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    Bad Kissingen

    Wie Krach in Bad Kissingen einen Riesenspaß machen kann

    Jakob Encke und Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Violoncello) im Kurgartencafé. Foto: Gerhild Ahnert
    Jakob Encke und Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Violoncello) im Kurgartencafé. Foto: Gerhild Ahnert

    Wenn klassische Streichquartette angekündigt sind, die ihr übliches Repertoire mit Jazz kombinieren oder gar Ersteres auf Letzteres "herunterbrechen, dann ist Skepsis angesagt. Denn dass klingt oft nach gut gemeint und nicht gekonnt, weil ihnen die Klassik halt doch dominierend in den Knochen steckt. Beim Late Night Concert des Vision String Quartets im Kurgartencafé zerstoben die Befürchtungen schon im ersten Takt. Zum einen hatten Jakob Encke und Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Violoncello), entgegen der Ankündigung und passend zum "Mann de Tages", sich mit Joseph Haydn auseinanderzusetzen und Jazzstandards und Eigenkompositionen spielten. Und weil sie den Jazz ziemlich kompromisslos als eigene Gattung mit eigenen Anforderungen betrachten.

    Enormer Drive

    Und entsprechend legten sie los - mit einer Eigenkomposition, mit der sie zeigten, was sie drauf haben: ein hundertprozentiges Gespür für den Rhythmus - dass klassische Musiker wirklich auf die Eins kommen, ist eher selten - enormen Drive, Lust am Krawall und an kreativ-hässlichen Tönen - und die Kunst, die im Jazz üblichen Instrumente vergessen zu machen, insbesondere das Schlagzeug. Das können sie alles selber. Mit dem Choppen kann man jede Snare Drum ersetzen, und das gezupfte Cello ist ohnehin besser als der Kontrabass, weil s sich besser durchsetzt.

    Und sie bedienten sich überall: bei Oliver Nelson oder Benny Goodman mit seinem "Daisie's Dream", bei der Musik zum Kurzfilm "For the Birds" aus den Pixar Studios, zu der sie auch noch ein eigenes Ulkgedicht dabei hatten, oder bei George Gershwin und seinem "Fascinating Rhythm" oder einer Samba, bei der alle vier Instrumente zu Gitarren wurden. Es war einfach ein Riesenspaß.

    Und ganz zum Schluss gab's doch noch einen kurzen Haydn - als Zugabe: dass Poco Adagio aus seinem Quartett Hob.III:77, auch bekannt als deutsche Nationalhymne. Da hauten sie plötzlich Granaten rein, dass der Abschluss geradezu politisch wurde.

    Thomas Ahnert

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