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    Ebenhausen

    Wenn's in der Scheune rockt

    Kleeblatt reloaded auf der Bühne in der Schlossscheune in  Ebenhausen. Foto: Elisabeth Mehn
    Kleeblatt reloaded auf der Bühne in der Schlossscheune in Ebenhausen. Foto: Elisabeth Mehn

    Das Schlossfest, das die Blaskapelle Ebenhausen seit dem Jubiläumsjahr 2012 zum 60-jährigen Bestehen des Vereins jährlich veranstaltet, hat sich etabliert. Teils setzen die Verantwortlichen auf Altbewährtes, teils probieren sie auch vollkommen Neues aus.

    Inzwischen schon bewährt hat sich ein Abend mit einer alten Kultband aus der Zeit des "Saalbau Karch". Bisher war dies immer die Band "Jets", in diesem Jahr kam mit "Kleeblatt reloaded" zum ersten Mal ein anderer Wegbegleiter von damals zum Konzert nach Ebenhausen . Trotz vorherigen Regens kamen rund 180 Musik- und Tanzbegeisterte in die kultige Schlossscheune, um Pop- und Rockklassiker von den 60er bis zu den 90er Jahren zu hören. So auch der eingefleischte Kleeblatt-Fan Martin aus Schleerieth, der jede Menge T-Shirts und Schallplatten der Band sein eigen nennt. "Man trifft fast die gleichen Leute hier wie vor 40 Jahren", schmunzelt eine andere Besucherin. Und genauso wie früher wurde getanzt und gerockt, auch wenn es deutlich mehr Sitzplätze als früher beim "Karch" gab.

    Am nächsten Tag jedoch gehörte die Bühne den ganz jungen Musikern. Am Sonntag fand der Vorspielnachmittag der Blaskapelle statt, an dem alle Musiker in Ausbildung der Öffentlichkeit präsentieren können, was sie gelernt haben. Derzeit werden stolze 40 Nachwuchsmusiker bei dem Ebenhäuser Musikverein ausgebildet. Die Ausbildung beginnt mit der musikalischen Früherziehung, im Anschluss bekommen die Kinder ein Jahr Flötenunterricht, um die Noten zu lernen und erst danach, ungefähr in der zweiten Klasse, erhalten sie Individualunterricht an ihrem Instrument.

    Wer sein Instrument schon etwas beherrscht, wird dann in die Nachwuchskapelle "Notenkiller" eingegliedert. Doch spielen nicht nur Kinder und Jugendliche mit, auch einige Erwachsene sind bei der 15-köpfigen Kapelle dabei. So wie der 57-jährige Gregor Lutz, der dort nach vielen Jahren wieder angefangen hat, sein einst gelerntes Instrument Posaune zu spielen. Da die Blaskapelle vor einiger Zeit eine Posaune benötigte, hat er sein altes Instrument zur Verfügung gestellt. Sie war schon etwas "eingerostet", wurde dann aber komplett gereinigt und überholt und damit quasi aus dem Dornröschenschlaf geweckt. "Danach hat es mich gejuckt und ich wollte aus Spaß an der Freud nur ein wenig spielen. Und da meine Frau Steffi sowieso schon bei den Notenkillern mitspielt, hab ich mir gedacht, da kann ich auch gleich mitmachen", erzählt Lutz, der auch noch Jagdhorn spielt.

    Aber in der Regel werden natürlich Kinder und Jugendliche ausgebildet: Da gibt es die Blechblasinstrumente wie Posaune , Trompete, Flügelhorn, Tenorhorn und Bariton, die allesamt vom langjährigen Dozenten Harald Pelz ausgebildet werden und die als erstes nach den Notenkillern ihre Fertigkeiten zeigen durften. Danach spielten die sieben Querflötistinnen, die von Diana Vieth unterrichtet werden. Die Holzblasinstrumentenausbildung liegt in den Händen von Isabell Schmitt, die gleichzeitig auch die Dirigentin der Hauptkapelle ist. Den rhythmusbetonten Abschluss bildeten die beiden Nachwuchsschlagzeuger, die bei Manuel Bauer in die Lehre gehen.

    Am Sonntagabend schließlich erwartete die Festbesucher etwas ganz Neues, nämlich ein sogenanntes "Scheunensingen". Schließlich wurde ja nicht im Wirtshaus, sondern in der Schlossscheune gesungen. Die Musiker Toni Weithmann, Georg Quast und Volker Keß, verstärkt durch ihren Kollegen Nico, begeisterten das Publikum mit ihren Mitsing-Liedern, wunderbar vorgetragen nicht nur mit Gitarre, sondern auch mit Mandoline, Mundharmonika und sogar Dudelsack. Ihr Repertoire beinhaltete hierbei weniger klassische deutsche Wirtshaus- und Volkslieder, sondern eher die Lieder der Flower-Power-Zeit aus den 68er Jahren mit Beatles, CCR, Bob Dylan und Liedermachern wie Reinhard Mey und Reinhard Fendrich. Eingestimmt haben die Musiker ihr Publikum mit dem sogenannten "Wirtshaussingersong", der als Gebrauchsanweisung für den Abend diente. Prompt wurden die Zuschauer von den Musikern abgefragt, ob sie auch alles verstanden hätten. Dazwischen gab es immer wieder "Geschmarre mit Gitarre", was die witzige und schräge Moderation der Wirtshausmusikanten auf den Punkt brachte.

    Die Tische in der Schlossscheune wurden durchnummeriert und jeder Tisch durfte sich reihum ein Lied aus den ausgeteilten Liederbüchern aussuchen. Der vom Tisch mit den jüngsten Besuchern ausgewählte Titel "Es lebe der Zentralfriedhof" von Wolfgang Ambros löste große Heiterkeit bei dem fast durchweg aus älteren Semestern bestehenden Publikum aus. Gitarrist Georg Quast unterstellte: "Ihr seid doch nicht freiwillig hier! Wieviel haben Euch Eure Eltern geboten, dass Ihr da bleibt?" Ausgeklungen ist der sehr unterhaltsame Abend nach viel Gesang und Gelächter mit stimmungsvollen Stücken wie "Gute Nacht Freunde" und "Amazing Grace".

    Elisabeth Mehn

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