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    Bad Kissingen

    Wie im Wiener Kaffeehaus

    Georg Fichtner, der frühere Solobassist der Mainzer Hofsänger, findet sein Publikum auch jenseits der Fastnacht. Beim Kurmusik-Stammtisch in Bad Kissingen sorgte er für gepflegte Unterhaltung.
    Kongeniale Zusammenarbeit: Bassist Georg Fichtner begleitet von Michael Kunz an der Wersi-Orgel.  Foto: Vogel       -  Kongeniale Zusammenarbeit: Bassist Georg Fichtner begleitet von Michael Kunz an der Wersi-Orgel.  Foto: Vogel
    Kongeniale Zusammenarbeit: Bassist Georg Fichtner begleitet von Michael Kunz an der Wersi-Orgel. Foto: Vogel
    Das Ambiente stimmt, die Künstler sind ambitioniert. Der Kurmusik-Stammtisch des Fördervereins Kurorchester hat auch in seiner 13. Auflage sein Publikum im Kurgartencafé gefunden und gepflegt unterhalten. Vorsitzender Kurt Rieder konnte wieder rund 50 Freunde der Kurmusik begrüßen und stellte mit Georg Fichtner und Michael Kunz zwei bemerkenswerte Künstler vor, die mit ihren Solovorträgen für einen rundum gelungenen musikalischen Stammtisch sorgten.
    Nein, sein seidenglänzendes Kostüm mit den farbigen Bommeln an Jacke und Narrenmütze, mit dem er als Solobassist der Mainzer Hofsänger einst die Herzen der Zuschauer im Saal und Millionen an den Bildschirmen gewann, hatte Fichtner nicht mitgebracht. Ihn allein auf "Sassa" und "So ein Tag so wunderschön wie heute" zu reduzieren, würde ihm und auch den Hofsängern keineswegs gerecht. Kurt Rieder bezeichnete ihn als Weltreisenden in Sachen Chor und Operette und als Freund des Fördervereins mit vielfältigen Beziehungen zum Kurorchester und zu Bad Kissingen.
    Charmant flicht Fichtner immer wieder nette Geschichten aus seinem Künstlerleben und der Zeit als langjähriger "Kapitän" - so wird in Mainz der Chef der Hofsänger genannt - in seine Moderation ein, nimmt mit einem Medley aus Paul Abrahams "Blume von Hawaii" das Publikum schnell gefangen und überzeugt mit noch immer sonorer Stimme von umfassender Tiefe.

    Tiefe Töne und tausend Klänge

    Zum Erlebnis wird er an diesem Abend aber besonders als Interpret Wiener Lied. Mit stattlicher Figur, silbernen Haaren und korrekt gekleidet, lässt er als Grandseigneur der alten Schule mit Liedern vom Heurigen und Walzerseligkeit das Wien eines Paul Hörbiger und Hans Moser auferstehen. Da wird das Kurgartencafé zum nostalgischen Wiener Kaffeehaus.
    Freilich sorgte nicht nur Fichtner für musikalische Hochstimmung. Sein langjähriger musikalischer Begleiter, der Organist Michael Kunz an seiner Wersi-Konzertorgel mit den hundert Klangfarben brillierte mit Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra", ließ Cello, Gitarre, Hörner und Saxophon einzeln erklingen, um beim nächsten Auftritt seinem Instrument umfassende Orchesterklänge zu entlocken. So auch beim "Alten Dessauer". Da wurde dann rhythmisch mitgeklatscht: Ein ganzes Heeresmusikkorps schien in den Saal einzuziehen. Kunz war auch einfühlsamer Begleiter der Lieder Fichtners, mit dem ihn auch im Ensemble der "Rheinischen Troubadoure" eine langjährige Konzerttätigkeit verbindet.
    Die Verbundenheit mit dem Kissinger Kurorchester und seinem Förderverein unterstrichen die beiden Solisten mit dem Abschiedslied Fichtners: "Ich möchte, dass es Ihnen gut geht." Den fulminanten Schlusspunkt setzte dann Michael Kunz und entführte die Freunde des Kurorchesters in die Weiten des Ozeans mit virtuos dramatischen Klängen der Filmmusik von "Fluch der Karibik".
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    Werner Vogel

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