktorfreundschaft mit den Fuchsstädtern wieder aufgefrischt haben. Sie waren schon am Samstag da, als unter freiem Himmel im idyllischen Festplatz, die "Wasserlöser Pfannenflicker" zünftige Musik gemacht und für prächtige Stimmung gesorgten haben. "Es ist ein wunderbares Fest", meint Vorstand Dominik Schaub, dankt Pfarrer Norbert Wahler für die Fahrzeugsegnung und seinen Mitstreitern für die landwirtschaftlichen Vorführungen und freut sich auf den Ausklang, wenn die Fuchstädter Musikanten unterm Schattendach der Eichen, Buchen und Linden aufspielen und lacht: "So schön kann Landleben sein"! Werner Vogel

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